Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

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Bereich der öffentlichen und priva- sıe in ihrer Umgebung neu” seien, hard, von 1970 bis 1976 „Zentral- mengeschlossen, um eine WIr- 
ten Hygiene sowie der Freizeit und dann aber durch Gewöhnung und präsident des FSAT”, „ein anschau- kungsvollere Vertretung ihrer In- 
Integration und Widerstand der Ob- Gebrauch nicht mehr gesehen bis liches, charakterisierendes Porträt teressen in der 1975 gegründeten 
jekte der staatlichen Kontrollpolitik zu dem Tag, „an dem wir sie von des FSAI zu zeichnen” („50 Jahre „Schweiz. Bauwirtschaftskonfe- 
am Beispiel einer Pariser Mieterver- Neuem wahrnehmen”. In diesem FSAT”). Der Verband ist - so Rein- renz” (SBK). Natürlich wirkt der 
einigung. Der zweite Schwerpunkt Zusammenhang wird meines hard - „eine Vereinigung von selb- FSAI auch in internationalen 
behandelt die verschiedenen Tech- Erachtens ein bedeutsamer ständigen Architekten ..., die sich Fachorganisationen, nationalen 
niken der staatlichen Interventions- Aspekt angesprochen: Die Aneig- als Träger kultureller Verantwor- Planungsgremien und Versor- 
politik, vor allem der Wohnungs- nung der durch sie vermittelten tung. verstehen („Umweltgestal gungsinstitutionen aktiv mit. Zur 
baupolitik, auf allgemeinstaatlicher Vorstellungen. Ich möchte Stein- tung” und „Hebung der allgemei- Veranschaulichung der „geleiste- 
Ebene und im Bereich der Gemein- mann und Noseda zustimmen, daß nen Lebensqualität )., Der FSA! ten Aufbauarbeit (Reinhard) der 
den. Mehrere Artikel berichten von eine solche Aneignung das sich wurde 1935 gegründet, „in der Zeit FSAI Architekten werden im fol- 
konkreten ‚Beispielen der Woh- aneignende Subjekt und seine der größten Wirtschaftskrise”, die genden chronologisch ausgewähl- 
nungsbaupolitik sowohl aus Frank- Wahrnehmung der Welt verän- die Baubranche besonders hart te Projekte von 1933 bis 1984 des- 
reich (Surennes bei Paris) als auch dert. Sowohl die Aneignung als traf. Der Zusammenschluß von kriptiv vorgestellt. 
aus England (Birmingham) und auch das „von Neuem wahrneh- einigen Luzerner Architekten zur Erich Konter 
Deutschland (Berlin und Bremen) Men” seien nicht beliebig, sondern „Freien Schweizer Architekten- 
sowie vom Scheitern der Woh- würden „mit unseren Interessen’ schaft” ist also als Krisenreaktion 
nungsbaupolitik in Frankfurt. Der zusammenhängen oder mit mei. zu verstehen („Kampf um das be. TRANSPARENT 1 bis 6 - 85 
dritte Schwerpunkt handelt vonden nen Worten und Erweiterung: mit rufliche Überleben”; Reinhard) nr . 7 
verschiedenen Themen, Lehrmei- der persönlichen Gerichtetheit Die Zielsetzung - auf der ersten Mit Verspätung liegen die ersten 
nungen und Formen der „Reformar- und mit der interessensbedingten Delegierten Versammlung 1936 in drei Doppelhefte des neuen, des 
chitektur”. Die Reihe beginnt mit und kognitiven Strukturiertheit Luzern formuliert - bezogen sich 16. Jahrgangs der Manuskripte für 
der Darstellung der Diskussion um der subjektiven Wahrnehmung _aufdas Eintreten für fachliche und Architektur, Theorie, Umraum 
