Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

king verstanden wurde, wurde zur wichtigsten Aufgabe im national- Volkes in ihren großen Zügen zu überblicken vermag, muß erkennen, daß die 
Salt . 2 : Einmaligkeit unserer Zeit und unseres Führers eine seltene, gottgegebene, ge- 
sozialistischen Deutschland; nach der kriegerischen Eroberung radezu volksbiologische Gelegenheit ist, dem Schicksal ganz zu vertrauen, ein 
hatte als erstes der Landschaftsgestalter zu folgen, um die eroberten Werk zu zimmern, das Möglichkeiten solcher Größe offenbart, daß wir alles 
Gebiete für immer zu ‚deutschen’ Landschaften umzugestalten. tun sollten, um es, jeder an seinem Teile. ganz zu vollbringen” (Wiepking- 
5 : Jürgensmann 1942a: 5/6). 
Das Selbstver ständnis der Landespflege, als den anderen P lanungs- 8 „In den neuen Siedlungsgebieten des Ostens wird durch die Umsiedlung und 
disziplinen übergeordnet, wurde von diesem Anspruch geprägt. den wirtschaftlichen Aufbau die künftige volklich& und wirtschaftliche Grund- 
lage so weitgehend unabhängig vom gegenwärtigen Bestand verändert, daß 
i, inien ii , die Bestandaufnahme in bevölkerungsmäßiger Hinsicht wesentlich an Bedeu- 
Traditionslinien in die Gegenwart tung verliert. Nur der Raum bleibt auch dort für die Planung eine gleich wich- 
Die Darstellung der landschaftsplanerischen Tätigkeit beim RKF tige und AS m en im aan EN den ED En EN 
5 : : ; gungen’ während des Nationalsozialismus und besonders die in den „eingeglie- 
während d SS ‚Zweiten Weltkrieges erhebt keinen Anspruch auf derten Ostgebieten” sind u.E. mitverantwortlich für eine noch heute festzustel- 
Vollständigkeit. Wir sind uns der Lückenhaftigkeit der Recherchen lende Vernachlässigung historischer und saozialwissenschaftlicher Forschung in 
bewußt und für weiterführende Hinweise dankbar. Auch ist die $) En vr N - Sn 
. . . Ss ist bemerkenswert, wie in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, 
Darstellung nicht als historisch abgeschlossen zu verstehen, denn Fall B, in dem die Tätigkeit des RFK verhandelt wurde und in dem auch Meyeı 
die personellen und inhaltlichen Kontinuitäten weisen bis in die angeklagt war, die Richter diese Planertätigkeit Meyers würdigten; sie nahmen 
Gegenwart”®, in EEE DES ES NE nn SOß. DE 
n ne licher Tätigkeit und politischen Grundlagen (wie Vertreibung etc.) vor. Der 
Wir halten das Problem, daß sozialdarwinistische Anschauungen Generalplan Ost, auf den sich die Anklagebehörde im wesentlichen stützte 
durch gewisse aktuelle ‚ökologische’ Beiträge an Einfluß gewinnen (vgl. Staatsarchiv Nürnberg, KV-Prozesse, Fall 8, S-1,5127), wurde geradezu 
ö : ; ; sr ein in. als Gegensatz zu diesen Maßnahmen bewertet; es heißt: „In dem Plan steht 
können, für kein Sp ezifisch deutsches Problem, sondern für ein in nichts über Evakuierung und andere einschneidende Maßnahmen, die tatsäch- 
ternationales. Wir hoffen, daß das Wissen um historische Zusam- lich eingefuehrt und innerhalb des Wiedereindeutschungsprogramms zur 
menhänge, wie sie sich am Beispiel der Landespflege im National- Durchfuehrung gebracht worden sind. Tatsaechlich hat die Beweisaufnahme 
ini: 3 ir klar ergeben, dass, wie der Angeklagte behauptet, dieser Generalplan Ost 
Sozialismus erkennen lassen, eine Reaktivierung entsprechender niemals Wirklichkeit geworden ist und dass kein Versuch unternommen wor- 
Ideologien und das Eindringen irrationaler Begründungsmuster in den ist, die darin enthaltenen Vorschlaege auszufuehren. In Wirklichkeit ent- 
Disziplinen, die beanspruchen für eine Verbesserung der Umwelt schloss sich Himmler zu einem oh Vorgehen anstelle eines ordnungs- 
z . gemaessen Wiederaufbaues, und er verfolgte einen entsprechenden Plan, deı 
einzutreten, erschweren wird. in allen seinen grausamen Auswirkungen die Umwandlung des Ostens in 
; einen germanischen Stuetzpunkt fast ueber Nacht erreichen sollte. Selbstver- 
+ staendlich ist Meyer-Hetling fuer diese Massnahmen, die er nicht vorgeschlagen 
. ÄEr . . hatte, nicht verantwortlich” (Staatsarchiv Nürnberg, 5127). 
