Volltext: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

mit vorrangigem Stadterneuerungbedarf ausgewiesen worden. .. 
1985 erarbeitete die Verwaltung eine Stadtteilplanung” mit Ana- NURNBERG GOSTENHOF-OST 
lyse, Stadtteilzielen und einem Konzept zur Flächennutzungspla- BÜRO 7 
nung. Im März 1986 fand ein viertägiges Expertenseminar®” mit KOSTLADEN "NG PLATZ SPARLADEN 
30 lokalen Fachleuten zum Thema ökologische Stadterneuerung 
statt. Im Juli 1986 wurde die Wohnungsbaugesellschaft Evangeli- 
sches Siedlungswerk (ESW) als Sanierungsträger eingesetzt und 
im September des gleichen Jahres ein Stadtteilladen in der Go- 
stenhofener Hauptstraße eröffnet. 
Auf der im November 1986 vom Stadtrat beschlossenen 
Durchführungsgrundlage — dem Erwartungsrahmen für die öko- 
logische Stadterneuerung im Gebiet Gostenhof-Ost” mit dem 
Gutachten „Arbeitshilfe zur ökologischen Stadterneuerung“” — 
bewilligten Bund und Land insgesamt 12 Mio DM für Sanierungs- 
und Forschungsprojekte über einen Zeitraum von fünf bis sechs 
Jahren. In Relation zur Einwohnerzahl und Gebietsgröße steht 
jedoch trotz des sehr hohen Anspruchs weniger Geld zur Verfü- 
gung als für die „einfache Stadterneuerung“ West.“ 
Das Projekt steht nun nach einer langen Vorlaufphase am Be- 
ginn der Umsetzung im Gebiet. Die Planungen für die ökologi- 
sche Sanierung eines Mehrfamilienhauses in der Hessestr. 13 mit 
drei Alternativkonzepten und das Ökologiezentrum in der Hes- 
sestr. 4 sind in Arbeit. 
Zwischenzeitlich erfolgte die Auftragsvergabe für eine Gewer- (PLANUNG PraNUNG HEILSARMEE HAUPTVERKEHRSFÜHRUNG 
beuntersuchung, eine Freiflächenanalyse und ein Müllkonzept. HESSESTR&—— HESSESTR. GE GEPLANT 
Eine ökologische Bestandsaufnahme, z.B. von Lärm- und Emis- 
sionsbelastungen und hausübergreifende Konzepte für Wasser 
und Abwasser sowie Energie wurden (bisher) nicht erstellt. Um verbessert werden, z.B. durch Mietermodernisierung und 
ein Zeichen zusetzen, daß im Stadtteil etwas geschieht, wurde die Durchführung von Maßnahmen durch Vereine und Genossen- 
Umgestaltung des Platzes vor dem Stadtteilladen begonnen; eine schaften. Sollte die betroffene Bewohnerschaft durch Spekula- 
Stadtteilkonferenz ist für Ende März 1988 geplant. Anfang 1988 tion tendenziell gefährdet sein, können die Möglichkeiten des 
wurde vom Stadtrat ein maßnahmenbezogener Programmplan Vorkaufsrechts eingesetzt werden. 
verabschiedet, der hier jedoch nicht mehr einfließen konnte 
Handlungsfelder 
Der Erwartungsrahmen Um die Zielrichtung der ökologischen Erneuerung aufzuzeigen, 
Der Erwartungsrahmen faßt den gewonnenen Kenntnisstand für werden im Erwartungsrahmen die Handlungsfelder der ökologi- 
eine ökologisch orientierte Stadterneuerung zusammen und zeigt schen Stadterneuerung umrissen: 
em S Palette von Chancen und Möglichkeiten auf. Da der Begriff Verkehr: Verkehrsberuhigung, Förderung des Fahrradverkehrs, 
„Ökologische Stadterneuerung“ nicht eindeutig definiert ist, wird z.B. durch abschließbare Fahrradhäuschen im Straßenraumn, 
er selbst zum Forschungsgegenstand des Projekts erklärt. Ange- Fahrradwerkstatt. usw 
strebt wird eine „ganzheitliche Betrachtung aller Lebenszusam- ) . 
