Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Richard Rogers 
PEOPLE S PLACES 
MACCHINA, STEUERUNG, 
TRANSFORMATION, VERWANDLUNG 
ALS MITTEL 
STADTISCHER INSZENIERUNG 
D je Architektur hat sich aus dem Be- Verweis auf die Vergangenheit gebildet versöhnlichere Architektur zu schaffen, 
dürfnis des Menschen heraus ent- werden. Vergangenheit, Gegenwart und bedarfestieferer Einsicht und Analyse als 
wickelt, die Welt in Raum und Zeit zuord- Zukunft, Erinnerung und Vorausschau der gegenwärtigen Neigung zu einer Reise 
nen, was eine Voraussetzung dafür ist, sie sind zu einem kontinuierlichen Ganzen in die Vergangenheit. Diese aufregende 
unserem Verständnis zugänglich zu ma- verflochten. Im klaren Verständnis der Zeit der Veränderung sollte als eine Gele- 
chen. Sie löst Probleme im Bereich der Vergangenheit liegt die Hoffnung auf un- genheit genutzt werden, um die verschie- 
Umwelt, wo Logik durch Kunst in Form sere Zukunft. denen Theorien der Vergangenheit zu 
verwandelt wird, verbindet Wissenschaft Während der gesamten Menschheitsge- hinterfragen und unser Verständnis des 
mit Kunst, das Praktische mit dem Ab- schichte haben sich die Ideen der Men- wirklich heroischen Neuen Bauens zu ver- 
strakten, das Messbare mit dem Unmess- schen zwischen Übermaß und Strengehin- tiefen. 
baren. Die Wissenschaft von der Archi- und herbewegt. Der Mensch flieht vom 
tektur schreitet stetig voran: Wissen- WUbermaß des einen, um dem UÜber- x 
schaft, die sich als leistungsfähiger er- schwang des anderen zu verfallen: vom DER STADTEBAU UND 
weist, ergänzt veraltete Formen der Wis- Abenteuer des wissenschaftlichen Realis- DIE VERANTWORTUNG 
senschaft. Die Kunst in der Architektur mus zum Zauber einer Ästhetik der Ver- DES ARCHITEKTEN DER 
schreitet jedoch nicht geradlinig voran. gangenheit. Innerhalb dieses Zusammen- ÖFFENTLICHKEIT GE- 
Sie ist von Symbolen abhängig und ent- hangs ist es unglücklicherweise leicht, GENÜBER 
wickelt sich zufälliger durch philosophi- oberflächliche Lösungen zu schaffen, die 
sche und visuelle Analyse. Die Kunst um- der Vielschichtigkeit des Problems nicht 
faßt unsere Hoffnungen und Überzeugun- gerecht werden. D je Verantwortung des Architekten 
gen über die Grenze des Augenblicklichen Die unlängst stattgefundene Rückkehr reicht über den spezifischen Auf- 
hinaus. Durch die Kunst wird uns bestä- zum Historismus ist ein Symptom der Kri- trag des Kunden hinaus in den öffentli- 
tigt, daß Schönheit existiert, und Schön- se der Architektur, das die Notwendigkeit chen Raum hinein, wo sich seine Bauten, 
heit ist zeitlos, vielleicht ist sie die einzige einer Neueinschätzung des internationa- ob klein oder groß, dem Bewohner und 
von allen großen Errungenschaften des len Stils unterstreicht, da wir heute die dem Passanten, dem Publikum von heute 
Menschen, die immer neu ist und daher Fehler der unmittelbaren Vergangenheit und morgen, öffentlich zur Schau stellen. 
den Tod transzendiert. klarer sehen können. Bis heute hat dieser Sie sind ein lebendiges Theater, welches 
Obwohl die Architektur auf der Kennt- Revisionismus, wie geistreich er auch im- mit den Mitteln der Technik die herr- 
nis der Vergangenheit und der Hoffnung mer sein mag, wenig dazu beigetragen, die schenden gesellschaftlichen, wirtschaftli- 
auf die Zukunft beruht, ist sie in der Ge- Sprache des Architekten zu bereichern chen, politischen und technischen Kräfte 
genwart verwurzelt. Die Architekturspie- und ihre Grenzen zu erweitern, noch hat widerspiegelt und lesbar macht. 
gelt unsere Einstellungen zur Gesellschaft er die Architektur durch die Entdeckung Wenn der Fortschritt weitergehen soll, 
wider, zu Gleichheit, Tod, Krieg, Politik, neuer Werte gerettet. Die Notwendigkeit muß die Frage nach der Architektur im öf- 
Freiheit, persönlichen und öffentlichen von Veränderung und Entwicklung ist fentlichen Raum gelöst werden: die Fra- 
Werten. Das Hauptinteresse des Archi- klar. Um jedoch eine menschlichere und ge, wie die vorgegebenen städtischen 
tekten liegt an einem besseren Leben und 
aus dem Wissen um die Probleme der Ge- Regent Street. London. Stich von John Nası 
sellschaft, in der er lebt, heraus entwickelt 
der Architekt eine Ideologie, die seine In- 
terpretation des spezifischen Auftrags be- 
stimmt. ; 
VERGANGENHEIT, GE- 
GENWART UND ZU- 
KUNFT 
D ie Hoffnung auf die Zukunft ist in 
der Erinnerung an die Vergangen- 
heit verwurzelt, da es ohne Gedächtnis 
keine Geschichte und kein Wissen gibt. 
Kein Entwurf in die Zukunft kann ohne 
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