die Frage des Stils in Frankreich. und Aneignung. Bemerkenswert materielle Forderungen (Aus- und Kunst vor. Die Kosten für das 
Der zweite Artikel, der zum Aus- finde ich dabei den angezielten Sschreibung von offenen Architek- Jahresabonnement sind mit 60,- 
gangspunkt die Kontinuität und Ho- Gegenwartsbezug der Betrachtun- turwettbewerben, „Existenzsiche- DM stabil geblieben. Der Redak- 
mogenität der Sozialpolitiken von gen über die Bauten der „zweiten rung der kleinen und mittleren Bü- teur, Herausgeber und Verleger 
der wilhelminischen Epoche bis Linie”, die Architekten überlassen ros”) und die Durchsetzung von Günther Feuerstein (A 1040 Wien, 
zum III. Reich hat, behandelt die In- worden wären, „die in Luzern le- korperativen Forderungen nach Wiedner Haupstr. 40) freut sich si- 
tegration der gewerkschaftlichen ben oder doch mit der Stadt ver- Berufs- und Titelschutz. Erst nach cher über jeden neuen Abonnen- 
Baugenossenschaften in die sozial- bunden sind und die (diese) Bau- dem Kriege breitete sich der Ver- ten. Denn in diesem Sommer, der 
demokratische Wohnungsbaupoli- ten ... als Gebrauchsgegenstände band auf das gesamte Gebiet der in unseren Breiten so recht keiner 
tik. Weitere Themen sind: die Sied- kennen”. Schweiz aus. Diese Expansion War, lieferte Österreich Schlagzei- 
lungen als städtebauliche Idee (fol- Diesen Ansprüchen kommen machte einen „Ausbau der inneren len, die das Gegenteil von Freude 
gend aus der deutschen Anti-Groß- meines Erachtens die Beiträge von Organisation und die Ausrichtung bereiteten. Doch ‚die Kunde über 
stadtbewegung des 19. Jahrhun- C. Niederberger zum Dulaschul- aufideelle Zielsetzungen” notwen- die mit einer giftigen Chemikalie 
derts), die nationalsozialistische haus und zum Wohnhaus Bläsi von dig, die nach 1960 begonnen wur- versüßten Getränke kam nicht nur 
Version der Gartenstadt, die ver- A.F. Zeyer (1931-33 bzw. 1938) den; unter der Zielsetzung „He- aus diesem Land. 
schiedenen Formen der Wohnhäu- („Zwei Bauwerke aus den Anfän- bung der Leistungsfähigkeit und Moderne Architektur aus Öster- 
ser für die englische Mittelklasse gen des Neuen Bauens”), von H. des Ansehens des Architekten- reich, nicht nur für dieses oder in 
und die Auseinandersetzung um Wirz über die Gewerbeschule der standes” wurden nun erhöhte fach- diesem Land geplant oder reali- 
Modernität und Tradition im eng- Stadt Luzern von J. Gasser (1952) liche Anforderungen an die Mit siert, bildet den Schwerpunkt des 
lischen Wohnungsbau. („Szenenwechsel in Luzern”), von glieder gestellt („fachliche Fähig 1. Halbjahres in TRANSPARENT. 
Diese Ausgabe der „Cahiers” ist T. Zanoni zum Hotel Astoria von keit” und „einwandfreie Berufs- Die Verfechter der sogenannten 
für alle interessant, die sich mit dem Th. Hotz und F. Altherr (1955-57) ausübung”). 1966 trat der FSAI als Postmoderne werden das eine oder 
Wohnungsbau der Mer Jahre be- („Die Neue Welt des Stadthotels”) Trägerverband folgerichtig ‚dem andere Bauwerk und seinen 
schäftigen. Jedoch nicht nur, daß die und vor allem die Anmerkungen „Schweiz. Register der Ingenieure, Schöpfer vereinnahmen wollen, 
Artikelsammlung den Blick für die zu den „Schwierigkeiten im Um- Architekten und Techniker anderes und Andere negieren. 
