Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

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Betriebe und } %, { Der Holzschuhmacher 
Gerätschaft en Et Der Holzschuh wird aus Pappel- 
der alten Handwerke DH > € oder Weidenholz gefertigt. Die in 
etwa 30 cm Höhe gesägten 
und Gewer, ke MT, 6 „ Baumstämme werden je nach 
A\ ihrer Dicke in 4-6 Holzklötze 
T mit der Axt gespalten. Dabei 
» ergibt sich je nach Lage der Flä- 
MM chen am Klotz ein linker oder 
I ‘ © rechter Holzschuh. Mit der Axt 
SL werden die Scheite vorgehauen 
© > und die Fußhöhlung eingekerbt. 
A Mn Auf dem Klotz wird mit dem 
Werner Lindner (Deutscher Hei- „ Klotzmesser die äußere Form 
matbund) hat im Laufe des letz- I roh vorgeschnitten. Mit dem 
ten Jahrzehnts mit Hilfe junger A AV Aushöhlbeitel Ferse und Fuß- 
Studenten eine umfangreiche SF loch vorgestochen. Wenn beide 
Sammlung von Aufmessungen F Holzklötze so vorbereitet sind, 
und Bestandaufnahmen seltener / werden sie auf die Bohrbank ge- 
Handwerke und Betriebe vorge- ‘ keilt. Diese ist ein Baumstamm, 
nommen. So entstand eine etwa . der auf der einen Seite in der 
200 Darstellungen umfassende - a . ; Mauer eingelassen ist, auf der 
einzigartige Monographiereihe f KK 7 © anderen Seite durch Holzverstre- 
(bisher unveröffentlicht). Nach- z << . ) Os bungen gestützt ist. In der Mitte 
folgend: Der Holzschuhmacher. ) € ) Se LI etwa ist eine Parallelkerbung, in 
Die Zeichnungen stammen nebs: 4 7) der die beiden Holzschuhe, 
Beschreibung von dem Maler- Is einen Mittelkeil zwischen sich, 
ehepaar Stürmer. AZ eingekeilt werden. Dann wird 
tegischen Erfordernissen konzipierten Reichsautobahnen als und deshalb auch pädagogisch wertvolle Vorstufen bei der Heran- 
„naturnahes technisches Bauen in der Landschaft” zur Botschaft führung an die begeistert bejahte, weil wohlstandsfördernde tech- 
des kommenden anti-mechanistischen „Zeitalters des Lebendi- nische Entwicklung der Gegenwart waren. Und für den „Verein 
gen” („Natur-Heimat-Technik” heißt bezeichnender Weise der deutscher Ingenieure”, aus dem heraus von Miller 1903 die Grün- 
Untertitel dieses Werkes) hochstilisierte. So findet bei Lindnerund dung eines „Deutschen Museums von Meisterwerken der Natur- 
Seifert die seit der Weimarer Zeit mögliche Zusammenarbeit von wissenschaft und Technik” vornahm, brachten die „technischen 
Technik und Heimatschutz bei der Neuerrichtung technischer Bau- Kulturdenkmäler” den ersehnten Beweis, daß auch der „Tech- 
ten und Anlagen unter dem Vorzeichen prinzipieller Fortschritts- niker” ein Kulturträger war, der ob dieser Leistung sehr wohl den 
gläubigkeit bei gleichzeitig rückwärtsgewandter völkischer Weltan- Anspruch auf diejenige soziale Anerkennung hatte, die einst dem 
schauung statt. Bildungsbürgertum vorbehalten gewesen war. So waren es also 
sehr unterschiedlich motivierte Kräfte, die sich 1928 zusammenfan- 
den - das Deutsche Museum (vertreten durch Oskar von Miller), 
Il. der „Verein deutscher Ingenieure” (vertreten durch seinen Direktor 
Conrad Matschoß) und der „Deutsche Bund Heimatschutz” (mit 
Die „organische” Verbindung von Fortschrittsoptimismus und seinem geschäftsführenden Vorstandsmitglied Werner Lindner) - 
Technikbejahung auf der einen Seite und die Rückkehr zu den um in München eine „Deutsche Arbeitsgemeinschaft zur Erhal- 
handwerklich-völkischen Wurzeln des Kulturschaffens auf der tung technischer Kulturdenkmäler” zu gründen. 