Wenn 1933 von antifaschistischer Seite prophezeit wurde, das 10° In dem Brief eines Repräsentanten des „Generalinspektors für das deutsche 
Zeitalter des Irrationalen werde „gegen 1940 ablaufen, die Ver- Straßenwesen” an Seifert wird z.B. über Bauch berichtet, daß er „durch seine 
nunft darf sich vorbereiten, wieder einzuziehen” (Mann 1933: 1 3) Arbeiten für das KL Auschwitz ohnehin schon in der dortigen Gegend tätig ist” 
. Y era N ? (Westmeyer an Seifert, 6. 1. 1943: vgl. auch Brief Seifert’s an Westmeyer. 
so war diese Hoffnung, bezogen auf manche Disziplinen wie z.B. 12.1. 1943). 
die Landespflege, eindeutig verfrüht. Zustimmen können wir aller- 12) In der Anordnung Nr. 7 heißt es zur Landschaftsgestaltung u.a.: „Über die 
i i ä ; j Sa Grünausstattung des Dorfes hinaus ist auf die Landschaftsgestaltung größter 
dings der Einschätzung mM der Bedeutung des Irrationalen für die Wert zu legen. Das Ziel ist hierbei der Aufbau einer gesunden deutschen Kul- 
Jüngere deutsche Geschichte, auf die wir durch einen Beitrag von turlandschaft, in der Schönheit und Wirtschaftlichkeit miteinander in Einklang 
Schütte aufmerksam wurden: „Das Vernünftige muß redlich erar- gebracht und so die Lebensgesetze der Natur wie die Ansprüche des Menschen 
beitet werden, aber das Irrationale hat jeder von uns selbst. Es hat berücksichtigt sind. Die Durchsetzung der Feldflur mit Baum und Strauch 
z z > % S n in Form von Wallhecken und Schutzplanungen sowie die Bepflanzung bzw. 
immer die Neigung, sich auszubreiten und alle die so ungesicherten Aufforstung von Bodenflächen, die durch Wind und Wasser besonders gefähr- 
Bauten der Vernunft hinwegzuschwemmen. Die Wiedereinführung det sind (z.B. Steilhänge) müssen in den neuen Siedlungsgebieten nach den 
- . . . 5 Grundsätzen einer deutschen, wehrhaften Landschaftsgestaltung erfolgen. Da- 
des Irrationalen war die gute Gelegenheit der menschlichen Schwä- zu gehört auch, daß künftig alle Kulturbaumaßnahmen den biologischen Ge- 
che, sich gehen zu lassen, sich auszuverschenken an Instinkte, die sichtspunkten im Dienste des Naturschutz entsprechen” (Allg. Anordnung 
nicht nachgeprüft werden, weil sie tief sind, und nicht nachgeprüft ) A 7, UM Sen Siem Brief an Wiepkins daranf hl daß: der Reich 
n Se ann e n en . . Oo weis ing in einem Brief an Wiepking darauf hin, daß der Reichs- 
werden dürfen, weil ihre Tiefe sie heiligt. Nur so hat die entschei- führer-SS erneut statt der Errichtung von Schneezäunen die Anlage von Pflan- 
dende Bewegung dieses halben Jahrhunderts, der Nationalismus, zungen gefordert habe (vgl. BAK. R49/165. Schreiben Mädings an Wiepking 
; ö ie inc’ä ö ; » vom 5. 3. 1942). 
