Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1987, Jg. 20, H. 88-92)

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die diese nicht selbst erbringen 
können, wie Projektabwicklung, 
Architektenleistungen und Wei- 
terbildung. 
1975 nicht vorgesehen, aber 
mittlerweile durch ein spezielles 
Zuschußsystem gefördert sind 
„short-life“ Genossenschaften, 
die zeitlich begrenztes Wohn- 
recht für 1 bis 3 Jahre von Ge- 
meinden, housing associations 
u.a. für leerstehenden Hausbe- 
sitz bekommen. Oft entwickeln 
sie sich aus Hausbesetzungen. 
Der ZuschuB erlaubt ihnen, sehr 
grundlegende Reparaturen 
durchzuführen, ein einfaches 
Bad und eine Küche einzubauen. 
Viele  ,short-ife"^ X Genossen- 
schaften wollen in náchster Zu- 
kunft ihre Wohnungen kaufen, 
modernisieren und so ,par-va- 
lue“ Genossenschaften mit Dau- 
erbesitz werden. 
Die gegenwärtige Rolle in der 
Wohnungsversorgung 
Die Einschätzung des Wachs- 
tums des Genossenschaftssek- 
tors war Mitte der 60er Jahre 
recht optimistisch. Zwar waren 
die Erwartungen für die Uberga- 
be von Gemeindewohnungen an 
management" Genossenschaf- 
ten recht zurückhaltend. Neben 
dem generellen Appell für mehr 
Mietermitbestimmung, war das 
Hauptargument für die Ubereig- 
nung die erwartete Verbesserung 
in der Verwaltung, eine weithin 
erkannte Schwäche des Gemein- 
dewohnungsbaus. Dennoch hat- 
ten viele Gemeinden ihre Zwei- 
fel, ob eine nennenswerte Zahl 
von Mietern an verstärkter Parti- 
zipation interessiert sein würde. 
Für housing associations wur- 
de vorausgesehen, daß sie sich 
zunehmend — genossenschaftli- 
chen Prinzipien zuwenden wür- 
den. Zum einen würden schnell 
wachsende Gesellschaften Mie- 
termitbestimmung fórdern müs- 
sen, um die Verwaltungsschwie- 
rigkeiten zu vermeiden, mit de- 
nensich die Gemeinden konfron- 
tiert sahen. AuBerdem wurde an- 
genommen, dafi housing associa- 
tion Mieter wegen ihrer sozialen 
Herkunft eher an der Verwal- 
tung ihrer eigenen Angelegen- 
heiten interessiert sein würden. 
Heute dagegen sind nur 6 % al- 
ler Genossenschaften housing as- 
sociation-,, management”  Ge- 
nossenschaften. Offensichtlich 
erwiesen sich die housing asso- 
ciations nicht als die Hauptstütze 
der Genossenschaften. Daß 
Wohnungsgenossenschaften heu- 
te nur einen sehr kleinen Teil des 
Wohnungsbestandes ausma- 
chen, wird damit begründet, daß 
die Fördermittel immer weit hin- 
ter der Nachfrage zurückblieben. 
Andere genannte Gründe sind 
mangelnde Verbreitung des Ge- 
nossenschaftsgedankens und das 
Fehlen von „secondary“ Genos- 
senschaften in manchen Gegen- 
den. 
Heutige Wohnungsgenossen- 
schaften sind ziemlich klein. 
Während als Optimalgröße etwa 
100 Mitglieder angesehen wird, 
stellen z.B. die „par-value“ Ge- 
nossenschaften durchschnittlich 
38 Wohnungen, „management“ 
Genossenschaften sind entspre- 
chend ihrer Eigenart größer mit 
59 Wohnungen. Allein innerhalb 
der bestehenden Genossenschaf- 
ten ergibt sich also ein erhebli- 
ches Wachstumspotential gegen- 
über der Optimalgröße. 
Eine Kritik an englischen Ge- 
nossenschaften besonders von 
Gemeindeverwaltungen war, 
daß sie nicht genügend unterpri- 
vilegierte Gruppen unterbrin- 
gen. Die Untersuchungen zeigen 
allerdings, daß 50 ?5 der Haus 
halte Einkommen von weniger 
als - umgerechnet — 1000 DM im 
Monat hatten, 74 % weniger als 
1500 DM. Ein Drittel der Genos- 
senschaften hat den Anspruch, 
Gruppen mit besonderen Wohn- 
bedürfnissen zu versorgen. Der 
Eindruck, daf Genossenschaf- 
ten nur die Mittelklasse versor- 
gen, ist offensichtlich falsch. AI- 
lerdings nennen nur 2 96 ethni- 
sche Minderheiten als eine Grup- 
pe, die sie besonders ansprechen. 
Andere — nicht repräsentative — 
Zahlen sagen, daß 10 % der Ge- 
nossenschaftsmitglieder ^ Asia- 
ten, Afro-Karibier oder Schwar- 
ze Briten sind, weiter 9 % nicht 
Weiße Briten. Diese Anteile 
werden als recht niedrig angese- 
hen. Mangelnder Zugang in 
Form von persönlichen Kontak- 
ten wird als eine wichtige Barrie- 
re gewertet. 
Etwa 2/3 der Wohnungen, die 
Genossenschaften vorhalten, 
sind modernisiert. 1/3 sind neu 
gebaut. Obwohl Neubau mehr 
Einflußnahme in den Planungs- 
prozeß erlauben könnte, ist die 
Zufriedenheit hier nicht höher 
als in modernisierten Wohnun- 
gen. Immerhin sind etwa 80 % 
der Mieter in Genossenschaften 
mit der Gestaltung ihrer Woh- 
nungen, der Instandhaltung, den 
nachbarschaftlichen Beziehun- 
gen und der Führung der Genos- 
senschaft zufrieden. 
