Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

Es müßte meines Erachtens das wesentliche Ziel eines neuen 
Okosozialismus sein, diese fatale Verbindung von „Blut und Boden” ; 
im deutschen „Heimat”-Begriff durch eine überzeugende Synthese 
zwischen der ökologischen und der freiheitlich-sozialistischen Tra- 
dition aufzubrechen. Ich sehe nicht, daß dies innerhalb der „Grü- 
nen” bereits geschieht; im Gegenteil: die alten, von den Nazis auf- 
gegriffenen „system”, großstadt- und industriefeindlichen Phrasen 
finden nun im Nachhinein sogar eine Aufwertung wegen ihres 
„fortschrittlichen” ökologischen Inhalts, und selbst ein Mann wie 
Rudolf Bahro, der es eigentlich besser wissen müßte, stößt in dieses 
Horn, ?9 wenn er die „Grünen” als anti-industrielle und antikapita- 
listische Sammlungspartei der Unzufriedenen, ‚also als Negativ- 
bündnis, nicht als sozialistische Alternative konzipiert, und mit der 
Absegnung von Herbert Gruhls Formel „Nicht rechts im traditio- 
nellen Sinne und nicht links (jedenfalls nicht sehr links) im traditio- 
nellen Sinne, sondern vorn werden wir stehen” ?” die klassische le- 
bens- und kulturreformerische Position vom „Dritten Weg” auf- 
greift, ohne den bedenklichen historischen Ballast dieses „Radika- 
lismus der Mitte” zu erkennen. Es scheint, daß die mit den 
apokalyptischen Untergangsängsten verbundene „neue Spirituali- 
tät” auch zu einer gedanklichen Lähmung führt, so daß der Weg zu- 
rück und der Weg nach vorwärts manchem „grünen” religiösen 
Enthusiasten als ein und derselbe vorkommt. Mit Blindheit dieser 
Art sollte aber der prophetische Seher einer besseren Zukunft nicht 
geschlagen sein. 
Auszüge aus einem 1985 erscheinenden Buch von Ulrich Linse: „Ökopax und Anar- 
<hie. Zur Vorgeschichte der Grünen”. 
Anmerkungen 
1) Die Grünen. Das Bundesprogramm. Bonn O. J. 
2) Emil Birkert, Von der Idee zur Tat. Aus der Geschichte der Naturfreundebe- 
wegung. Heilbronn o. J. (1970), S. 146-152. 
3) Robert Jungk, Und wieder wird marschiert ... In: Süddeutsche Zeitung Nr. 185 v. 
4. 8. 1966, S. 3. 
4) Christian Wagner, Neuer Glaube. Neuausgabe Kirchheim/Teck 1980. 
5) Die Grünen: Sinnvoll arbeiten - solidarisch leben. Gegen Arbeitslosigkeit und 
Sozialabbau (Sindelfinger Beschlüsse). Bonn o. J. 
6) Bericht in „Kikeriki. Zeitung für Kultur, Politik und Gemeinschaftsprojekte, Nr. 5 
v. August/Oktober 1983. 
7) Rudolf Bahro, Pfeiler am anderen Ufer. Berlin 1948, S. 200-205. 
8) Die Grünen - Bundesarbeitsgemeinschaft Kommune-Bewegung: Vorbereitungs- 
Reader zur Kommune-Bewegung. Burg Stettenfels bis Heilbronn 21.-24. Juni 1984 
0.0. 1984. 
9) Rudolf Bahro, Spirituelle Gemeinschaft als soziale Intervention. Rede auf der 
Kommune-Bewegung Burg Stettenfels am 22. 4. 1984. In: Kommune. Forum für Poli- 
tik und Ökonomie, 2. Jg. Nr. 9 v. 7. 9. 1984, S. 35-40. 
10) G. Hohorst, J. Kocka, G. A. Ritter, Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch. Materia- 
lien zur Statistik des Kaiserreiches 1870-1914. München 1975, S. 19. Die Zahlenan- 
gaben ebd., S. 19 und 40. 