OD können bis ins äußerste und darüber hinaus” (Mann 141 Diesen anzustrebenden Zustand sah Wiepking in der Vergangenheit des deut- 
. - schen Volkes bereits einmal erreicht; das Landschaftsgefühl der Germanen 
hat sich s. M. nach bis in die Gegenwart erhalten: „Midgard war die schönste 
bäuerliche Wirklichkeit. Nicht der Wald wurde ursprünglich verehrt, sondern 
das unträgliche Zeichen einer Kulturlandschaft: der Hain und der Einzelbaum 
Anmerkungen: an sprudelnder Quelle, der Himmel und Erde verband. Schon im ersten Früh- 
licht des Mythos von unserem Volke gestaltete somit der germanische Mensch 
1) Es handelt sich bei unserem Beitrag um eine gekürzte und in den übernom- bereits die Urlandschaft zur schönsten fruchtreichen Wohn- und Wirtschafts- 
menen Teilen durch neue Erkenntnisse modifizierte Fassung von Ergebnissen, landschaft um. Diese Arbeiten an der Landschaft und das Landschaftsgefühl 
die wir 1984 in der Zeitschrift „Kritische Berichte”, Heft 1, mit der Überschrift als solches blieben vom Uranfang bis in die heutigen Tage erhalten” (Wiepking- 
„Regionalistische Freiraumgestaltung als Ausdruck autoritären Gesellschafts- Jürgensmann 1942: 15). 
verständnisses? - Ein historischer Versuch -” veröffentlich haben. 15 Wenn Wiepking dann 1950 immer noch dieselbe Ideologie vertritt, nur den 
«Die Bedeutung der Reichsstelle für Raumordnung sowie die Seifert’s und der direkten Bezug zu „Polen und Russen” wegläßt, so ist das ein Indiz für die 
Tätigkeit der Landschaftsanwälte, die Rivalitäten zwischen diesen Gruppen Konstanz seiner Anschauung auch nach 1945. Er sagt 1950: „Das Landschafts- 
und dem landespflegerischen Arbeitsstab unter Himmler sollen an dieser Stel- bild ist der getreueste Ausdruck eines Volkes, an seiner Ausformung sind alle 
le nicht weiter thematisiert werden. Leute beteiligt. Es spiegelt seine Geschichte. Es kann Fratze wie Antlitz sein, 
Der Name Meyer-Hetling wird wie folgt erklärt: „Konrad Meyer was a thirty- immer ist es Ausdruck der Wirtschaft, der Seele und des Wesens eines Volkes” 
nine-years-old Nazi intellectual who was just pretentious enough later on to (Wiepking-Jürgensmann 1950: 75). Solche Äußerungen wie in der Land- 
hyphenate his common sounding name to Meyer-Hetling (Koehl 1957: 71). Aus schaftsfibel sind nicht zu verstehen als einmaliger ‚Ausrutscher’ Wiepking’s, 
der Selbstbiographie Meyers geht hervor, daß er kurz vor Kriegsbeginn den es lassen sich zahlreiche vergleichbare Belege anführen, in denen er andere 
Antrag stellte, seinem Namen den Geburtsnamen seiner Mutter anhängen zu Völker als minderwertig, tierisch o.ä. abqualifiziert, so z.B. in seiner Charak- 
dürfen (vgl. Meyer o.J.: 142). terisierung sowjetischer Landwirtschaft: „Bauern gibt es nicht. Nur Staats- 
Vgl. BAK, R73/13127, Schreiben RKF an DFG vom 13. 4. 1942; vgl. Schrei- betriebe, gleich, wie man sie nennt, sind Wirtschaftseinheiten. Ein Gezücht, 
