Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1984, Jg. 17, H. 73-78)

platzsicherung, so doch aber als Beitrag zur Die Angst vor der eigenen Geschichte 
Lebenslagensicherung. Neue handhabbare ® 
Trägerformen, Beratung und Förderpro- Der Hang zu marktwirtschaftlichen Arbeiterturner 
SANS ED Te ED Bekenntnissen überrascht umso mehr, u. - 3 
ent ihre DS ATOETCR WOMEN TEC TCHC FOR als die Mehrzahl der noch heute rechtlich gründen ihre eıgene 
nen. Die bestehenden gWU wenden sich ver- bindenden Besonderheiten der gWU 
stärkt der Bestandspflege zu, auch im Sinne Klare Brüche mit der marktwirtschaft- Genossenschaft 
der Sicherung und Aktivierung sozialer Ge- lichen Steuerung darstellen: 
meinschaften und ihrer Fähigkeit, selbstaktiv ; n . ES 
die wachsenden Probleme zu lösen. Zudem ® die N a Sn 
betreuen sie, die neu entstehenden Kleinpro- es keine intersektorale Kapitalmobili- 
jekte (Bewohnergenossenschaften) in bedroh- tät gibt; . 
ten Beständen. Daß aber gemeinnützige Trä- ®, die Beschränkung der Verzinsung 
ger Vorrang bei der Förderung bekommen des Eigenkapitals auf 4% widerspricht 
und in die bedrohten Bestände expandieren, klar der Idee der Gewinnmaximie- 
setzte voraus, daß die neuen Wohnleitbilder rung; 
(„selbstnutzende Gemeinschaften“) auch von @ die Überschußbindung (Baupflicht 
Mittelstandsgruppen kulturell getragen wer- und Kleinwohnungsbau (früher)) ist 
den; Breite Schichten der Peyölkerung sorn nach der marktwirtschaftlichen Logik Un welchen Schwierigkeiten und in 
En WOHIN WUDSI SDEE ee S Kapitalfehlleitung; K welchem politischen und kulturellen 
men, S en sı ; ; Oontext die Baugenossenschaft FREIE 
dafür, daß die höhere Förderungswürdigkeit ® das Dauerwohnrecht widerspricht den SCHOLLE in Bielefeld — heute mit mehr als 
gemeinnütziger Projekte anerkannt wird, Marktprämissen nach Mobilität und 5000 Wohnungen eine Großgenossenschaft 
denn anders als bei der Einzeleigentumsför- vollständigem Wettbewerb; — 1911 gegründet wurde, berichten im fol- 
derung werden hier soziale Aufgaben miter- @, die Selbstkostenmiete widerspricht als genden die Genossenschaftler und Arbeiter- 
du SO Wohnraum wird gemeinsam gestal- Preiskontrolle zutiefst Idee und Funk- sportler Paul Schäfer und Fritz Niekamp: 
eier Lebensraum. z - 
tion des Marktpreises. 
Wer nach diesen Prinzipien im einzelnen Paul Schäfer 
Gefahren der Marktfolklore noch handelt (oder handeln muß), täte 
; gut daran, die dazugehörigen positiven „Seinerzeit im kaiserlichen Deutschland gab 
Die hier und in der WOHNBUND-Stel-  ordnungspolitischen Leitbilder statt irre- es zwei große Verbände, die Sport betrieben. 
lungnahme vertretene These ist, daß ge- führender marktwirtschaftlicher Folklo- Die eine Richtung war die ’Deutsche Turner- 
ns S ? ten. Doch obwohl es d | schaft’ — das war die bürgerliche Richtung —, 
meinnützige Träger nur dann eine Te zu vertreten. Doc On! CS CCN BC ; ;  Arhor 
Er Sg ne Sek ls eini ß und die andere Richtung, das war der ’Arbei- 
Zukunft haben, wenn sie sich in An- Meinnützıgen Sektor als einıgermaßen ; wi 
Rn CN, „Ss e . ß ; R “ ter Turn- und Sportbund’. Weil wir nun aber 
knüpfung an ihre Tradition wieder ihrer SUMm18€s System eines „autonomen egen diese bürgerliche Richtung eingestellt 
ordnungspolitischen Besonderheiten be- Oder „intermediären Sektors“ einmal ge- nen waren ur natürlich von  ENCH Belch- 
wußt werden und ihre sozialen und geben hat, der sich problemlos selbst legi- tet. Es ragte ja auch in’s Politische hinein. Die 
kulturellen Aufgaben reaktivieren. Das 'imieren konnte (während der Weimarer einzelnen Vereine hatten nach ihrem eigenen 
aktuelle Dilemma der gemeinnützigen Republik), ist heute oft nicht einmal Entwurf stieken lassen, aber wir hatten als 
Wohnungswirtschaft ist, daß sie auf- mehr eine Ahnung der ursprünglichen Hauptfahne die rote Fahne. In unseren Lie- 
gehört hat, sich ordnungspolitisch eigen- Funktionszusammenhänge da. Jahr- dern wurde das immer wieder betont.” 
