Full text: ARCH+ : Zeitschrift für Architektur und Städtebau (1988, Jg. 20, H. [93], Jg. 21, H. 94-97)

he, Düsseldorf, Essen, Köln, Aachen u. a. haben im Rahmen von Dort könnte er — ähnlich wie Erdgas —- zu Heiz- und Antriebs- 
Bauleitplanungen inzwischen Erfahrungen mit der UVP gesam- zwecken wie zur Verstromung (in Brennstoffzellen) genutzt wer- 
melt. Jedoch soll — weil das Verfahren und seine Variablen nur den. Auf Wasserstoff ließe sich eine kaum Schadstoffe emittie- 
schwer objektivierbar sind — darauf verwiesen werden, daß es rende, auf dem Kreislaufprinzip beruhende Energiewirtschaft 
sich auch hervorragend für eine rein legitimatorische Absiche- aufbauen. Experten rechnen mit einem Zeitraum von 30 Jahren, 
rung von Planungen eignet. Die kommunalpolitische Auseinan- bis sich eine neue Energie- Technologie wirtschaftlich und gesell- 
dersetzung um die Definition der Umweltstandards wird durch schaftlich etabliert hat. 
die UVP keineswegs überflüssig, sondern kann — bei entspre- Literatur: Joachim Nitzsch, Carl-Jochen Winter, Gespeicherte Sonne — Plädoyer 
chend sorgfältiger und gewissenhafter Durchführung der UVP  füreine neue Energiewirtschaft, in: Bild der Wissenschaft 4/1987. © Sonnenenergie 
durch die Verwaltung - eher präziser und effizienter werden. Kompakt Nr.2, Zürich 1967. 5.1558 
Literatur: Karl-Heinz Fiebig, Stadtökologie — eine Querschnittaufgabe des kommu- 
Umweltverträglichkeitsprüfung — UVP in der Bauleitplanung, Dt. Gemeindever:. WIRBELSCHICHTFEUERUNG: stellt eine Ver- 
lag: Köln 1957 brennungstechnologie dar, die auch bei Verwendung von Fest- 
brennstoffen (Ballastkohle, Steinkohle, Kohleschlamm) vermin- 
derte Umweltbelastungen ermöglicht. Die Wirbelschicht ist als 
Verfahren zwar schon seit den 20er Jahren in der Chemieindu- 
strie für Trockenprozesse bekannt, wurde abererst seit der Olkri- 
se in den 70ern weiterentwickelt und als Feuerungstechnik auf 
dem Energiemarkt eingesetzt. Bei der WSF werden die Feststoff- 
teilchen in der Brennkammer durch Luftzuführung von unten in 
heftige selbstdurchmischende Bewegung versetzt. Der Verbren- 
nungsvorgang ist deshalb gleichmäßig und kann bei niedrigen 
Temperaturen von ca. 850°C vonstatten gehen, was die Bildung 
von Stickoxiden (NO,) vermin- 
dert. Der zugesetzte gemahlene Pe Wirbel chich 
Kalkstein (CaCO-;) verbindet sich LA 
während des Verbrennungsvor- Fa 
gangs mit den Schwefelanteilen nn 
der Kohle zu Gips. Nachgeschalte- 419 
te (teure) Rauchgasbehandlungs- 
_ verfahren können deshalb entfal- 
len oder minimiert werden. Verfahrenstechnisch wird noch ein- 
Olof Tegström/Schweden kocht, heizt und fährt mit Wasserstoff mal zwischen atmosphärischer und druckaufgeladener und bei 
beiden jeweils zwischen stationärer (für Brennstoffkorngröße 
WASSERSTOFFWIRTSCHAFT: Wasserstoff (H) von 0,5 — 1,5 mm) und zirkulierender WSF (Korngröße kleiner 
ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas mit einem Siede- 0,5mm) unterschieden. Beider zirkulierenden WSF werden ETO- 
punkt von -253°C. Unter Normalbedingungen (760 Torr, 20°C) ße Teile der Abluft mit den schwebenden Teilchen immer wieder 
enthält jeder Kubikmeter H,-Gas 3,5 kWh Energie. In der Um- dem Verbrennungsraum über ein Zyklon und einen Verdichter 
welt kommt Wasserstoff meist nur in gebundenem Zustand vor. zugeführt. Probleme gibt es noch mit der eventuell vermehrten 
Unter Sauerstoffzufuhr rea- 
giert er bei niederen Tempera- E ; 
turen rückstandsfrei zu H,O, [wm to Jene 
bei Hochtemperaturverbren- 
nung in Luft können allerdings u L 
Stickoxide mitentstehen. Um- —_ 5 
Sar gekehrt wird er bei der Spal- 
tung der H,--Moleküle freige- = Bern 
Kan / setzt. Das klassische Verfah- Sn 
Ze ee’ ren dafür ist die Elektrolyse. 4 En 
E Derzeit arbeitet man an ver- ZZ — 
{ TE 4 schiedenen Verfahren zur CA k | 
ZN S Verbesserung der H,-Gewin- en a ; S ) 
Daptaama A nung: Das über den Katalysa- b 
. tor Zirkonoxid vermittelte ; En 
Schema der Elektrolyse Hochtemperatur-Wasser- 7 8 
& « nn . . Funktionsschema 
dampf- Spaltungsverfahren (“Hot Elly“), benötigt bei gleicher einer Wirbelschichtfeuerung 
Wasserstoffausbeute 45% weniger Primärenergieeinsatz. Die 
von BBC entwickelte Membrel-Elektrolyse setzt statt der aggres- En . 
siven Kalilauge einen Festkörper-Elektrolyten ein, was Platzbe- Emission polyzyklischer Kohlenwasserstoffe und der Verwen- 
darf, Primärenergieeinsatz und Umweltbelastung reduziert. dung der nun in erheblichem Maße anfallenden Gipsmengen, die 
Mit der wachsenden Erkenntnis der Endlichkeit fossiler Ener- Wegen ihres hohen Radongehaltes für Bauzwecke nur bedingt ge- 
gieträger wie der unbeherrschbaren Risiken der Kernenergie ge- Cignet sind. Die WSF eignet sich besonders gut für stadtnahe 
winnt der Wasserstoff als Primärenergieträger der Zukunft seit Energieerzeugung mit —)> Kraft-Wärme-Kopplung in Blockheiz- 
einigen Jahren zusehends an Gewicht. Sämtliche Verfahren zu Kraftwerken. Der Gesamtnutzungsgrad der Primärenergie liegt 
seiner Herstellung und Distribution sind vorhanden und warten dabei zwischen 70 und 85%. 
nur auf großmaßstäbliche Anwendung. Szenarios einer zukünfti- Literatur: Angermeier, Grumbach, Weber, Wirbelschichtfeuerung — Kohlevor- 
gen Wasserstoffwirtschaft gehen aus von der Stromerzeugung in DE in sauberer Umwelt, Technik und Gesellschaft Heft 3, DGB/NRW 
T x . ausen 1984 
Solarzellen- Kraftwerken in menschenleeren, sonnenintensiven 
Gebieten — etwa der Sahara. Der dann mittels Elektrolyse er- 
zeugte Wasserstoff könnte über schon vorhandene Öl-Pipelines zusammengestellt und geschrieben von 
und Tanker in das europäische Energienetz eingespeist werden. Hans-Jürgen Serwe 
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