anderen Seite war nirgends besser vorgegeben als in den sogenann- Es ist hier nicht der Ort, um die Geschichte dieser ersten plan- 
ten „technischen Kulturdenkmälern” der deutschen Vergangen- mäßig entwickelten „Industriearchäologie”, wie man heute sagen 
heit. Sie galten Lindner zum einen für wertvoll, weil sie einen würde, darzustellen. Es bleibt festzuhalten, daß Lindner dabei 
besonderen kultur- und heimatgeschichtlichen Wert besaßen, war anfänglich nicht die treibende Kraft war, sondern von den Inge- 
doch das „Heimatbild” vielfach durch solche technischen Baudenk- nieuren hinzugezogen wurde, weil man dem „Deutschen Bund 
mäler - von Windmühlen bis zu Brücken - als „Kulturlandschaft” Heimatschutz” gerne die zeitaufwendige Außenarbeit gegenüber 
geprägt‘”. Zum anderen aber lag in ihnen die Erkenntnis von der den Behörden und Privatbesitzern überlassen wollte, zum anderen, 
Möglichkeit einer „Verknüpfung der heutigen Wirtschaft mit dem weil die heimatschützerischen Aktivitäten der Landesvereine des 
Wesen der Heimat”'®”. Denn in ihrer handwerklichen Form ver- „Deutschen Bundes Heimatschutz” am besten geeignet erschie- 
einten sich Zweckmäßigkeit und Schönheit, und dies konnte, so nen, in der breiteren Öffentlichkeit Verständnis für diese neuartige 
Lindners Meinung, seiner eigenen, wegen des Übertempos des Erhaltung von technischen Denkmälern zu erwecken (die nun 
Technikfortschritts stilistisch und formalistisch unsicher geworde- gleichberechtigt neben solche der Natur und der Kunst treten 
nen Zeit wieder eine Orientierung geben!”. Der schroffe Gegen- sollten) und diese Denkmäler auch in die eigene betreuerische 
satz von industrieller Technik und traditioneller Volkskultur wurde Obhut zu nehmen. Oskar von Miller und Conrad Matschoß jeden- 
durch die Existenz dieser „technischen Kulturdenkmäler” der Ver- falls stellten es gerne so dar, als sei der von ihnen herangezogene 
gangenheit überbrückt und damit die Vorahnung einer auch inder Heimatschutz bloßes Vollzugsorgan ihrer Absichten gewesen. 
Gegenwart wieder möglichen Synthese von Natur und Kultur Es scheint aber, daß gerade Lindner durch den von ihm - ent- 
anhand des historischen Rückgriffs möglich. gegen der bloß ingenieurmäßigen Perspektive der Mitstreiter - mit 
So zumindest sah es Lindner. Der Ingenieur Oskarvon Millerfrei- eingebrachten „heimatschützerischen” Gedanken auch die Erhal- 
lich, der in Deutschland schon vor dem Ersten Weltkrieg den tung toter technischer Monumente ausweitete hin in Richtung auf 
Gedanken einer Notwendigkeit zur Erhaltung solcher technischen eine - modern gesprochen - „alltagsgeschichtliche”, d.h. sozial-, 
Denkmäler konzipiert hatte, handelte aus ganz anderen Motiven wirtschaftlich- und lebensgeschichtliche Verankerung der bisher 
als der völkische Heimatschützer Lindner. Er war der Vertreter isolierten „Denkmäler”, wenn dieser Zusammenhang von ihm 
eines ungebrochenen aufklärerischen Fortschrittglaubens, für den auch durch seinen „Volkskultur”- und „Heimat”-Begriffmystifiziert 
die historischen technischen Relikte eben einfacher zu verstehende wurde. Aber seine Vorstellung der organischen Ganzheit bewirkte. 
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