Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Wir erinnern uns alle an die „Sprüche” älterer Menschen: „Früher teuer geworden, daß praktisch niemand mehr - besonders nicht 
hatten wir noch Zeit ...” eine junge Familie - ohne Extrembelastung bauen kann. 
Eine einfache Erklärung: Der bio-logische, lautlose, sich selbst her- Deswegen gibt es jetzt diese Renaissance („Wiedergeburt”) des 
stellende Sonnen-Roboter namens Wald wurde inzwischen von „Bauens mit Rundholz”, mit allerdings neuen Verbindern in Form 
einfältigen („monoformen”) Menschen („Wissenschaftler” nichtrostender Krallendübeln von hoher Tragfähigkeit, die das 
genannt) zur Monokultur degradiert, also immer weniger vielfältig teure Verblattern ersparen. „Bauen mit Rundholz” - also Ein- 
gemacht und damit scheinproduktiv: Holz, Holz, Holz ..; das fachstbau - schreckt merkwürdigerweise manchen Zeitgenossen, 
Wesentliche wurde vergessen. weil die ungleiche Stammdicke („Konizität”) ein Toleranzproblem 
Auch deswegen brauchen wir heute immer mehr technische zu bieten scheint. Aber bei vielen Naturbauten, insbesondere 
Automation, auch deswegen haben wir immer weniger Zeit, immer Pflanzenlauben, spielt das Problem „dickes und dünnes Ende” 
mehr Hektik. wirklich keine Rolle. Im normalen Wohnungsbau wird dieses Pro- 
Die nächsten hundert Jahre bringen jedoch mit hoffentlich „sau- blem einfach mit Sortierung und Ausgleich durch Unterlegen oder 
ber” werdender, technischer Roboterisierung auch das Potential, Abflachen mit dem Breitbeil gelöst. 
die ursprüngliche biologischee Automation des Waldes zu regene- Einer der großen Vorteile des Bauens mit „grünem”, also ganz fri- 
rieren. Dieser Beitrag will kleine Schritte in dieser Richtung zeigen schem Rundholz ist, daß der Stamm oder die Stangen - weil nicht 
—- zum Mitmachen und Mutmachen! zersägt - sich nicht verwinden, daß zwar Unregelmäßigkeiten in der 
Waldpflege und Waldernte können nämlich bei steigender Frei- Länge auftreten, die aber durch geschickte Auswahl gelöst werden: 
zeit wohl mindestens teilweise wieder in die Hände von „Laien” was an einer Stelle nicht geht, geht eben anderswo ... die guten ins 
kommen, nachdem es den vielen Fachleuten eindeutig nicht gelun- Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen: 
gen ist, zeitig genug Abhilfe gegen die heutigen Waldschäden zu Brennholz, Sortieren, Ablängen, das „Abrichten” vor dem Ein- 
schaffen. Warum haben die wohlbestallten Forstbeamten und bau sind letztlich Probleme der handwerklichen Geduld. 
Forstprofessoren nicht schon vor 20 Jahren ihre eigene Existenzba- Die Alternative, konventionell gebaut, also mit Kantholz: viel 
sis gesichert? Dachten sie, daß diese „reiche” Republik auch als höhere Baukosten, deren Abzahlung mit Zinseszinsen noch viel 
Steppe und Wüste Förster braucht? Es ist deswegen heute zu über- mehr Geduld über 20 Jahre fordert. 
legen, auch Waldnutzung und Waldpflege wieder weitgehend zu Die meisten akademischen Prediger des Selbstbaus wollen nicht 
privatisieren - wohlgemerkt nur zur nicht-erblichen Nutzung und immer wahrhaben, daß Laienbau - selbst bei bestem Willen - 
Pflege, als „Benutz”, statt Besitz. immer problematischer und vielschichtiger ist als das Bauen durch 
Holz wieder Sinnen-voll, sinnvoll, zu verarbeiten, muß erst wie- maschinenbewaffnete Fachleute und manchmal, in der Endrech- 
der gelernt werden. Unter allen Verwertungsformen und Konstruk- nung - möglicherweise sogar teurer. Die möglichen Fehlerquellen 
tionsformen von Holz ist die Verwendung von Rundholz immer im Selbstbau sind nicht klein und führen ohne ständige fachliche 
noch die wirtschaftlichste und konstruktiv beste. Betreuung oft zu Fehlleistungen und Streit. Das lehren meine 
Das Fällen, Schälen, Rücken, Sortieren, Lagern und Transportie- Erfahrungen als Selbstbauer seit über 30 Jahren. Vollends, wenn 
ren von Rundholz wird deswegen Schritt um Schritt in Bild und ein beratender „Planer” nur gelegentlich auf der Baustelle erscheint 
Text besprochen, weil diese alte, maschinenlose Art von Waldernte und dazuhin Selbstbestätigung oder gar Profilierungsneurosen ein- 
in einer langen Tradition von verschwenderischer Sägeholz-Verar- zelner Bauhelfer zugelassen werden sollen („Bauen als Therapie”), 
beitung verloren ging. Vierkantig gesägtes Holz ist natürlich nach können sich sehr schnell ursprünglich richtige Ansätze ins Gegen- 
wie vor einfacher zu verbinden - vorausgesetzt man/frau will oder teil verkehren. 
kann recht teuer bauen. Aber alle Bauleistungen sind heute so Von Außenstehenden, Nicht-Beteiligten werden auch oft formale 
Grundriß Obergeschoß Schnitt, West- und Nordansicht 
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