Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

auszuführen. In der Entwurfskonzeption des Versuchsstandes für bil ist. Kanthölzer werden als Unterzüge über den Fensterschalun- 
passive Solararchitektur war ein massiver Bauteil vorgesehen, um gen (gleichzeitig auch Fensterlaibungen) in die Lehmwand einge- 
die Wirkungsweise eines solaren Gewinnungssystems im Vergleich stampft. Diese sekundäre Holzleiterkonstruktion dient nicht nur 
der beiden Bauweisen, leicht und massiv, zu testen. Die Arbeitsge- zur Ableitung der Windkräfte, der Befestigung der hinterlüfteten 
meinschaft Lehmbau (Renate Bondzio, Helmut Dörfer, Karlheinz Außenfassade, sondern auch als Leitschiene und Befestigung für 
Geissler, Kurt Gerfelder, Yvonne Reiter, Eberhard Rühl,”) entschied die Gleitschalung. Wichtig gegen die aufsteigende Feuchtigkeit ist 
sich für die Leichtlehmbauweise. Diese wurde den massiven Bau- eine Dachpappe als Sperrrschicht auf dem Mauerwerkssockel. 
weisen des Stampf- oder Quaderbaus vorgezogen, weil man beim . £ 
heutigen Komfortniveau nicht allein auf den Speichereffekt eines Auch der Fuß boden wird als Lehmboden ausgeführt. 10 cm fet- 
. nd ter Lehm als Sperrschicht, 20 cm Basaltschotter als Entspannungs- 
Außenwandstoffs setzen sollte und die Kombinationen von Lehm ; as x z zn 
at A . schicht (wobei die Luftzwischenräume auch dämmen), 15 cm 
mit einem Dämmstoff (etwa Stein/Glaswolle oder Kunststoff) nur . , e en a . 
. S 7 Leichtlehm als eigentliche Wärmedämmung und Biberschwanzzie- 
schwer vorstellbar ist. Ferner sollte der Dämmwert des Massivbaus . CN N 
N . gel oder Fliesen in einem Lehmmörtelbett als Gehbelag. Anstelle 
des D-Teils dem der Leichtbauwand des A-Teils angenähert sein. % « ; 
. . x ea . des Schotterbettes könnte auch eine Drainageplatte eingebracht 
Deswegen ist auch die Leichtlehmwand mit einer Breite von 39 ; a ze n 
R Sn . werden, die den Dämmwert des Bodens deutlich erhöhen würde. 
cm stärker als bei einer Außenwand aus Leichtlehm allgemein x . : ; 
LIT as . Dieser Vorschlag war in der Diskussion, wurde aber verworfen, da 
üblich (30 cm z. B. Volhard). Legt man die in der Literatur angege- der Lehmbauteil ohne Kunststoffe auszuführen war 
benen Wärmeleitzahlen von 0,14 W/mK (Volhard) bis 0,5 W/mK . ; 
(Minke) zugrunde, ergibt sich eine k-Wert-Bandbreite von 0,33 W/ Nach den planerischen Vorarbeiten beginnen Ende Mai die 
m’K bis 1,04 W/m’K (Die Ostwand aus Holzständern mit 14cm Arbeiten auf der Baustelle. Das sekundäre Holzgerüst - Leitern, 
Glaswolle, beplankt mit Gipskartonplatten, hat einen Wärme- Schwellen, Riegel, Unterzüge, Fensterlaibungen - sowie die Schal- 
durchgangswert von 0,28 W/m’K). Dieser angestrebte Wärme- tafeln, die an die Leitern angepaßt werden müssen, werden von 
dämmwert ist nur mit einem „leichten” Leichtlehm zu erreichen; jeweils drei bis vier Leuten in sieben Tagen fertiggestellt. Der ange- 
500 kg/m* war deshalb Richtwert für unser Projekt. lieferte Lehm muß nicht gemagert werden, das 40 cm lange Wei- 
Da aufgrund fehlender Normen Lehm nicht als konstruktiver zenstroh aus biologisch/dynamischen und herkömmlich/chemi- 
Baustoff zugelassen und Leichtlehm ohnehin kein tragendes Mate- schem Anbau kann für die 39 cm starke Wand direkt verwendet 
rial ist, bedarf es zur Ableitung der horizontalen wie vertikalen werden. Der Lehm wird über ein Sieb in eine Mörtelpfanne 
Kräfte einer Holzkonstruktion. Ein ausgesteiftes Holzskelett mit gestreut und mit einer Harke in 5-8 cm tiefem Wasser zu einer 
Zangenkonstruktion ist die primäre Tragstruktur. Windlasten, die dickflüssigen Lehmschlämme aufgelöst (Faustregel: die Schlämme 
die Leichtlehmwand aufzunehmen hat, werden durch Holzleitern ist gut, wenn der eingetauchte Finger braun eingefärbt bleibt und 
aus 4/6 bzw. 4/8 Kanthölzern, miteinander verbunden mittels gerade noch 1—2 Tropfen abfallen). In diese wird dann das Stroh 
Schwellen und Riegeln, in die Dachscheibe bzw. das gemauerte gestreut, mit den Füßen eingetreten und mit Mistgabeln mehrmals 
Fundament abgeleitet. Das große Eigengewicht der Leichtlehm- gewendet, bis die braune Lehmfarbe vom Stroh aufgenommen ist 
wand (Höhe 4,80 m am Giebel, Breite 39 cm) macht in halber (Faustregel: das Strohlehmgemisch ist richtig, wenn die Schlämme 
Wandhöhe eine Mauerdiele als Unterzug erforderlich, so daß die verbraucht ist, und das Stroh rundum eine braune Farbe angenom- 
Lasten der oberen Wandhälfte über die Holzleitern direkt in die men hat). Anschließend wird das Gemisch zur Seite gesetzt, um 
Fundamente geleitet werden, um so einer Verformung der unteren über Nacht zu ziehen. Durch dieses Mauken zieht das Wasser in das 
Wandhälfte vorzubeugen, bevor diese ausgetrocknet und formsta- Stroh ein, das dadurch seine Elastizität verliert und somit leichter in 
1“
	        

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