Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

Wohnhaus in Itingen, Schweiz 
Architekt: Michael Alder 
Mitarbeiter: Roland Naegelin 
Das Wohnhaus in Itingen habe 
ich 1984 geplant und gebaut. 
Das Haus ist mit rohen Brettern 
verschalt wie vis a vis die alten 
„Schopfen” (Scheunen) des Dor- 
fes. Innen sind die Böden und + 
Decken in Holz ausgeführt. Die 
Balken sind auf 6 m gespannt 
(verleimte Träger). Es ist ein A 
Haustypus, der sich an meine C 
Bauten im Liestal und Sempen 
anlehnt. Es fehlt aber zum Zum Grundriß ist noch zu sa- 
ersten Mal die mittlere Tragach- gen, daß das Haus 5 Zimmer ä 
se - ein wichtiges Detail: Die 30 m aufweist. Damit sind 
Lasten werden auf die Außen- sämtliche Räume in ihrer Nut- 
wände übertragen. Dies ergibt zung austauschbar. Den Bauty- 
im Inneren eine angenehme pus gibt es weltweit 1000-fach 
Raumwirkung. Um die Wirkung und ist nicht meine Erfindung. 
der raumüberspannenden Bal- Daß er so häufig vorkommt liegt 
ken noch zu erhöhen, sind die m.E. darin begründet, daß es 
verleimten Träger in der Mitte sich um ein sehr ökonomisches 
um ca. 1 cm verstärkt. Prinzip handelt. 
+ A e : a 
Grundriß 1. Obergeschoß Grundriß 2. Obergeschoß 
Licht, der kalte Stein, der Klang, der Geruch, die Fragilität, die nie anderes als eine Verkleidung. 
beendete Arbeit ... Bei den Ateliers, die ich im St.-Alban-Tal entwerfe, liegt der Fall 
Steinmann: Dabei spielt die Verarbeitung bzw. die Erscheinung der anders. Es handelt sich ebenfalls um einen Hof, der teilweise mit 
Materialien eine wesentliche Rolle. An sich erinnert mich das Haus Mauern abgegrenzt ist. An diese Mauern, die aus Stein oder Beton 
von Michael Alder durchaus nicht an einen Schopf. Aber die Ver- verlängert werden, baue ich auf beiden Seiten Ateliers an: zweige- 
arbeitung des Holzes - stehende Bretter - entspricht aus Gründen, schossige Holzbauten aus Teilen, die in der Fabrik vorbereitet wer- 
die zu nennen sind, der Verarbeitung bei Bauten, wie es ein Schopf den. Das Thema ist somit ein ganz anderes: es handelt sich um 
ist. Holzbauten, die in einer gewissen Spannung zu den Mauern ste- 
Alder: Die Bretter bilden - wie schon gesagt - eine Verkleidung. Es hen. 
war mir wichtig, durch die Art, wie sie ausgebildet ist, zu zeigen, daß Steinmann: Ein Weg, um hier einen Entwurf zu machen, ist es, sich 
die Luft hinter ihr durchstreicht. Also habe ich auf die Leisten ver- auf den architektonischen Charakter von solchen Höfen zu bezie- 
zichtet, mit denen die Fugen zwischen den Brettern sonst abge- hen, die häufig mit Werkstätten aus Holz bebaut sind. Ein anderer 
deckt werden. Diese Leisten sind nicht notwendig. Auch oben Weg istes, im Sinne von dem, was Jacques Herzog „Körperlichkeit” 
endet die Verkleidung mit einer Fuge. genannt hat, Holz zu verwenden als Gegensatz zum Stein und 
Herzog und de Meuron: Die äußerst einfache Verarbeitung - die damit die Ateliers als Einbauten zu charakterisieren, abseits von 
gesägten Bretter, die offenen Fugen - ist wunderbar; aber die Idee Bildern solcher Höfe. 
beschränkt sich leider auf einen Teil des Hauses, auf das Äußere. Herzog und de Meuron: Körperlichkeit ist nicht an Holzkonstruktio- 
Alder: Das stimmt in einem gewissen Grad, aber es war mir fürden nen gebunden. Wir bauen gegenwärtig in Italien ein Haus aus 
Moment genug, daß Bauen bei dieser Verkleidung auf das Notwen- Bruchstein, in einer verlassenen Gegend von Olivenbäumen und 
digste zu beschränken. Bruchsteinmäuerchen. Während unsere erwähnten Holzbauten als 
Herzog und de Meuron: Es kommt uns vor, wie wenn sie später ange- hohle Körper wirken, scheint dieses Haus durch eine Implosion der 
bracht worden wäre, an einem bestehenden Haus. Landschaft zu einem Steinquader verdichtet worden. Auch diese 
Alder: Das spielt für mich keine Rolle, denn die Bretter sind nichts Wirkung hat mit Körperlichkeit zu tun. 
HI
	        

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