Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Bohuslav Fuchs, Das Thermalbad Grüner Frosch, Treneianske Teplice, 1935-36 
schön erklärt hat. Dieses Haus wies sehr Villa Les Mathes: In der Mitte der dreißi- große Glasflächen, keramischer Belag, 
klar den Widerspruch zwischen der Ein- ger Jahre begann Le Corbusier Naturma- Pent-House. Die Häuser basierten je- 
gangsfassade und der Gartenfassade auf: terialien zu verwenden, wie Stein und doch, zum Unterschied von denen Le Cor- 
die Eingangsfassade bildet mit ihrer einfa- Holz, und dehnte so das Repertoir der mo- busiers, auf klassischem Schema, d.h. mit 
chen Fläche eine Art Rückgrat, von dem dernen Architektur auch auf diesen Be- einer zentralen Halle, von der die Hausor- 
sich der Hausorganismus entfaltet, woge- reich aus. Die tschechische Architektur ganisation abgeleitet wurde. Architekten 
gen auf der anderen Seite sich das Haus reagierte auf diese Änderung mit zahlrei- derartiger Häuser waren Eugen Rosen- 
zur Gartenszenerie mit verglasten Flächen chen Entwürfen und Bauten, die auf den berg, Josef Havlicek, Richard F. Podzem- 
und mit einer Terasse über dem Terrain Kanon des „weißen Funktionalismus“ nv und andere. 
öffnet, die das Haus mit dem Garten und verzichteten; als Beispiele seien hier er- Wir könnten weitere Beispiele anfüh- 
den Baumkronen verbindet. Dieses ziem- wähnt die thermale Badeanstalt „Grüner ren und andere Entwürfe und Bauten nen- 
lich reduzierte Prinzip war sehr populärin Frosch“ von Bohuslav Fuchs in Trentians- nen, die den Stempel Le Corbusiers tra- 
der Tschechoslowakei und wurde zum kE& Teplice (1935 — 1936), die Villa des Di- gen, aber wir glauben, daß die eben er- 
Beispiel von Hana Kuterovä-Zäveskä in rektors Alstern in Frydlant nad Ostravici wähnte kurze Auswahl sowohl die Breite 
einer Villa in Prag-Baba (1932) verwen- von Lubomir und Cestmir Slapeta (1938 als auch die Qualität der Architektur der 
det. Die Autorin benutzte im Interieur so- 1940) und schließlich eine Reihe — leider Zwischenkriegszeit vielleicht genug doku- 
gar, dem Vorbild Le Corbusiers folgend, unrealisierter - Entwürfe von Bedfich Ro- mentiert. Unsere Architektur damals er- 
eine bogenförmige Querwand. Das Teras- zehnal aus den Kriegsjahren. reichte bereits zum dritten Mal in der Ge- 
sensystem wurde dann von Jifi Stursaund A partment-House: Mit dem Wohnhausan schichte der Böhmischen Länder die 
Karel Janü in einer Villa in Celäkovice Porte Molitor mit seiner eigenen Woh- Weltspitze - nach der Gotik unter Karl IV. 
(1938) weiter entwickelt. Indem Werkder nung, das Le Corbusier im Jahre 1933 ge- und dem radikalen Barock. Diese Länder 
Gebrüder Slapeta erscheint auch das Mo- baut hatte, öffnete er neue Möglichkeiten liegen im Kreuzungspunkt von Einflüssen 
tiv der Straßenfassade als Rückgrat und für die architektonische Auffassung der des nordischen und mediterranen Raumes 
Grundlage, aber mit einer freien räumli- Apartment-Häuser. In Prag kamesinden und hier mischten sich Impulse aus den 
chen Gestaltung im Sinne der dynami- Jahren 1935 — 1938 zu einem „Bauboom“, beiden Regionen. Le Corbusier stellte al- 
schen und organischen Architektur ihres währenddessen hier zahlreiche Apart- so in der Zwischenkriegszeit nicht nur ei- 
Lehrers Hans Scharoun. ment-Häuser gebaut wurden mit Le Cor- nen Repräsentanten der kulturellen und 
Villa Savoye: Die Villa Garches war im busiers Prinzipien wie z.B. Bandfenster. politischen Orientierung der neuen Tsche- 
Grunde genommen eine Villa mit zwei 
Stirnwänden, und Le Corbusier bemühte 
sich deshalb, ein absolutes Raumobjekt in 
freier Landschaft zu schaffen, ähnlich wie 
einst Andrea Palladio in der Villa Roton- 
da. Mit der Villa Savoye schuf er eine Fas- 
zination für seine Zeitgenossen-Architek- 
ten, für die dieses Werk ein traumatischer . nn a 
Komplex war. Beweis dessen sind auch Richard F. Podzemny, 
zwei Entwürfe mährischer Architekten _AdAppartementhaus der 
Bedfich Rozehnal aus dem Jahre 1936 und en 
N g-Dejvice, 
Lubomir Slapeta aus dem Jahre 1939. Die 1936-38 
Projekte wurden nicht realisiert, denn der 
tschechoslowakische Bauherr war noch 
nicht für derartige Architektur vorberei- 
tet. Le Corbusier würde es wahrscheinlich 
mit folgenden Worten kommentieren: 
„Es war für sie wahrscheinlich wenig sach- 
lich. 
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