Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

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Die Städte der Welt 
und die Zukunft der Metropolen 
Ausstellungsraum, deutscher Beitrag: Der Oberrhein — eine „andere Metropole 
lautet das Thema der /nrternatio- se vorwegnimmt: Auf eine über- „schönen“ Städten der Vergan- Unterstützung einer Vielzahl 
nalen Ausstellung der XVII. dimensionale Leinwandüberder genheit, die sich in großen kol- von ausländischen, meist italie- 
Triennale di Milano, die am 21. Haupttreppenhalle werden Bil- 'ektiven Bauten und Monumen- nischen Experten erarbeiteten 
September 1988 im Mailänder der und Visionen von Städten ten und öffentlichen Räumen neuen Master-Plan für Addis 
Palazzo dell’Arte ihre Pforten und Stadt(t)räumen projiziert, darstellten, und einer veränder- Abeba, mit dem man die Ent- 
geöffnet hat. Es ist die letzte und die real zu sein vorgeben, es je- ten städtischen Landschaft der wicklung der nächsten zwanzig 
umfangreichste in einer Reihe doch nichtsind - Aufnahmenaus Gegenwart, die von Abertausen- Jahre vorherzusehen glaubt. Me- 
von mehr als 20 kleineren und Miniaturmodellen und urbanen den von zwar „schönen“ und xiko und Kolumbien präsentie- 
größeren Ausstellungen (zu- Szenarien der Filmindustrie (aus zum Teil auch komfortabel aus- ren die (historische) Stadtent- 
letzt: Le citta immaginate — Un Hollywood und Cinecittä hier gestatteten Wohn- und Einfami- wicklung von Mexico City und 
viaggio in Italia, nove progettiper zusammengetragen: so z.B. die lienhäusern bestimmt wird, wel- Bogotä mit einigen Ausblicken 
nove citta, 1987), die seit 1983 Pyramide aus dem Film Blade che jedoch allesamt nur ihre In- indie Zukunft. Korea zeigt Seoul 
von der XVII. Triennale unter Runner), deren Entstehung der dividualität zur Schau stellen, in seiner Schichtung von Tradi- 
Leitung ihres Generalsekretärs Besucher im Raum nebenan ohne einen Beitrag zur kollekti- tion und Moderne, Japan die 
Marco Cavalotti organisiert wur- dann live miterleben kann. ven Identität der Stadt zu leisten Metropolen Tokyo und Osaka 
den. Und es ist seit zwanzig Jah- auf der Suche nach einer neuen 
ren — seit 1968 - wieder die erste Die thematische Ausstellung: Die internationale Ausstellung: Harmonie zwischen städtischen 
internationale Ausstellung der Jenseits der Stadt, die Metropo- die Zukunft der Metropolen Aktivitäten und Erholungsräu- 
Triennale, d.h. die erste mit offi- le Vierzehn Nationen, einschließ- men. Im schwedischen Pavillon 
ziellen nationalen Beiträgen un- {m Formen einer Darstellung lich der Bundesrepublik Kann man in eine der Stockhol- 
terschiedlicher Länder. der städtischen Wirklichkeit Deutschland, und zwei interna- mer U- Bahn-Stationen hinab- 
‚Die Zukunft der Metropolen ycht es auch in der thematischen tionale Organisationen (die eu- Steigen und im finnischen Aus- 
dieser Welt — das ist ein an- Ausstellung, die von der Trien-  ropäische Gemeinschaft und die Stellungsbereich die Ergebnisse 
spruchsvolles Thema und ein ale selbst organisiert und von Vereinten Nationen) stellen sich des jüngsten Wettbewerbs für 
alarmierend aktuelles zugleich: GoorpesTeyssot, Architekturhi- Fragen nach der Gegenwart und das Zentrum von Helsinki stu- 
Denn immer mehr Menschen le- oriker an der Universität Ve- der Zukunft ihrer Städte. So dieren. In einer Multi-Media- 
ben in den großen städtischen „odig, wissenschaftlich betreut komplex und vielschichtig, wie Show stellt Frankreich die Reihe 
Ballungsgebieten, die, vor allem ‚urde. In acht cabinets.de curio- sich die Probleme insgesamt dar- Seiner Grands Projets für Paris 
