Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

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A ‚„.. Abgesprochen, geprüft, geplant und genehmigt wurde zwischen 1740 und 1746, gebaut zwischen 1744 und 175 
Wenn es mit redlichen Argumenten zuginge, müßten die Hei- Es ist eben fatal, nicht das zu leben, für das man sich zu engagie- 
matschützer den sofortigen Abriß der Wies fordern, und sie müßten ren wähnt. So fahren auch Heimatschützer mit dem Schlafwagen 
dies seit ihrem ersten Auftreten fordern, also seit über 100 Jahren. nach Florenz und beklagen nach ihrer Rückkehr den Verfall der 
Aber bisher fand sich keiner. Ganz im Gegenteil: Vor dem 1. Welt- Kultur und den Verlust der Heimat. Würden sie stattdessen die ge- 
krieg galt die Wieskirche unter Heimatschützern als geheimer Tip, liebten Butterfässer drehen, Sensen schwingen, Obst- und andere 
und das Bauwerk avancierte deshalb erst nach dem nationalen De- Kulturen selbst anlegen, ich meine nicht in grundsteinlegendeı 
saster zum erklärten Lieblingskind des Heimatschutzes, weil nun Freizeitattitüde, sondern alltäglich und lebenslänglich, Speis rüh- 
auch vielen anderen gerade das Entlegenste als deutscher Halt er- ren, Steine schleppen und die Mühlen der Hebezeuge treten, kurz: 
schien. - Offenbar geht es garnicht um den Schutz der Heimat, würden die Heimatschützer nicht ihre blaue Blume suchen, son- 
Landschaft, Natur, Kunst, etc., sondern vielweniger nur um ihren dern leben, sie würden auch ihr blaues Wunder erleben: Mühsa 
möglichst ungestörten Genuß. Doch wer das alles genießt, also zum und Bitternis. Da steht jedem der Sinn mehr nach goldenem Flitter, 
Genußmittel macht, der muß sich nicht wundern, wenn es zur Ware erspiegelten Hoffnungen und menschlichem Erbarmen, als ausge- 
wird, sowohl zur ökonomischen als auch zur politischen Ware. Es rechnet nach Heimatschutz. Der zergeht wie Rauch im Winde, une 
begann mit der schweizer und tiroler Staffage, dann folgten die: Was dann übrig bleibt, ist die völlige Unfähigkeit der Heimatschüt- 
deutschtümelnden Fledermausburgen und über Arbeitersiedlun- ‚ zer. Heimatschutz ist Etikettenschwindel. Er erklärt nicht nur Rat- 
gen im Heimatstil kam man zu den landschaftsgebundenen Auto- losigkeit als Sensibilität, sondern ästhetischen Voyeurismus zur 
bahnraststätten, und plante schließlich Wehrdörfer am Ural und schützenden Wissenschaft, eben, völlige Unfähigkeit als soziales 
zwar nach regionalen Baufibeln der Heimat. Darauf folgte nureine Engagement. 
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Ferienwohnungen zu wuchern, worauf die komfortableren Aparte- weit, sondern auch über 200 Jahre tief, also allgemeiner als der Hei- 
ments hinter ausgehöhltem alten Gemäuer verschwanden. Und matschutz. Erst auf einem derart schlüpfrigen und von Anfang ar. 
jetzt? Jetzt soll wieder nach regionalen Baufibeln gebaut werden, korumpierten Nährboden konnten all die gigantischen Verwüstun- 
nicht in einer neuen, sondern in einer grünen Heimat. Das also ist gen als Fortschritt und Politik oder deren Preis ausgegeben werden, 
die Ware: allgemeine, nationale, soziale, national-soziale, imperiale, konnte das Rauschgift gedeihen, das die tiefe Ohnmacht verur- 
touristische, nostalgische und grüne Folklore. Doch Heimatschutz sacht, wenn es gilt, sich der Früchte der Destruktion zu erwehren 
vlündert nicht nur, er entwürdigt auch die alltägliche Vergangen- So bleibt nur ein möglicher Schluß: Heimatschutz? Nein danke 
heit zu modisch politisierten Stimmungsbildern. - Heimatschutz 
-tärt also gerade das, was er zu schützen vorgiht
	        

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