Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Ungestaltete ”Kultur”-Landschaft versus gestaltete (deutsche) Kultur-Landschaft - wie Wiepking es sah 
eine weitere Anpassungsnötigung nicht erfolgt ... (Ausl. d. Verf.) ... schutzes, sondern nach ökonomischen Interessen vollzog, ließ sie 
So wird der Mensch der Tundrengebiete immer wieder auf jene ein rassisch begründetes utopisches Idealbild ‚deutschen Naturver- 
Standorte zurückgedrängt, die die schlechtesten Lebensbedingun- hältnisses’ akzeptieren bzw. konstruieren, das eine harmonische 
gen haben, also in konkurrenzlose Gebiete, die die höher differen- Zukunft (für das deutsche Volk) in einer „naturnah” gestalteten - 
zierten Menschen, auf sich selbst gestellt, nicht ertragen können” im heutigen Sprachgebrauch ökologisch intakten - Landschaft ver- 
(Aichinger 1943: 69). Sowohl von Aichinger als auch von Ellenberg sprach. Zur Erklärung bestehender Mißstände aber benötigte man 
ist uns allerdings nicht bekannt, daß sie an der Ostplanung teil- ein Feindbild, das logischerweise nicht im eigenen Volk gesucht 
nahmen. werden konnte. Den ‚hohen’ Ansprüchen deutscher Stämme an die 
Wenn so im Verhältnis zwischen Mensch und Natur der deutsche Landschaft, die ihrer hohen Naturverbundenheit entsprechen, 
Mensch als höher stehend, seine Landschaft als weiter ausdifferen- stellten die Planer folglich die fehlenden Bezüge, das Nichtvorhan- 
ziert gesehen wird, wenn ihm eine enge Bindung an Natur und densein von Landschaftsgefühl anderer Völker entgegen, disquali- 
Landschaft zugeschrieben wird und er als Bestandteil der Natur, fizierten diese als minderwertig und rechtfertigten damit nicht nur 
Tiere und Pflanzen als ihm verwandte Wesen verstanden werden, die Umgestaltung der eroberten Gebiete, sondern die Eroberung 
dann mußte man allerdings bei dem Problem, Landschaftsverände- an sich und die Vertreibung ansässiger Bevölkerung als im Sinne 
rungen und Umweltbeeinflussungen, wie sie z.B. in Deutschland eines ‚völkischen Umweltschutzes’ erforderlich. Bei der Zeichnung 
auch im Ruhrgebiet vorlagen, zu erklären, aufandere Mittelalseine des entsprechenden Feindbildes nahm Wiepking zweifellos eine 
rationale Auseinandersetzung zurückgreifen, denn dieses Ver- führende Position ein; so heißt es z.B. in seiner Landschaftsfibel: 
ständnis bezeichnete den deutschen Menschen quasi als ‚naturna- „Immer ist die Landschaft eine Gestalt, ein Ausdruck und eine 
hes’ Wesen, ihm wurde ein in seinem Wesen begründeter ‚rich- 
tiger’ Umgang mit der Natur zugeschrieben. So konnte Wiepking Beiträge Wiepkings zum rassistischen Landschaftsverständnis 
auch nur feststellen: „Immer wieder bricht aus unsrem Blut die 
Liebe zur Pflanze und zur Landschaft hindurch, und je ernster wir 
forschen, und je stärker wir uns bemühen, den Dingen auf den 
Grund zugehen, um so mehr müssen wir erkennen, daß das Gefühl 
für eine harmonische Landschaft und daß das Verwandtschafts- 
gefühl zu den Pflanzen zu den biologischen Gesetzen unseres 
Selbst gehört” (Wiepking-Jürgensmann 1935: 222). 
Das Problem, Landschaftszerstörung und Umweltschäden erklä- 
ren zu können, ohne die Natutverbundenheit des deutschen Men- 
schen infrage stellen zu müssen, konnte nur gelöst werden, indem 
man Umweltschäden nicht als durch soziale Gruppeninteressen 
ausgelöst, damit auch als Ausdruck gesellschaftlicher Interessen- 
konflikte begriff, die z.B. auch zu einer Kritik am Nationalsozialis- 
mus hätten führen müssen, sondern sie nur noch dem zerstörenden BEN 6 Peinscher” Brlckenkonf der Cie SCHE MeNCh 
Einfluß anderer Rassen zuschrieb. Diese aber waren gemäß den Unfähigkeit ebenso velOl Wie die  AdwehtunG der Nahır Rıld 
„Landschaftsregeln” in Zukunft auszuschalten, somit konnte sich Wiepkina 
das dem „germanisch-deutschen” Menschen eigene Naturver- 
ständnis durchsetzen, ein harmonisches Leben mit der Natur 
erschien für die Zukunft gesichert!”. Am Beispiel der Heimatbe- 
wegung wird das derartigem Denken zugrunde liegende Phänomen 
treffend beschrieben: „Mit der wachsenden Einsicht in die Diskre- 
panz zwischen eingebildeter Stammesgemeinschaft und sozialer 
Wirklichkeit kam in der Tat ein politischer Zug in der Heimatbewe- 
gung schärfer ans Licht: dort nämlich, wo man ... (Ausl. d. Verf.) ... 
daranging, heimatbezogene ‚Kulturpolitik’ mit dem ‚Blick auf die 
Zukunft’ zu betreiben - die Wirklichkeit dem Idealbild von der 
Gemeinschaft anzupassen” (Schmidt 1967: 20). So forderte Her- 
mann Löns auf dem Niedersachsentag 1906 als letzten und wichtig- 
sten Zweck des Heimatschutzes den Rasseschutz, den Schutz ge- 
gen die immer größer werdende Gefahr slawischer Einwanderung 
nach Niedersachsen (vgl. a.a.0. 20). 
„Die Wirklichkeit dem Idealbild von der Gemeinschaft anpas- Bild Nr. 12. „Bebauter‘‘ Uferhang der Memel in Grodro. Das 
sen” (Schmidt 1967: 20) - diese einmalige Möglichkeit sahen die en a 
Planer in den Ostgebieten. Die Hilflosigkeit gegenüber eineı schaft, die durch Entwalduna zum Abfließen aekommen ist 
Entwicklung. die sich nicht nach Kriterien des Heimat- und Natur- Bild: Wiepking.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.