ständig als Sektor zu legitimieren. Statt Zehntelanges Flickwerk und bewußtes 
auf Eigenständigkeit zu insistieren, wird Beseitigen der Voraussetzungen haben Fü Nickam 
bei fast jeder Verbandsstellungnahme ein ES eine widersprüchliche Struktur P 
Bekenntnis zur „sozialen Marktwirt- interlassen, die mehr Probleme produ- „Die meisten Turner waren organisiert: im 
schaft“ abgegeben. Man sieht sich selbst  Ziert als sie lösen kann. Wen wundert es Verband (Gewerkschaftsverband) und in der 
nicht als abgrenzbaren Sektor mit dann, daß die Zahl der Gegner in allen SPD. Die KPD und USPD entstanden im 
eigenen Allokations- und Verteilungs- Lagern größer ist als die der Erneuerer. Krieg ” 
formen, sondern als Summe von Markt- Der frühere Status der gWU beinhalte- 
unternehmen. Diese reale und ideolo- te keine „Privilegierung“, sondern eine Paul Schäf 
gische Entwicklung korrespondiert mit Art Tausch: die Selbsthilfeunternehmen au) SCHE 
einer „Verbetriebswirtschaftlichung“ der boten (zunächst freiwillig) zahlreiche „Die ’Deutsche Turnerschaft' sang; ’Oh 
wissenschaftlichen Literatur über die Bindungen bzw. Beschränkungen in der Deutschland hoch in Ehren’ und wir sangen; 
gemeinnützige Wohnungswirtschaft (ak- freien Verwertung ihres Eigentums einer- 'Die Freiheit hoch in Ehren’. Wir wollten un- 
tuelle Ausnahme: Krischausky/Mack- Selts sowie Leistungen, die die Kommune sere Freiheit: wir wollten aus dem Druck her- 
scheidt 1984). Die tatsächliche histori- entlasteten, andererseits an: aus. Wir hatten uns zur Aufgabe gemacht, die 
be WERE RE EEE EEE a) Die Nutzer bzw. Sozialanleger boten Arbeiterschaft % die Jugend im Daseinskampf 
Wohnungsunternehmen wird als Pink Vermögenseinsatz unter Ver- Die andere Richtung ging darauf hinaus, 
Kt ; os: Zicht auf Gewinnmaximierung (stattdes- das Volk wehrtüchtig zu machen und nach 
ebnungstheorem“ (Hämmerlein 1968) in sen 4%) und unter Verzicht auf W d too u ich 
der Literatur Hinzst gehandelt: wen ı 4% unter Verzicht au ert- em Motto ’siegriech woll’n wir Frankreic 
wundert cs dann: daß die Steuerbe steigerung und Spekulation; schlagen, sterben als ein deutscher Held’ — al- 
freiung der zWU iS N ORZUISSiee Priv b) Sie boten folgende Leistungen: so für Militärzwecke. Und weil wir nun so ein- 
Lung 8 assıge FTIVI Dauerwohnrecht, . Förderu des gestellt waren, wurden wir von den anderen 
legierung und Wettbewerbsverzerrung 7 A geächtet. Uns waren die Schulturnhallen als 
scbrandmarkt. wird (Bundesverband Kenn pBfbawis Mobilhierung Fümabeimed verboien.* 
freier Wohnungsunterneh ; h > i ?wie kö ) 
in diese Gefahr begibt - von der Wohn- tenbetreuung, Notfondss, Bildungs- und müssen versuchen Ob wr nicht eine hauen 
reform kommend - der kommt darin um. Freizeiteinrichtungen), Eigene Infra- können. Wir wurden ja immer stärker und die 
Oder: Wer die Plattform der „sozialen struktur (Müllabfuhr, Straßenreinigung, Mitgliederzahl wuchs und wir hatten eine ge- 
Marktwirtschaft“ wirtschaftsprogram- Straßenbeleuchtung usw.) wisse Macht schon erreicht. 
; % ; ; TEE . Dann haben sich zwei Vereine, der Turn- 
matisch wählt, gelangt nie und nimmer Weitsichtige Gemeindeverwaltungen bo- verein Hoffnung” und der Turnverein "Vor- 
zum gemeinnützigen Wohnungsunter- ten diesen „Entlastungsorganisationen wärts’ 
NK ; » s ärts’ zusammengeschlossen, haben das be- 
nehmen, sondern nur noch zur Subjekt- zahlreiche „Gegenleistungen“ an, z.B. sproch dh i ß 
€ ı L » ; ZZ. prochen und haben beschlossen, eine Genos 
förderung (Wohngeld) und einem klei- Befreiung von Bau- und Notariatsgebüh- senschaft zu gründen um eine Turnhalle her- 
nen Restbestand vollbelegungsgebun- ren, Steuerbefreiung, bevorzugte Bedie- zurichten. — Wir waren ja alle begeistert, wir 
dener Häuser für die kommunale Woh- nung mit Bauland oder Erbbaurechts- Turner ” 
nungsfürsorge (Szenario 1). konditionen, Bürgschaften, zinsgünstige
	        

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