Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Fr | 1 r | 7 dern die eigentliche Herausforderung besteht darin, aus einem 
Ö AN S ED Flughafen einen ruhigen Ort zu machen, denn Flugplätze sind die 
spannungsgeladensten Plätze der Erde. Denn: statistisch gese- 
hen ist die Rate von Herzinfarkten in Flughäfen höher als in ir- 
AI RP © R | gendeinem anderen Gebäudetyp. Ich meine diesen Sachverhalt, 
der wahrscheinlich nicht oft veröffentlicht wird, weil er schlecht 
für das Geschäft ist. Aus diesem Grund ist es eine große Heraus- 
forderung, einen Flughafen so zu entwerfen, daß man sich gut zu- 
Bauherr : British Airports Authority recht findet und beruhigt und besänftigt wird. Wenden wir uns 
Architekt : Norman Foster Associates den Grundlagen zu. Was uns Flugzeuge als solche lehren können, 
Ingenieure : Norman Foster Associates ist interessanter als die modernsten Konzepte. Sehen Sie sich 
Ort : London hierzu das Beach Craft Starship an, ein ursprüngliches und gestal- 
Planung : 1985 tetes Beispiel für aircraft. Sucht man eine Metapher für fortge- 
Bauzeit : 1986-89 schrittene aircraft, dann ist es wahrscheinlich der Teufelskerl. 
Ein kleiner Flügel vorne, Entenform, kaum Metall... 
Anfangs waren Flughäfen eine sehr einfache Sache. Es gab kei- 
S chauen Sie sich die Situation des Auf-der-grünen-Wiese-Ste- nen Zweifel am Ort. Es gab einen Raum, ein Gebäude, man ging 
hens von Stanstedan und vergleichen Sie sie mit den Verän- auf das Flugzeug zu, es war alles einfach. Der Flughafen von At- 
derungen im Flugwesen. Sehen Sie sich Heathrow an, etwa am lanta aus den 30er Jahren bezeichnet genau diese Tatsache, heute 
Ende des II. Weltkriegs und in den 40er Jahren. Zum Ende des ist er anders, aber damals war er wirklich so, man ging auf das 
II. Weltkriegs sieht Heathrow wie eine neue Stadt aus. Esistdas Flugzeug zu, und wenn man aus dem Flugzeug kam, ging man auf 
genaue Gegenteil zur Situation von Stansted. Fragen wir, wasuns das Auto zu. Der Flughafen war ein Gebäude dazwischen, man 
die Geschichte lehrt. bewegte sich in ihm, er schützte vor dem Regen — falls es regnete. 
Der Luftverkehr entwickelte sich in kürzester Zeit von einem Hier stößt man auf ein interessantes kulturelles Problem: daß die 
Privileg einer elitären Minderheit zu einem für jeden verfügba- Leute, die einen Flughafenentwurf, eine Idee, ein Konzept oder 
ren, billigen Reiseverkehrsmittel. Die Bauaufgabe kann nun eine Vision zum Funktionieren bringen können, genau diejeni- 
nicht darin bestehen, den Umsatz von Stückgut und Passagieren, gen sind, die den Schlüssel in der Hand haben, eine Vision Wirk- 
pro Stunde, pro Jahr zum Gestaltungskriterium zu erheben, son- lichkeit werden zu lassen oder nicht. Das schafft Widersprüche 
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