Probleme dieses Wohnungsbaus er- gang mit der Moderne” von M. (REG) bei. Dem „Streben nach er- Doch so „richtig postmodern sind 
weitert. Sie liefert auch Hinweise auf Bosshard u.a. („... sie haben nicht höhter fachlicher Qualität” (Rein- die dargestellten und behandelten 
Ursprung und Kontext des heutigen einmal ein flaches Dach”) und ihre hard) gemäß, befaßte sich der Bauten nicht. Was anderswo laut- 
Wohnungsbaus. Zu bedauern ist Projektbeschreibungen am näch- _FSAInun verstärkt mit der Weiter- stark beschworen und dann durch 
nur, daß zwischen den Vorträgen sten. bildung seiner Mitglieder: Regel. Rückgriffe auf Formensprachen 
und ihrer Veröffentlichung ein Zeit- Gerade Bosshard u.a. verweisen mäßige Seminare und Tagungen vergangener Zeiten erfüllt werden 
raum von 3 1/2 Jahre liegt. Man darf vor dem Hintergrund einer kriti- zu Berufs- und Fachfragen; Grün- soll, wird hier durchdacht und an- 
vermuten, daß sie deswegen nicht schen Auseinandersetzung mitder dung der Zeitschrift archithese gemessen umgesetzt. : 
mehr den neuesten Stand der For- „zentralistischen Geschichts- (1970). Seit dem Ende der 60er Jah- ‚Offene Architektur, drei Ent- 
schung wiedergibt. schreibung ‚im Umkreis des re visierte der Verband eine OÖff- würfe - Haus, Wohnanlage, Ju- 
CIAM’”” deutlich auf die Interes- nung zu anderen Fachverbänden gendzentrum - der Coop Himmel- 
Monika Allers sensgebundenheit und den Ge- und -gruppierungen an (Zusam- blau aus dem Jahre 1983, leben von 
genwartsbezug sowohl ihrer Aus- menarbeit und Koordination). Vor einer technisch-konstruktiven Ar- 
archithese 3-85 wahl der Besprechungsobjekte als allem vor dem Hintergrund der chitekturauffassung und Gestal- 
auch ihres Textes; sie wollen ihre „Rezession im Jahre 1975” bemüh- tung, die in den Raum greift, Um- 
Mit diesem Heft setzt archithese „Beobachtung zum Anlaß neh- ten sich der FSAI und andere Ver- raumsituationen statt „Lösungen” 
die „Serie über Bauten der ‚zwei- men, (ihre) eigenen Positionen zu bände selbständiger Architekten schaffen will. . 
ten Linie” fort; darunter verstehen überprüfen und neu zu klären”. (ASICundBSA),1975inder„Kon- PP. Pontiller + P, Swienty bauten 
Steinmann und Noseda („... Im Die Problemstellungen der vonih- ferenz der unabhängigen Archi- in der Innenstadt von Innsbruck 
Fall von Luzern”) Bauten, „die nen gewählten Bauaufgaben sind tekten der Schweiz” (U AI) zusam- unter dem Thema Stadterneue- 
wichtig (seien) für ‚ihre’ Stadt, für die Verfasser „typisch für die 
auch wenn sie in der Geschichte strukturelle und Ökonomische + 
der Schweizer Architektur im 20. Entwicklung der Stadt der 30er, archıthese 43-85 ö NL 
Jahrhundert nuram Rande” vorkä- 40er und 50er Jahre”. Sie versu- Dr een “an U 
men. Diese Bauten seien „aufzwei chen die Frage zu beantworten, a. 
Arten Spiegel: zum einen für die wie ihre Beispiele „in ihrer archi- 
allgemeine Entwicklung der Ar- tektonischen Form die Wirklich- 
chitektur”, „zum anderen für die keit ihrer rationalen Grundlagen 
wirtschaftlichen, gesellschaftli- zu vermitteln vermögen”, d.h., wie 
chen und ideologischen Bedingun- sich das „Zeittypische der Bauauf- 
gen, in denen diese Entwicklung gabe”, die Charakterisierung der 
im einzelnen Fall” stattfände. Ihre ihr „zugrunde liegenden städti- 
Bedeutung läge in der Verwirkli- schen Dynamik” und die Mittei- 
chung „neuer (sozial-räumlicher lung der mit ihr „verbundenen po- 
und architektonischer - E.K.) Vor- sitiv besetzten gesellschaftlichen 
stellungen unter den Bedingun- Erwartungen in der Symbolik der 
gen” ihrer jeweiligen Umgebung. Moderne”, architektonisch aus- 
Gegenüber den Bauten der „ersten drückt. 
Linie”, denen in der Geschichte Der zweite Teil der Zeitschrift 
der Architektur eine Bedeutung ist dem 50. Geburtstag des „Ver- 
Zugemessen werde, würden die bandes freierwerbender Schweizer 
Bauten der „zweiten. Linie” an- Architekten FSATI” gewidmet. Aus ; LUZERN 1935-1985 FSAI 
fangs wohl wahrgenommen, „weil diesem Anlaß versucht H. Rein-
	        

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