Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

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Wolfram Graubner 
HOLZVERBINDUNGEN* 
Um ein Verständnis für die uns heute bekannten etwa 600 Holzver- wirkt - die Erdanziehung - zu ihrer eigenen Stabilisierung. Die 
bindungsformen zu erlangen, ist es nötig, sich ihren Grundprinzi- Spiegelung der geometrischen Verhältnisse innerhalb einer Kon- 
pien zuzuwenden. Sie sind nicht jeweils ausschließlich zum Zwecke struktion im Knotenpunt wird besonders deutlich bei nicht-recht- 
einer bestimmten Funktion entwickelt worden, und es ist nicht winkligen und räumlich-sphärischen Gebilden. Die Gesetze von 
selbstverständlich, welche Verbindung an welcher Stelle einer Kon- Winkel und Gegenwinkel ergeben die Schmiegungen und Schif- 
struktion zur Anwendung kommen muß. Die große Anzahl der tungen bei der „Austragung”. Kompliziert wird dies bei Schrägan- 
Holzverbindungen ist darauf zurückzuführen, daß Generationen schlüssen von Streben, Kehlen, Graten, Bügen etc., wo Kraftlinie 
von Handwerkern entsprechend den sich wandelnden Bedingun- und Gebäudekante nicht zusammenfallen. 
gen und Ansprüchen herkömmliche Verbindungsformen weiter- Die typischen Besonderheiten von Holz als einem Material, das 
entwickeln mußten. Die Verbindungen werden an den Stellen an- sich in der Längsrichtung anders verhält als in der Breite oder Dik- 
gearbeitet, wo tragende und getragene Teile zusammentreffen, wo ke, welches zudem innere Spannungen entwickelt, unterscheiden 
Abstützungen und Verklammerungen notwendig sind oder wo sich deutlich von gleichförmigen Materialien wie Eisen und Beton. 
Brettflächen zusammengefügt, gegen Verwerfen gesichert und zu So gilt es, bei der Ausführung von Verbindungsstellen Rücksicht zu 
einem Korpus zusammengebaut werden sollen. nehmen auf die unterschiedlichen Festigkeiten bei Krafteinwir- 
Jeder Kulturkreis hat aufgrund unterschiedlicher Bedingungen kung aus verschiedenen Richtungen. Das unterschiedliche Schwund- 
und Erfordernisse jeweils eigene Verbindungsarten hervorge- verhalten des Holzes in der Länge und in der Breite macht besondere 
bracht. So finden wir in Japan eine hohe Entwicklung bei den Vorkehrungen notwendig, wenn Längs- mit Querholz verbunden wer- 
Längsholzverbindungen, jedoch nur eine geringe Anzahl Schräg- den muß. Das für Riulnis besonders anfällige Hirnholz verlangt kon- 
verbindungen. Dies erklärt sich daraus, daß man in Japan versucht, struktive Vorkehrungen bei Verbindungen, die dem Wetter ausgesetzt 
Diagonalverstrebungen in Holzbauten zu vermeiden, da diese bei sind. 
Erdbeben keine ausreichende Elastizität gewährleisten. Um den 
Gebäuden dennoch die notwendige Steifigkeit zu verleihen, Metallverbinder 
müssen lange Konstruktionshölzer verwendet werden und die Rie- Unter dem Einfluß des ingenieurmäßigen Baus von Großgebäu- 
gel zug- und druckfest mit den Pfosten verbunden werden. Diese den hat die metallverarbeitende Industrie zu Beginn unseres Jahr- 
Bauweise führte bereits im 11. und 12. Jahrhundert zu einem Raub- hunderts stabförmige Verbindungsmittel für Holzkonstruktionen 
bau an hochgewachsenen Bäumen, so daß auf kurze und auch entwickelt. Im Zuge der starken Wohnungsnachfrage in den Fünfzi- 
krumme Bäume zurückgegriffen werden mußte, die mit Hilfe von ger Jahren kamen dann einfache Blechformteile für verschiedenste 
Längsverbindungen auf die erforderliche Länge gebracht wurden. Arten von Balkenanschlüssen auf den Markt. Durch diese Hilfsmit- 
Das Umgekehrte gilt für den südeuropäischen Holzbau römi- tel wurden die bis zu diesem Zeitpunkt zimmermannsmäßig ausge- 
scher Tradition. Durch die vielfältigen Verstrebungen wurde eine führten Holzverbindungen in zunehmendem Maß verdrängt. Heu- 
große Zahl von Schrägverbindungen benötigt. Längsverbindungen te, nach einigen Jahrzehnten Erfahrung mit den Metallverbin- 
dagegen kommen im europäischen Stockwerkbau selten zur An- dungsteilen, kann ein Resumee gezogen werden. Dabei sind so- 
wendung. . ) wohl die wirtschaftlichen, ökologischen Aspekte als auch die bau- 
Frühe Vorbilder von Holzverbindungen mögen einerseits Astga- physikalisch bedingten Folgeerscheinungen zu berücksichtigen. 