ben RKF an DFG vom 27. 4. 1943; vgl. Schreiben DFG an RKF vom 7. 5. 1943: ein Getier grausam Verirrter befehligt sie. Die Steppe sah in den letzten Jahr- 
vgl. Schreiben DFG an RKF, ohne Datum (April 1944). zehnten wiederum grenzenlosen Mord. Was an Arbeitern blieb, wurde gänz- 
1947 gelang es ihm, die Gründung der damaligen Hochschule für Gartenbau lich seelenlos. Vertiert huldigen sie dem Gotte Bauch, der nicht gefüllt wird” 
und Landeskultur in Hannover und seine Berufung als Lehrstuhlinhaber für (Wiepking-Jürgensmann 1942a: 10). Nicht viel positiver stand Wiepking 
Landespflege, Landschafts- und Gartengestaltung durchzusetzen. wohl den deutschen Arbeitern, Proletariern, gegenüber, die er mehr als einmal 
Es heißt in einem Vermerk der Planungsabteilung vom 12. 11. 1940: „Reichs- abqualifiziert. Die einzige Möglichkeit, um aus „verwahrlosten Menschen 
führer SS hat befohlen, daß in den landschaftsgestalterischen Fragen Prof. vollwertige Volksgenossen” werden zu lassen, sind für ihn „helle frohe Sied- 
Wiepking-Jürgensmann Berlin von uns herangezogen werden soll” (BAK, lungen mit Kleingärten” (vgl. Wiepking-Jürgensmann 1935: 223). 
R49/2064). 16) „Die Ganzheit der pflanzlichen Umwelt bezeichnen wir als Standort. Im Stand- 
Es ist bemerkenswert, daß Wiepking bereits 1920 Vorstellungen über die Not- ortsbegriff eingeschlossen liegen die Boden- und die Klimaansprüche im ganzen 
wendigkeit erneuter Ostsiedlung, verbunden mit der Abqualifizierung der und im einzelnen (Wiepking 1942: 251). 
Slawen und mit der Ablehnung parlamentarischer Demokratie, aber der Hoff- 17) Damit entsprach er den 1939 geäußerten Zielsetzungen des Reichsforstmeisters, 
nung auf einen „neuen Führer”, veröffentlicht (vgl. Wiepking-Jürgens- für den angesichts seiner Funktion als Beauftragter für den Vierjahresplan 
mann 1920: 69-78). Damit soll nicht behauptet werden, er habe 1920 schon an wahrscheinlich „bodenständig” und „ökonomisch” einander zu entsprechen 
einen Führer im Sinne Hitler’s gedacht, doch lassen seine Ablehnung demo- hatten. Er forderte: „Jeder Boden soll in richtiger Mischung die Holzarten 
kratischer Entscheidungsprozesse vor 1933 (siehe z.B. den 0.g. Aufsatz) und tragen, die auf ihm am besten gedeihen und den höchsten Ertrag bringen. 
seine uneingeschränkte Befürwortung des Nationalsozialismus bzw. dessen Darüber hinaus werden wir im deutschen Wald mehr als bisher mit Boden- 
„Führers” sowie seine begeisterte Beteiligung an der Ostplanung dies als nicht bearbeitung, Düngung, Entwässerung und Bewässerung arbeiten müssen ... 
unwahrscheinlich erscheinen. So schreibt er 1942: „Wer die Geschichte unseres (ausl. d. Verf.) ... Weiterhin kann die Holzerzeugung in den Wäldern durch 
Fr 
AN
	        

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