Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen (1985, Jg. 18, H. 79-83)

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ARCHZOF - CAD - HOVESTADT 1965 
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Abb. 5alb Entwurf Bundesverkehrsministerium Bonn, Plotterzeichnung (links), Bildschirmdarstel- 
lung (oben) 
eines Tages denken und selbständig entwerfen können soll. Dies Es kann jetzt der Eindruck entstehen, daß, wenn man den Com- 
wird er jedoch nur gekoppelt mit einem Großteil anderer puter nur gut genug kennt, man ohne Kompromisse alles mit ihm 
„menschlicher” Fähigkeiten lernen. D. R. Hofstatter schreibt in zeichnen kann, wie mit einem Tuschestift. Natürlich stimmt das! 
„Gödel, Escher, Bach” beeindruckend zu diesem Thema. Der Computer beeinflußt aber dabei mit seiner besonderen 
Struktur und Dynamik nachhaltig das Weltbild jeden ernsthaften 
Epilog Benutzers. Das allerdings kann nicht schlecht sein, denn was seit 
Die beiden ersten Programme entstanden unabhängig von konkre- dem 19. Jahrhundert, dem Vorfeld zur Idee des Computers, passiert 
ten Nutzungen. Ich habe sie vorab erstellt. Sie waren schon bevor ist, ist von so entscheidendem kulturellen Wert, daß man sich ihm 
sie genügend ausgereift waren gedanklich überholt. nicht verschließen kann, will man mündig bleiben. 
Das dritte Programm dagegen habe ich parallel zu einem Ent- Ich befürchte jedoch, daß man, wenn man schon die jetzigen 
wurf entwickelt. Durch den Entwurf forderte ich von vornherein Fähigkeiten von Computern zur Grundlage nimmt, im allgemeinen 
bestimmte Fähigkeiten für das Programm, die es Schritt für Schritt bildlicher entwerfen wird. Struktur, Organisation u.a. können ja 
erfüllen lernte. Oft genügten nur geringfügige Anderungen oder automatisch der viel leichter vermittelbaren und vordergründig fas- 
Erweiterungen für eine erhebliche Arbeitserleichterung. So entwi- zinierenden Grafik folgen. Eine sanfte, bildliche Architektur, ohne 
ckelte ich schnell einen Stamm wirklich nützlicher Kettenglieder. gedankliche Probleme! Eine große Show, vielmehr noch als ohne- 
Auch konnte ich immer wiederkehrende Befehlsfolgen zu einem hin schon! 
Befehl zusammenfassen. Dabei merkte ich, daß besondere Vor- Außerdem haben wir eine große Menge unbewußter/bewußter 
gaben des Entwurfes auch besondere Programmteile erfordern, Assoziationen/Bilder in Verbindung mit einer Zeichnung/der Pla- 
daß ein Programm, das eine Rechtwinkligkeit als normal voraus- nung, die erheblichen Einfluß auf die herkömmliche Erstellung die- 
setzt, u.U. nicht in der Lage ist ein am Kreis orientiertes Haus zu ser Zeichnungen haben/haben sollen. Im Computer sind sie nicht 
zeichnen. Ich glaube nicht, daß ein Programm von sich aus so gut vorhanden! Er ist vollkommen frei davon! Wir könnten ihm zwar 
sein kann, daß mit ihm jeder Entwurf ohne zusätzliches Program- unsere Assoziationen beibringen, was zunächst bedeutet, daß wir 
mieren (o.ä.) komfortabel und schnell gezeichnet werden kann. sie artikulieren müssen. Dann aber würde er uns nur simulieren! Er 
Mein drittes Programm ist also ein sehr persönliches Programm. könnte auch anders! Ziehen wir uns deswegen resigniert, durch 
Trotzdem gibt es Grenzen. Sie liegen im Gerät selbst, in seiner Evolution und Geschichte gehemmt, zurück? Werden wir in beson- 
Peripherie und Rechengeschwindigkeit. Außerdem baut der Pro- derem Starrsinn eine besondere Qualität sehen? Oder werden wir 
grammansatz erhebliche Hindernisse auf. Ich habe sie oben erst gar nicht danach fragen? 
beschrieben. Da ich sehr nah am System (Programmansatz) gear- Der Computer wird also nicht dadurch Druck ausüben, weil er 
beitet habe und ich nicht die Möglichkeit hatte mich durch umfang- etwas nicht kann. sondern weil er so viel mehr kann! 
reiches Programmieren wenigstens etwas von ihm zu emanzipie- 
ren, suchte ich besonders intensiv nach einem Ansatz, aus dem sich 
alles „wie von selbst” ergab. Auch bei meinem letzten Ansatz erge- 
ben sich Grenzen, die aber lassen sich, das sollte durch die Beschrei- Literatur . nn Pe 
bung der einzelnen Programme herausgekommen sein, durch eine "9, Ansel „Grafische Dalenverarbeitang, Einfahrune In die COMPWeGINK 
weitere Abstraktion des Problemes „CAD” zurückdrängen. Das wm Newmann, R.F. Sproull, „Principles of Interactive Computer Graphics”, 1981 
programmäßige Ausformulieren eines Ansatzes ändert an diesen TIL Kunii (Hg), „Frontiers in Computer Graphics”, Tokyo 1985 
grundsätzlichen Grenzen wenig. Vielmehr lassen sich mit einem „ M Turing, „Computing Machinery and Intelligence” in Mind 59 (1950); deutsche 
komfortableren Programm größere Datenmengen verarbeiten. Übersetzung: „Kann eine Maschine denken?” in Kursbuch 8, 1967 
Weil mein Programm relativ unkomfortabel ist, habe ich mit größe- O0. Wiener, „Vom dialektischen zum binären Denken” in Kursbuch 75, 1984 
ren Datenmengen Probleme. Jedes Programm hat eine „kritische D.R. Hofstadter, „Gödel, Escher, Bach: An Eternal Golden Braid”, New York 1979; 
Masse (Datenmenge)”. Sie hängt weitgehend von Rechen- deutsche Übersetzung: „Gödel, Escher, Bach, ein endlos geflochtenes Band”, Stutt- 
geschwindigkeit und Bedienungskomfort ab. Während Rechen- art 1985 . At 
geschwindigkeit stark vom Preis des Computers abhängt, entsteht N EEE An EEE ; eat - 
der Bedienungskomfort durch eine sorgfältige und sehr zeitaufwen- ness”, New York 1985; deutsche Übersstaung: Wir amüsleren. CS zu Tode 
dige Detailarbeit im Programm. Urteilsbildung der Unterhaltungsindustrie”, Ffm. 1985 
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