menhänge, um bei einer Verminderung von Natur- und Umwelt- Gewerbe: Emissionsreduzierung, Entwicklung umweltverträgli- 
belastungen eine Verbesserung der Lebensqualität für die Bevöl- cher Produktionsverfahren, Beratungs- und Förderungspro- 
kerung im Stadtteil zu erreichen“. Damit erweitern sich die gramme, Schaffung von Teilzeitarbeitsplätzen, Abfallbörse, al- 
Handlungsfelder der bisherigen Stadterneuerungspraxis um die ternativer Gewerbehof, Ausbildungsprojekte für arbeitslose Ju- 
Bereiche: Stadtklima, Wasser, Abwasser, Müll, Freiflächen, Bil- gendliche 
dung, Kultur, Haushalt/Verbraucherverhalten, Gesundheit, So- Wohnumfeld: Hof, Fassaden- und Dachbegrünung, Bodenent- 
nun Ne 5 Nicht die Optimierung einzelner Le- siegelung, Mietergärten,  Daumpefenschaften: Kleintierhaltung, 
OR VOR RZun N ESS eine gleichrangige Bewertung Erhalt der Nebengebäude und Schuppen für z.B. Spielhaus., 
ZE ; Werkstatt, Fahrrad, Materiallager etc. 
® Die Stadt soll nach Möglichkeit private ökologische Maßnah- . Ka - 
men und Initiativen im Stadtteil unterstützen, Ge den Weg eige- Gebäude: Verwendung umweltverträgl cher‘ EB NIL Aue 
ner Überzeugung mit Eigeninitiative gehen und somit glaubwür- “NMCTEIC- und ressourcensparender Technologien, Mül ENTE 
dige Beispiele und Multiplikatoren darstellen. Die Stadtverwal- und Recyclin Es VETDESSCHE Nutzungsmöplichkeiten durch 
tung sollte dagegen selbst keine Vorreiterrolle einnehmen, son- Grundrißveränderungen, Waschküchen-, Keller- und Dachbo- 
dern eher als „Katalysator“ wirken, der „Reaktionsprozesse“ dennutzung, Mietermodernisierung, Genossenschafts- und Ver- 
auslöst und unterstützt. einsmodelle 
® Alle ökologischen Maßnahmen sind von besonderer Öffent- Kultur: Förderung stadtteilbezogener Aktivitäten, wie Klein- 
lichkeitsarbeit und Bürgermitwirkung zu begleiten. Dabei ist kunst, Wandmalerei, Feste, Vereinsleben, Kulturladen, z.B. 
dem „Prinzip der Freiwilligkeit“ ein hoher Stellenwert einzuräu- durch Bereitstellung von städtischen Infrastruktureinrichtungen 
men. Die ökologischen Projekte sollen mit denen betrieben wer- . . 
den, die sie wollen. und nicht gegen den Willen derer, die sie nicht Soziale B eziehungen 3 Aufbau VOR Nachbarschaftshilfen und Be- 
wollen. wohnerinitiativen, Informations- und Beratungsdiensten, Un- 
® Essollen möglichst einfache und kostengünstige Lösungen ge- VETSAUNZUDE VON SOZINEN Experimenten, wie Modelle der Mieter- 
funden werden, perfektionistische Lösungen sind zu vermeiden. modernisierung und neuen Eigentumsformen 
Unterschiedliche Standards unter Berücksichtigung der Ansprü- Bildung: Vermittlung von Grundkenntnissen um gesunde Er- 
che der Bewohner sind bei der Modernisierung zuzulassen. nährung, eigenverantwortliche Gesundheitsvorsorge, umwelt- 
® Damit die Verbesserung des Wohngebiets nicht zur Verdrän- verträgliche Baustoffe, Mülltrennung, energie- und ressourcen- 
gung der ansässigen Bevölkerung führt, soll mietgünstiger sparende Technologien, Chemievermeidung im Haushalt, Kon- 
Wohnraum erhalten und die Verfügungsrechte der Mieter sollen _sumverhalten, etc 
6)
	        

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