11) Wieder abgedruckt in: Friedrich Lienhard, Neue Ideale nebst Vorherrschaft Ber- 
lins. Gesammelte Aufsätze. Stuttgart 1923, S. 129 ff. 
12) R. v. Krafft-Ebing, Nervosität und neurasthenische Zustände. Wien 1895, S. 48. 
13) Hans Kampffmeyer, Die Gartenstadtbewegung. 2. Aufl. Berlin-Leipzig 1913, S. 
103. 
14) Zum folg. Walther Schoenichen, Naturschutz, Heimatschutz. Ihre Begründung 
durch Ernst Rudorff, Hugo Conwetz und ihre Vorläufer. Stuttgart 1954, S. 285 f. 
15) Freideutsche Jugend. Festschrift zur Jahrhundertfeier auf dem Hohen Meißner. 
Jena 1913. Neuausgabe u. d. T. Mensch und Erde, ein Denkanstoß, mit einem Vor- 
wort von Professor Bernhard Grzimek. Bonn 1980. 
16) Ulrich Klan, Der Anarcho-Syndikalismus im rheinisch-bergischen Raum zwi- 
schen 1918 und 1945 als Kulturbewegung. Staatsexamensarbeit Wuppertal 1948, S. © 
146-161. Dieter Nelles und Ulrich Klan, Alternative Entwürfe im Rheinland - am . 
Beispiel der anarcho-syndikalistischen Siedlung ‘Freie Erde’ bei Düsseldorf (1921). 
In: Heribert Baumen, Francis Bulhof, Gottfried Mergner (Hersg.), Anarchismus in * Ad 
Kunst und Politik. Festschrift für Arthur Lehning. Oldenburg 1948, S. 71-82. a 
17) Friedrich Harjes, Stadt oder Genossenschaft und Kommune. In: Der freie Arbei- 
ter, 13. Jg. (1920), Nr. 2, S. 2f. 
18) Robert Robien, Vernunftarbeit. In: Der Syndikalist. Beilage, 3. Jg. (1921), Nr. 48. 
19) Über Ansätze und Grenzen ökologischen Denkens bei Marx informiert Iring Fet- a 
scher, Karl Marx und das Umweltproblem. In: Fetscher, Überlebensbedingungen il 
der Menschheit, München 1980, S. 110 ff. 
20) Paul Robien, Naturschutz. In: Der freie Arbeiter 14. Jg. (1921), Nr. 10, 5. 2 f. 
21) Naturfreunde! Revolutionäre! Druck: Der freie Arbeiter. Berlin o. J. (1921) 
Flugblatt]. Pr 
22) Vgl. u. a. Klaus-Jürgen Scherer, Frılz Viılmar(Hrsg.), Eın alternatıves SOz1alısmus- “ 
konzept: Perspektiven des Ökosozialismus. Berlin 1983, S. 10 und 392 ff.; Rolf Cant- nd 
zen, Freiheit unter.saurem Regen. Überlegungen zu einem libertär-ökologischen ) 
Gesellschaftskonzept, Berlin 1984. Dazu die Werke von Murray Bookchin über „öko- 
logischen Anarchismus”. 
23) Pedro Gonzales, Die naturrebellische Erlösung. In: Der freie Arbeiter, 18. Jg. va 
(1925), Nr. 48, S. 1 f. 3 N 
24) Cordelia, Die naturrevolutionäre Idee und ihre Gegner. In: Der freie Arbeiter 18. . ir . 
Je. (1925), Nr. 51, 8. 3 f. a 
25) Paul Robien, Der jüdische Nimbus. In: Der freie Arbeiter, 18. Jg. (1925), Nr. 35,5. A S 
2 f. Derss, Antisemiten. In: Ebd., 15. Jg. (1922), Nr. 34, 5. 2 f. % 
26) Rudolf Bahro, Elemente einer neuen Politik. Zum Verhältnis von Ökologie und m 
Politik. Berlin 1980, S. 102 f. Mi 
27) Ebd., S. 103. 
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