Ausblick 
Nachdem der soziale Wohnungs- 
»au in Deutschland durch die Mi- 
schung gemeinnütziger mit 
marktwirtschaftlichen Prinzipien 
in die Krise geraten ist und mittel- 
fristig von der (Selbst-)Aufló- 
sung bedroht ist, lohnt sich ge- 
aaueres Hinsehen in England: 
8 Wie funktioniert das Fórde- 
rungssystem? 
B Welche Bindungen und Frei- 
heiten bietet es? 
B Sind die Genossenschaften 
durch das von den Tories gleich 
nach dem Wahlsieg eingebrachte 
Wohnungseesetz 1986 bedroht? 
Rolf Becker 
Fortsetzung folgt. 
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AUS DEM WOHNBUND 
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Wohnungsberatung für Bürger 
und Verwaltungen 
Vermittlung zwischen den Inter- 
essen engagierter Bürger und der 
Logik öffentlicher Verwaltungen 
scheint eine Aufgabe mit Zu- 
kunft zu sein. Für den Bereich 
der Wohnungspolitik gibt es in 
Nordrhein-Westfalen inzwi- 
schen einen landesweiten Bera- 
tungsverein, der sowohl Mieter- 
initiativen und gemeinschafts- 
orientierte Wohnprojekte als 
auch Landes- und Kommunal- 
verwaltungen beraten will. 
WohnBund-Beratung NRW 
(WBB) nennt sich diese ‚inter- 
mediäre Organisation‘, die die 
Artikulations- und Durchset- 
zungschancen von Nutzergrup- 
pen verbessern, aber auch Ver- 
waltung und Politik entlasten 
und ihre Innovationsfähigkeit er- 
hóhen will. 
Im Auftrag des nordrhein- 
westfälischen Städtebauministe- 
riums bearbeitet die WohnBund- 
Beratung zur Zeit zwei For- 
schungsprojekte, die nutzer- und 
gemeinschaftsorientierte Lôsun- 
gen für Neubauprojekte und bei 
der Nachbesserung der GroB- 
siedlungen entwickeln sollen. 
Gleichberechtigt neben solchen 
Tätigkeiten im Auftrag öffentli- 
cher Verwaltungen steht die Be- 
ratung von Bewohnerinitiativen. 
Einige Beispiele: Im Ruhrgebiet 
unterstützt WBB die Bewohner 
von privatisierungsbedrohten 
Arbeitersiedlungen bei der 
Durchsetzung von Gemein- 
schaftslösungen; in einer Mün- 
steraner Großsiedlung arbeitet 
WBB mit Mietern und Selbsthil- 
fegruppen an einer Verbesserung 
der sozialen und Wohnsituation; 
in Düsseldorf entwickelt WBB 
zusammen mit dem Verein „Le- 
ben in der Fabrik“ und der LEG 
ein nutzerorientiertes Konzept 
für die Umnutzung eines ehema- 
ligen Fabrikgeländes (Jagen- 
berg). 
Eine Mittelstellung im Span- 
nungsfeld zwischen Auftragsar- 
beiten für Politik bzw. Verwal- 
tung und Unterstützung basisna- 
her Initiativgruppen nehmen die 
WBB-Aktivitäten im Bielefelder 
Kamphof ein. Während des Sa- 
nierungsverfahrens nach 
StBauFG sollen die WBB-Bera- 
ter die Vertretung der 
Bewohnerinteressen sichern - im 
Auftrag des Sanierungstreuhän- 
ders, der Landesentwicklungsge- 
sellschaft LEG. Im Unterschied 
zur klassischen ‚Anwaltspla- 
nung‘ geht es dem Beratungsver- 
ein aber nicht nur um eine Ge- 
genplanung im Sinne der Betrof- 
fenen, sondern um die ‚realpoli- 
tische‘ Umsetzung der Nutzerin- 
teressen. Und dafür, so Roland 
Grzelski vom Dortmund WBB- 
Büro, müsse ein verláflicher und 
kompetenter Ansprechpartner 
zur Verfügung stehen, der auch 
den Anforderungen aus Politik 
und Verwaltung Rechnung tra- 
ge. 
WohnBund-Beratung NRW, 
Zentrales Büro, Essener Straße 
255-257, 4250 Bottrop, Tel. 
02041/61400 
Die Mitgliedsvereine 
Genossenschaftlich Wohnen 
e. V., Bielefeld 
Mieterselbsthilfe Aachen e.V. 
werkStadt e. V., Dortmund 
Wohnen in Münster e.V, 
WohnRat Köln e.V. 
Der Vorstand 
Prof. Dr. Klaus Novy, Köln 
Ulla Komes, Aachen 
Christian Kuthe, Dortmund 
Albert Schepers, Bielefeld 
Adelgund Schmidt, Münster 
Adressen 
Büro Aachen 
Mieterselbsthilfe Aachen e.V. 
Kongreßstraße 2 
5100 Aachen 
Tel. 0241/504300 
Büro Dortmund 
werkStadt e.V. 
Eichlinghofer StraBe 10 
4600 Dortmund 50 
Tel. 0231/753362 
Büro Münster 
Wohnen in Münster e. V. 
Soester Straße 47 
4400 Münster 
Tel. 0251/63417 
Zentrales Büro 
WohnBund-Beratung NRW 
Essener Straße 255-257 
4250 Bottrop 
Sekretariat 
Dagmar Matheus 
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