in der Dritten Welt, mit rasanter 465 werden acht traditionelle stellen, so unterschiedlich sind OT, und Spanien feiert Madrid 
Geschwindigkeit wachsen: Me- [nstrumente der Darstellung der auch die Schwerpunkte, die Schon vorzeitig, vor 1992, als 
xico City z.B. um 750.000 Ein- S+adt- Wissenschaften gleicher- Analysen und die Lösungsansät- Kulturhauptstadt Europas, 
wohner pro Jahr. Und dennoch „aßen wie Künste — visualisiert ze, welche die Länder im einzel- Der Beitrag der Bundesrepu- 
ist es ein Thema, dem seit lan- (Kartographie, Graphik, Stati- nen vorschlagen. Der Besucher blik Deutschland besteht aus 
gem, seit den großen Welt- und <% Architektur, Design, Kunst, wird durch sechzehn, zum Teil zwei unabhängigen Abteilun- 
Städtebauausstellungen zu Be- pporographie, Landschaft) und mit großem Aufwand gestaltete gen: die Arbeitsgruppe Trienna- 
ginn unseres Jahrhunderts, kei- o4oichzeitig durch eine ästheti- Bereiche, „Ausstellungspavil- le des Landes Baden-Württem- 
ne großen internationalen Aus- che „Überhöhung“ und Ver- ons“, geführt, bei denen die berg (Martin Einsele, Ronald 
stellungen mehr gewidmet wur- fremdung in ihrer traditionellen Form, die Ausstellungsarchitek- Klein, Michael Peterek, Klaus 
den. . . Bedeutung in Frage gestellt. tur, oftmals mehr Gewicht be- Richrath und Barbara Wame- 
Dem Besucher bietet sich, sitzt als der Inhalt, d.h. die ei-  ling-Einsele) stellt die „Städte- 
wenn er die von Achille Casti- en . „=. gentliche Auseinandersetzung Landschaft“ des Oberrheingra- 
glioni großzügig gestaltete Ein- Der italienische Beitrag: Für ei-Arit dem von der Triennale for- Mlbens (von Basel über Straßburg, 
gangshalle und Kaffeebar durch- ne schönere Stadt mulierten Thema. Karlsruhe, Mannheim bis Frank- 
schritten hat, ein reichhaltiges vieje Metropolen haben ihre Der überwiegende Teil der furt) als Beispiel einer polyzen- 
Angebot, das sich auf zwei Ge- {dentität verloren, die auch Aus- Nationen präsentiert seine je- trisch organisierten „anderen 
schossen und mehr als 8000 gM druck des Kollektiven und des weilige Hauptstadt: meist (und Metropole“ vor, als Gegensatz 
Ausstellungsfläche in fünf Abtei-  Gemeinschaftlichen war: So die wie wäre es bei nationalen Betei- zur „klassischen“, monozentra- 
lungen aufteilt. Aussage des italienischen Bei- ligungen dieser Art auch anders len Metropole und als Vision ei- 
7 3 Se trags von Marco Romano und zuerwarten)ineinemrechtposi- ner anderen Möglichkeit, in Zu- 
Der Einleitungsteil: Imaginäre Mario Bellini, die am Beispiel tiven und, was die Zukunftsper- kunft städtisch zu leben, ohne 
Bilder der Großstadt der Po-Ebene (der Besucher _spektiven angeht, optimisti- die Landschaft zu verlieren: Im 
Marco de Michelis hat die „Ou- wird hier über ein mehr als vier- schen Licht, das der realen Trag- Mittelpunkt des Ausstellungs- 
verture“ zur Ausstellung ge- zig Meter langes, im Fußboden weite der Problematik der Ver- _raumes, welcher in seinen flie- 
schrieben, wobeier Themenund verlegtes und von unten erleuch- städterung, vorallem in der Drit- Bßenden Konturen die Topogra- 
Fragen der nachfolgenden Bei- tetes Luftbild dieser metropoli- ten Welt, nicht immer gerecht phie des Rheingrabens nach- 
träge auf eine spektakuläre und tanen Region geführt) die Dis- wird. Arhiopien zeigt den kürz- zeichnet, steht deshalb ein gro- 
gleichzeitig fiktive Art und Wei- krepanz aufzeigen zwischen den lich verabschiedeten, mit der ßer künstlicher Baum, der von
	        

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