Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

Investitionen an städtebaulicher Phantasie - notwendig sind, ein 
natürliches Band von einem Stadtrand zum andern, soll durch ei- 
nen Grüngürtel komplettiert werden, der sich rund um Frankfurt 
zieht und noch geschlossen werden könnte. 
Wenn eine Stadt sich auf einen Fluß beziehen soll, muß sie da nicht 
auch als Stadt präsent sein, das heißt steinern, durch urbane Nut- 
zungen statt durch distanzschaffendes Grün? 
Es ist beides. Man muß begrünen, man muß verkehrsberuhigen. 
Ich wäre schon froh, wenn man das Ufer überhaupt gestalten 
könnte, nicht nur den historischen Teil von der Alten Brücke bis 
-upacıH zur Untermainbrücke, sondern den gesamten Bereich vom Main- 
bogen bis zur Niddamündung, was gegenwärtig wegen der Ver- 
kehrsführung nicht möglich ist. 
Jenseits der historischen Stadtgrenze kann man sicherlich an ufer- 
begleitende Grünanlagen denken. Vorher könnte es aber tödlich 
sein. 
Wenn man dort Primeln anlegt, ja. Ich meine, man sollte das Mai- 
nufer bewußt gestalten, gleichgewichtig Stein und Grün. Und 
s nal ä man kann natürlich Zonen für bestimmte öffentliche Nutzungen 
Tom Koenigs Frankfurter Grüngürtelkonzept (grob gerasterte Flächen) schallcn. Aufder Sachsenhäuser Seite wird dasmit Sammerkino: 
ASS - TE Flohmarkt usw. getan. Gerade in Frankfurt käme man meines 
nerhalb der Mauern kein einziges Pflänzchen mehr grünte. Nach rFrachtens relativ schnell damit voran, Phantasien für derartige 
dem Krieg sind wir in eine Phase gelangt, in der die Stadt als Stadt Nutzungen zu entwickeln. — Ich würde es ungeheuer begrüßen, 
ihre natürlichen Grundlagen zerstört, obwohl sie sie braucht. | „enn sich z.B. Hermann Josef Abs oder andere wie Adenauer 
Z.B. das Wasser: Frankfurt verbraucht von allen hessischen damals in Köln für eine neue Ufergestaltung und einen Grüngür- 
Städten das meiste Wasser, pro Person und absolut. Das wird als re] einsetzen würden und dadurch die Lebens-, Wohn-'und Frei- 
Fortschritt empfunden. Man versaut das Grundwasser, holt das „o;+qyalität der Stadt heben könnten. Gewiß hat das Nebeneffek- 
Trinkwasser von weit her, mit schweren, sichtbaren Schäden — + wo ich trotz Kapitalismuskritik mal ein Auge zudrücken wür- 
dort fallen die Bäche trocken. Früher hatte das ganze System qe: Die Randbebauung des Grüngürtels würde aufgewertet. Da 
noch eine gewisse Stabilität. Heute ist die Stadt als Lebensort ‚olen dann meinetwegen die Bänker hinziehen und ihre 3400 
dem ökologischen Zusammenbruch nahe. Beim Wasser, aber DM pro Wohnung zahlen. Aber dadurch hätten wir die Möglich- 
auch mit den Autos: schleichende Krankheiten, Stress durch }ejt die natürlichen Grundlagen der Stadt zu pflegen. Für mich 
Lärm. (Und: Isolierverglasung schafft SINNEUECS Problem: schön, fängt Stadtökologie bei Grünbereichen, Luftaustausch und Kli- 
daß es nicht mehr zieht, aber es lüftet auch nicht mehr. Die Folge „a an, geht weiter über Flächenentlastung, Frischwasser, Ab- 
ist Schimmelbildung in den alten Gemäuern, das ist auch unge- ‚wasser und Müll und kommt schließlich bei der Baubiologie und 
sund). Da war es sinnvoller, den Verkehr zu beruhigen. Das ist qom Innenraumimmissionsschutz an. Meines Erachtens kann es 
ein Zauberwort, aber heraus kommen nur Verkehrsverlagerun- auch in der Stadt ein ökologisches Gleichgewicht geben mit einer 
gen. Es fehlt an der notwendigen Radikalität ... Die Stichworte pewußt gestalteten Natur, die einem das Leben lebenswerter 
sind bekannt: Tempo 30 in der gesamten Stadt, den öffentlichen ‚acht. 
Nahverkehr aus der Schmuddelecke herausholen, kostenloses 
Park-and-Ride am Ende der Autobahnen mit Parkhäusern, die Hier liegt ein anderes Problem des Themas: Natürlich kann man 
die Qualität von Flughäfen haben usw. ... Also nicht bloß grün. beieinzelnen Gebäuden sehr genau sagen: Bauen wir mal baubio- 
Nochmals zum Fragekomplex Ökologie — Grün — Stadtfeindlich- 
keit. Wir kennen ja keine Natur, auch nicht ihre Grausamkeit: Die Zeil im Jahre 1877 
rings um uns künstliche, hochtechnische Gebilde — und Kultur- 
landschaften dort, wo es grün aussieht. Geht es um die Unterord- 
nung des Menschen unter natürliche Kreisläufe, die Kastration 
oder gar die Zerschlagung der Stadt? 
Ich möchte nicht, daß die Grünen in Frankfurt mit irgendeiner 
Art von Stadtfeindschaft identifiziert werden. Es gibt bei uns kei- 
ne urbanitäts- oder stadtfeindlichen Tendenzen. Wir wollen das 
pulsierende Leben nicht aus Frankfurt heraushaben, wir wollen 
keine grüne Idylle im Dorf. Wir wollen hier Stadt und wir wollen 
auch nicht weg von hier. Wir halten auch nichts mehr von Aussa- 
gen wie: kein Haus soll höher sein als ein Baum, obwohl wir ohne 
Hochhäuser auskämen. 
Frankfurt ist aber nun einmal die Metropole und der Umschlags- 
punkt der Banken und des Kapitals. Da geht es eben um die De- 
monstration von ökonomischer Macht. 
Den Hochhäusern möchte ich ein anderes Symbol entgegenset: 
zen, ein Symbol des Gleichgewichts im Wandel. Unsere Vorstel- 
lung für Frankfurt ist die der „grünen Stadt am Fluß“. Gegenwär- 
tig liegt Frankfurt an der ‚Zeil‘ und nicht am Main. Früher war 
das gesamte öffentliche Leben auf den Main hin konzentriert, heute 
orientiert sich Frankfurt vom Main weg. Wir wollen die Mainufer 
als öffentlichen Raum wiedergewinnen. Und über die Ökologie, 
über das Grün und den Fluß in die Innenstadt wieder Leben ein- 
ziehen. Das Mainufer, für das ungeheure Investitionen — auch 
(W:
	        

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