Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

ber 1908). Als Ende 1909 die Ergeb- nik uns bietet - das Problem der Stadt- lage der Produktion der Arbeitermiets- 
ng des Wettbewerbs VON sind erweiterung und der Innenstadtsanie- kasernen war. 
je Zeitgenossen enttäuscht: Nur 27 rung.” (Kornick 1910, S. 328) Das städti- i i i iti 
Entwürfe wurden eingereicht, fast alle sche Wachstum selbst, RUE über EEE TEE ee 
von „Groß-Berlinern”. Der „internatio- die Verkehrsinfrastruktur, scheint die nicht in diesen Vierteln selbst, sondern 
nale Wettbewerb” ist zu einem Berliner Bedingungen und Finanzierungsmittel am Stadtrand, in den Stadterweiterun- 
Wettbewerb geschrumpft. Ein erster zu entfalten, unter denen die unge- gen, für die der rationale Block ohne 
Preis wird nicht vergeben, der 1. und 2. liebte Stadt der Kaiserzeit den Ansprü- Seiten- und Querflügel (bei Jansen) 
Preis zusammengefaßt und geteilt chen einer „wirklichen Hauptstadt” bzw. die Baublockeinheit mit hoher 
(Preisträger Jansen und die Hochbahn- angepaßt werden kann. Rationali- _Rand- und flacher werdender Innenbe- 
gesellschaft mit Brix/Genzmer). Den 3. sierung heißt vor allem auch Funk- bauung (bei Eberstadt u. a.) propagiert 
und 4. Preis erhalten Eberstadt/- tionstrennung, eine Forderung, die be- wird. Die Mietskasernenviertel N or 
Möhring/Petersen bzw. Havestadt & reits 1898 von der königlichen Akade- offenbar nicht nachbesserungswürdige 
Contag mit Blum/Schmitz. mie des Bauwesens formuliert wurde. Festung zwischen der N weisLadtisch 
Wettbewerb und Preisvergabe sind „Eine Unterscheidung von Industrie, vumzustrukturierenden Altstadt und 
erst der Anfang der rührigen Public-Re- Geschäfts- und Wohngelände” so den modern zu gestaltenden Stadter- 
lations-Aktion der Vereinigung Berliner heißt es im Bericht Brinckmanns über weiterungen, werden allenfalls mit 
Architekten. Insbesondere dem Enga- den Wettbewerb Groß-Berlin, „ist von Straßendurchbrüchen versehen. die 
gement von Orto March ist es zuzu- allen Verfassern durchgeführt. Sie ge- den wachsenden Verkehr zwischen 
schreiben, daß noch eine zweite Stufe hört zu den bedeutenden sozialen und City und Peripherie am Fließen halten 
gezündet wird: die groß inszenierte volkswirtschaftlichen Errungenschaf- sollen. Damit wird der Grundstein 
öffentliche Präsentation der Wettbe- ten der modernen Stadtbaukunst” einer problematischen Strategie gelegt: 
werbsentwürfe im Rahmen einer Städ- (1910, S. 9) Die kritisierte Mietskasernenstadt wird 
tebauausstellung, die durch Beiträge Die Kritik an den Mietskasernenvier- nicht selbst Objekt städtebaulicher 
anderer deutscher und ausländischer teln der Kaiserzeit, deren bedeutendste Nachbesserungen sondern disponib- 
Städte angereichert wird. Am 1. Maiist Exponenten Eberstadt und Hegemann es Feld für Verkehrsmaßnahmen die 
es dann soweit: In der königlichen Aka- ja gleichzeitig Aussteller bzw. General- diese Quartiere zusätzlich belasten. Die 
demischen Hochschule für die bilden- sekretär der Ausstellung sind, wird in Aufwertung der Innenstadt und der 
den Künste an der Hardenbergstraße in den Räumen der Hochschule für die Peripherie erfolgt auf Kosten der Miets- 
Charlottenburg (eben nicht in Berlin!) bildenden Künste etwa in den Doku- kasernenviertel Gegen das „Großstadt- 
wird die „Allgemeine Städtebau-Aus- mentarfotos der „Ortskrankenkasse für ungeheuer” wird Krieg geführt und da 
stellung 1910 in Berlin” eröffnet. Aus- den Gewerbebetrieb der Kaufleute, ist man nicht zimperlich ” "Diese 
gangspunkt und Zentrum der Ausstel- Handelsleute und Apotheker, Berlin” Berliner Städtebau-Ausstellung wird 
lung sind die „27 Entwürfe des Wettbe- sowie in der Darstellung der Mietpreis- 
werbes zur Erlangung eines einheitli- problematik plastisch. Die Bilder der 
chen Groß-Berliner Bebauungsplanes, Ortskrankenkasse (Kat. Nr. 522) zeigen 
ausgeschrieben von den Gemeinden die elenden Wohnverhältnisse in den Ar Rn 
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Ein einheitlicher Bebauungsplan für der Berliner Altstadt. Vom Statisti- edit & Co. - der „Traum einer idealen Großstadt” 
Groß-Berlin - diese Formel faßt die schen Amt der Stadt Schöneberg nme ON EN EO der Ma die 
Grundsätze des modernen Städtebaus (Direktor Dr. Kuczynski) werden als Sefahrdrohenden Zustände des Straßenverkehrs an 
zusammen: Es geht nicht um vereinzel- Mietgesetzmäßigkeiten festgestellt: „1. /mzeinen Punkten zu verbessern, Veranlassung, neue 
te Projekte, auch nicht nur um ein Pro- Je kleiner die Wohnung desto teurer vr ie en a 
gramm der Stadterweiterung, es geht die Miete, 2 je niedriger das Ein- ausgeführten riesigen Kohlezeichnungen geben ein 
um die Rationalisierung der gesamten kommen, desto höher die Miete; die 3%/%schendes Bild der zukünfligen Großstadt, in der 
städtischen Agglomeration, die als Mietsquote ist bei den kleinen Sehnsucht unseres Zeitalters schwungvoll verkörpert 
dynamische, ständig wachsende Ein- Wohnungen gestiegen, bei den großen 's... Das ist ein anderer Geist, als jetzt die öffent- 
heit begriffen wird. „Den Kernpunkt gesunken” (Kornick 1910, S. 327; Kat. ArCRERT, MO ESEL DEE SIR OHES BUrCHER. Role 
de een be bildet - Nr. 527-29) Diese Darstellung richtet hie auf der Grlgge der Verka anlaeen an Die 
zufolge der fast „unbegrenzten sich implizit gegen das System der "inanzierung soll durch eine gesteigerte Ausnutzung 
Möglichkeiten”. die die Verkehrstech- freien Miete, das die unsoziale Grund- EEE ER ENT METER A 
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