Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Tom Königs im Gespräch 
mit Marc Fester und Sabine Kraft 
DIE GRÜNE STADT AM MAIN 
Wie siehst Du die gegenwärtigen Bemühungen der CDU, aus der da spielen wollen, muß man es ihnen auch ermöglichen, dann 
Frankfurt eine Metrole mit urbanen Lebensqualitäten zu machen, XKommt vielleicht das piranesische Leben. 
— Neugestaltung des historischen Zentrums, Museumsufer etc. — On Ha A 
ohne Ne) chen vor einer „collage city‘? Wohin gehen  Deme Vor- Was mich, Ha daß . wie ersle AniWOT t auf Stadiökologie 
stellungen bzw. die einer grünen Kommunalpolitik? meist ‚Grün‘ heißt. Ökologie und Grün scheinen heute synonyme 
. Begriffe geworden zu sein. Ist Stadtgrün nicht eher Kosmetik? 
Zunächst gehe ich davon aus, daß wir bei der nächsten Kommu- Nei ich U pP {Ör Frankfürtistiünstad tal 
nalwahl die CDU und ihren blassen Oberbürgermeister aus ihren N tECsiar 
Ämtern verdrängen werden: rot-grünes Frankfurt. In Frankfurt Versehen TSNECHTSET VON CE Grüngünte Projekt al OranCh: 
wurde ein Image aufgebaut, das zwar viel verspricht, aber eine ur- NE MOB Eah MT N NUN ec Se N a 
bane Lebensqualität nicht einlöst. Das hängt mit dem Verhältnis ale MIASNANMEN CEN ZAMOVETKSAT SIRZURSIMTEN, EIS AAN 
von Fassade und belebten Räumen zusammen. Manche Städte und Luftemissionen N vermmdehn: sauberes Wasser TUEATANEG- 
haben mit solchen Fassaden Jahrhunderte gestanden, aber das ren, ein Trinkwasserreservoir zu schaffen, das sich selbst regene- 
was geplant war, hat sich nicht ereignet. — Ich sehe mit Vergnügen ner und mit den Ausdinstungen und AAUSSCHEIGUNBEN der Stadt 
Piranesi: so stell ich mir Frankfurt rot-grün vor: die Fassaden a EEE N Ku Grün ee TS ich 
bröckeln, aber vor ihnen pulsierendes Leben, nicht nur Schäfer, HI Rlich der VO art N Sr ab bang AN het 
sondern spielende Kinder und sprießendes Grün. Zugegeben ein SE Un en N POREE N ist (be Wa Sn N ußdICK S N } 
sehr romantisches Bild, aber es betrifft Frankfurt. Frankfurt ist Ur ab N SOUL ur u ZZ OKSHEH ADD indes Man nt Fol ze 
eine Stadt, die sich gegen ein einheitliches Bild wehrt, Frankfurt ar a LE k S N 8 Lasten des Verkehrs, bis hın UM Sal 
ist extrem uneinheitlich. Es gibt keine Prachtstraße, keinen ho- MARS ET ON ASIEN ß x De 
mogenen Entwurf, das macht den Reiz aus: die Vielfältigkeit. Ss ist doch absurd: da eibt es hier sine Strn EC Mn 
Der Römerberg ist in einer bestimmten Weise typisch: da gibt es WISE TV Gründezernenten, We En a 
zwei 50er Jahre-Wiederaufbau-Häuser am oberen, sozialen (USSC der Dean nach Ace pflanzen, ae künst Me Mt 
Wohnungsbau am unteren Ende, ein historisches Museum von Wasser ernährt werden TE SSCD) weil die Rogeneinzugsfläche 
erhabener Betonscheußlichkeit usw. Aber kann man dann nicht EEE AR ED deal NUT N fol 
aus der jeweiligen Zeit heraus eigenständige Baulichkeiten er- Se « N ü S daß NRele die  AmEZei von Hera Dim Zücht 
richten, die nicht in sich schon widersprüchlich sind: vorne histo- EN DUS; rd di: n 
risierend, hinten postmodern? Dazu noch einen Prügel wie die wesentlich überleben werden. Das wird dann das erste rot-grüne 
Kulturschirn, äußerlich mißglückt und innen von jeder Funktion Problem. 
abgehoben... In vielen Kommunen scheint das Attribut „ökologisch“ einen re- 
... da sind Architekten vielleicht anderer Meinung ... gelrechten Boom zu haben — jeweils einem Planerjargonwort vor- 
« . angestellt (Stadtumbau, Stadtentwicklung, Stadtforschung). Her- 
...Damuß man das fehlende Leben, die versuchte Offenheit quer z ; 
f - | . nn na : auskommt seit 15 Jahren Bekanntes: Wohnumfeldverbesserung, 
air Baulichkeit nachher einzwepielen versuchen, Scheich di Verka ing Fasaadenbegrünung Und Jet Biosopfor 
zur Kultstätte hochstilisiert. Man hat mal versucht, dort unten ei- m TE DAS ann N UOG a aniC ht WM RER LEF (ler pe A Win eOn 
Nee re BNP EE eh In — . Abm manchmal da schon wieder bei einer neuen Stadtfeindlichkeit? Stadtdurchgrü- 
PS EN AHSSTUNKHONIELE CHE ISEAUEAVERSOFEN. nung ist doch seit 100 Jahren eine antiurbane Planungsphilosophie 
Ist das nichtein heiliger Bereich, nicht zum Alltäglichen bestimmt? („innere squares‘“ = Blockentkernung um 1890, Howards grüne 
ER nA Mitte 1898, jene Grünzüge, mit denen man um 1950 z.B. Berlin 
EDS IE BetOn Ver DIET WERE en. N eh En noch mehr zerstören wollte). Was also versteht Ihr als Grüne unter 
, . . 2 
klaut. Und da wächst auch nichts. Andererseits ist dies Zentrum Statökolagie? 
ungeheuer Frankfurt — und ich liebe die Stadt auch so. Aberman Lange Zeit hat eine Funktion der Stadt darin bestanden, daß man 
muß dort vieles wachsen und Leben gewähren lassen. Wenn Kin- die Natur aus ihr ausgegrenzt hat. Man war stolz darauf, daß in- 
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