Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Wohnhäuser in Sempen 
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N AD 
Wohnhaus in Liestal/BL 
Das Haus hat einen einfachen klassischen Grundriß mit zentral liegender Treppe. 
Fassaden und Grundriß sind mit Hilfe der Proportionen-Reihe „Fibonacci” gestalte‘ 
Die sparsam verwendeten Gesimse und Kapitelle sind aus der Funktion heraus 
entwickelt. So liegen beispielsweise die vorfabrizierten Betonbalken auf einem 
Gesims auf. Der Gesimsabschluß der Außenwand schützt die äußere Mauer des 
2-Schalen-Mauerwerkes und markiert zugleich eine klare Trennung von Haus 
(erdbezogen) und Dach (himmelbezogen). Auf der Südseite steht unter dem 
Vordach ein Glaserker zur passiven Wärmegewinnung. Das Haus hat einen 
minimalen Energiebedarf 
hängevorrichtung für Marionetten, hoben das Gebäude ab vom rer Arbeit suchen. 
Grasboden. Ein möbelartiger Körper sollte es werden, ein Sperr- Steinmann: Könnt Ihr genauer sagen, was Ihr mit Körperlichkeit 
holzkörper. Die äußerste, furnierte und gestrichene Schicht des meint? 
Sperrholzes verstärkt diesen Eindruck von Möbel. Herzog und de Meuron: Es ist schwer ... es ist ein entscheidender 
Steinmann: Auch im Atelier in Weil habt Ihr Sperrholz verwendet. Punkt für uns, aber es ist schwer, ihn zu finden, zu bestimmen ... In 
Herzog und de Meuron: Ja, aber dort ist es anders konstruiert und fur- Godards „Je vous salue, Marie” fragt die Frau, Maria, einmal: „Hat 
niert und behandelt. Es wirkt etwas wie eine abgetragene Leder- die Seele einen Körper?” Das suchen wir als Architekten: der Seele 
jacke, brettig und sperrig. eines Baus einen Körper zu geben, das heißt den Empfindungen, 
Zumthor: Das habe ich mit „semantisch” gemeint. Ein Atelier aus die wir mit einem Bau verbinden wollen, eine Form zu geben. Kör- 
Holz stimmt. Ich bin daran, ein solches für mich selber zu bauen. perlichkeit meint, die Beziehung zwischen dem wahrnehmenden 
Diese Assoziationen enden aber auf den Alpenübergängen. Alsich menschlichen Körper und dem Baukörper. 
den Entwurf einem Kollegen aus dem Paschlav zeigte, verstand er Steinmann: Nun sind Empfindungen nicht in Formen an sich 
mich nicht: ein Architekt baut doch für sich kein Holzhaus. Dort gegründet, sondern auch in Erfahrungen, die wir damit gemacht 
sind alle Bauten gemauert, bis zum Hühnerhaus. haben, in Erfahrungen, durch die die Formen zu Bildern werden. 
Herzog und de Meuron: Uns interessiert viel mehr die Frage nach Herzog und de Meuron: Es gibt dieses Wahrnehmen von Architektur 
dem Wie: Wie arbeiten wir mit einem Material, z. B. mit Sperrholz? in Bildern, dieses „Lesen” von Architektur. Wir aber suchen nach 
Der brettige und asphaltgeschuppte Baukörper des Ateliers in Weil etwas anderem: man soll unsere Bauten nicht „lesen”, wir suchen 
wirkt an seinem peripheren Ort nahe der Autobahn eher kompakt nach einem unmittelbaren körperlichen Ausdruck von Architektur. 
und abweisend. Anders das Haus in Bottmingen: Weniger durch Das bedeutendste Beispiel aus der Geschichte ist die gotische 
sein äußeres Bild als durch seine bau-körperliche Ausstrahlung Kathedrale. Ihre Qualität liegt nicht darin, daß sie uns dieses oder 
erinnert es an einen Resonanzkasten, an etwas von innen nach jenes erzählt - auch nicht in der scheinbaren Auflösung der Mate- 
außen Dringendes. Jedenfalls empfinden wir das Gebäude auf rie, die Le Corbusier in seinem puristischen Denken bemängelte. 
diese Weise, und es ist genau diese „Körperlichkeit”, die wirinunse- Sie liegt in ihrer Gegenwärtigkeit und allem, was diese bewirkt: das 
f*) 
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