belungen gewesen sein, andererseits sind es die Hände, die dem Vorteile für den Planer ergeben sich aus den umfangreichen Unter- 
Menschen die Möglichkeit geben, sinnvolle Verklammerungen, suchungen der Hersteller solcher Blechverbinder und der daraus 
Verstrickungen, Haltegriffe zu erproben. entwickelten tabellarischen Übersicht hinsichtlich der Belastbar- 
An der Geschichte der Werkzeuge lassen sich die Erfahrungen keit. Belastungstabellen dieser Art wurden bis heute nicht in glei- 
unserer Vorfahren mit der Bearbeitung des Holzes verfolgen. So chem Umfang für zimmermannsmäßige Holzverbindungen er- 
tauchen in frühester Zeit Werkzeuge zum Spalten auf wie Axt, Keil stellt. Weitere Vorteile der Metallverbinder für den Handwerksbe- 
Ziehmesser, Dechsel. Die Sägewerkzeuge für das vielaufwendigere trieb liegen in der einfachen Montage und der überschaubaren Kal- 
Bearbeiten quer zur Faser sind historisch jünger. kulation dieser Teile. Bei der Montage ist der Meister nicht mehr 
Die heute hauptsächlich bei der industriellen Verarbeitung von auf qualifizierte Facharbeiter angewiesen. Diese wandern seit den 
Holz übliche Nut-und-Feder-Verbindung zeigt sich als eine der äl- Sechziger Jahren in großer Zahl in die Industrie ab, da dort ein grö- 
testen Flächenverbindungen. Durch Spalten wurden aus dem run- ßeres Einkommen zu erzielen ist. 
den Holz dreieckige Spaltlinge gewonnen. An deren Breitseiten 
wurden mit dem Ziehmesser Nuten ausgearbeitet. Die spitzwinkli- 
ge Seite der Spaltlinge wurde dann in die Nut eingeführt. 
Im 17. Jahrhundert tauchen aufgrund verbesserter Werkzeuge 
mannigfache Schmuckformen von Holzverbindungen auf. Dane- 
ben gibt es ein fortwährendes Bemühen, die Verbindungen einer- 
seits in ihrer Paßform und Haltbarkeit zu verbessern, andererseits 
sie möglichst wenig in Erscheinung treten zu lassen. Die Folge sind 
kunstvolle Verbindungen, die nach außen hin nur einen schrägen 
Gehrungsschnitt zeigen, der in der Maserung im günstigsten Fall . . 
SichtDar wird. Es gibt Beispiele, besonders im süddeutschen und BIO + BAUSTOFFHOF FOLANDSTHAGSE- : 
österreichischen Gebiet, wo die tragenden Knotenpunkte als die Groß- und Einzelhandel für natürliche Produkte = 0208 — 871028 
guten Geister des Hauses, die aber unsichtbar bleiben sollten, NEE eben en NEE 
eigens verkleidet wurden. Holzschutemite m dla a 
So unscheinbar diese Verbindungen auch sein mögen, so spie-  rden wr Wendbelie Slrohmalratzen Säfte + We 
geln sich in ihnen doch die geometrischen Bedingungen und die Naturkrepp biologische Reinigungsmittel en 
verschieden gerichteten Krafteinwirkungen des ganzen Bauwerks SEAN RENENS HS 
oder Möbels wider: Alle Bauwerke, wie übrigens auch die Pflanzen, ERS SINGT SU UM in EC Mrarken baleae 
nutzen auf geschickte Weise die Kraft, die ihnen entgegengesetzt
	        

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