Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Bestand für die Dauer gesichert werden” (BAK, R49/157a, Gene- der deutsche Mensch als der ‚höchsten Rasse”, der arischen, ange- 
ralplan Ost, Juni 1942: 18). hörig verstanden zu werden, der aufgrund seiner hohen ‚Standort- 
Die biologistische Vorstellung, die den Menschen analog den ansprüche’ einer sehr bestimmten Landschaftsausformung bedarf. 
Pflanzen im Boden wurzeln sieht und deren spezifische Ausprä- Ziel nationalsozialistischer Landschaftsgestaltung mußte es dem- 
gung im Nationalsozialismus, die dabei den deutschen Menschen nach sein, die jeweils besonderen Gestaltungsmerkmale der einzel- 
als den kulturell am höchsten stehenden definierte (zur Abqualifi- nen Landschaften als Lebensräume deutscher Menschen bzw. 
zierung anderer Rassen wird häufig der Begriff „Nomadentum” ver- Stämme herauszuarbeiten, um diesen ‚standortgerechte’ Lebens- 
wendet, der die fehlende Verwurzelung veranschaulichen soll), bedingungen zu schaffen. 
wurde durch Vertreter naturwisschenschaftlicher Fächer unter- Noch deutlicher formulierte Aichinger, 1936 erster Ordinarius 
mauert. Der Pflanzensoziologe Ellenberg sprach z.B. vom primi- für Pflanzensoziologie an einer Universität in Deutschland (Univer- 
tiven Menschen, der einer „Pflanze von wenig spezialisiertem Bau” sität Freiburg), seit 1939 Ordinarius für Pflanzensoziologie an der 
vergleichbar sei, die viele verschiedene Standorte einnehmen Hochschule für Bodenkultur Wien (vgl. Wendelberger 1954: 
könne. „Je höher aber diese Pflanze organisiert ist, je enger ihre XXff.), 1941 SS-Hauptsturmführer (BDC), wie er die Zusammen- 
Lebensansprüche begrenzt sind, desto fester ist sie an einen be- hänge zwischen Pflanzen und Menschen sah. In dem Artikel „Pflan- 
stimmten Standort gebunden” (Ellenberg 1941: 84). Ellenberg zen- und Menschengesellschaft, ein biologischer Vergleich”, weist 
meint mit primitiven Menschen die Slawen. Er betont die bewußte er ‚wissenschaftlich’ den Zusammenhang zwischen wenig entwik- 
Herausarbeitung des Bauernhauses als „Zeichen der Verbunden- kelter Vegetation und ‚primitiven’ Menschen nach und liefert ein- 
heit mit seinem eigenen Volkstum” an den Grenzen gegen slawi- mal mehr die Rechtfertigung für die Eroberung solcher Gebiete 
sche Völker und stellt anschließend fest: „Aber nur gegen wesent- und die Notwendigkeit entsprechender Landschaftsgestaltung: „So 
lich fremdes, besonders gegen kulturell tiefer stehendes Volkstum wie sich im Gebiet der Tundren die Vegetation infolge der Ungunst 
sind die Hausformengrenzen so scharf” (Ellenberg 1941: 78). So der Verhältnisse nicht mehr weiter entwickeln kann, so bleibt auch 
scheint einem autoritären Gesellschaftsverständnis entsprechend. der Mensch in diesem Gebiet auf einer primären Stufe stehen. weil 
Landschaftsplanerischer unten: Beispiele der Diffamierung 
Beitrag Wiepkings zur Gestaltung der polnischen Bevölkerung als 
des Warthegaues ”gestalterisch unfähig” 
. — aus einem Bildbericht über 
den Warthegau 
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Die ehemals 
rufifch-polnifchen Rreife 
des BGaues MWartheland 
Ein Bildbericht von Hans Rouette, Duffeldorf 
15 Aufnahmen von Hans Rouette, 3 Aufnahmen von Jofef Ymlauf 
Bild ı. Geringwertiges Aderland, das zur Yufforftung beftimmt il 
ım Sudoften des Kreifes MWieclun. 
Bild 2. Blıd vom außerften Rand der Rreisftadöt Warthbruden ins 
MWarthetal, Troß der Sruchtbarkeit des Bodens verliert lich die Land- 
Ichaft ın ungeftalteter Sorm. 
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