Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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hemd3 hatte ich aber doch sichtlich bemerkt; denn die Erkältungsfälle 
traten viel seltener auf; ich ließ mir deßhalb Flanellappen von Rücen- 
breite, die bis auf Kniegelenk reichten, anfertigen und trug sie auf dem 
Rücken unter dem weißen Hemd; dadurch wurden die Erkältungen für 
den Sommer auch seltener, aber ganz ausgeschlossen waren sie nicht, 
auch die Kreuzs<hmerzen traten in milderer Form auf, ich spürte aber 
do< immer noch ein Ziehen und Reißen im linken Beine bis auf die 
Fußzehen und trug ich mich längst mit dem Gedanken herum, daß ich 
im Alter ein Gicht- und Rheumatis8musleidender würde, was nicht 
gerade Lichtblicke für mein fernere8 Leben waren. 
Neben meinem Berufe leite ich privatim no< den gemischten 
Stadtkirhen<hor. Nach einer Probe bin ich immer durch und durch- 
ges<wißt sowohl im Winter als im Sommer, und komme ich dann ins 
Freie, namentlich im Winter, so ist das Gefühl stet3 ein höchst un- 
angenchmes gewesen, troßdem ich mich dicht in meinen Mantel hüllte, 
und habe ic) oft zu den Sängern gesagt: die Gesangsprobe ist doch 
now einmal Ursache meines Todes! Aus der Hanemannia vernahm ich 
von Tyrer Wollkleidung. Aus eigener schon oben geschilderter Erfahrung 
verfolge ih mit großem Interesse die dort jeweils gemachten Mit- 
theilungen, und längst war der Einschluß in mir reif, mir die Woll- 
kleidung anzuschaffen, schrieb Ihnen auch v. J. in dieser Beziehung, aber 
kam nur schwer dazu, nach Stuttgart zu reisen. 
Vergangenes Spätjahr wurde von Zutt in Mannheim hier eine 
Filiale errichtet. J< verschaffte mir sofort ein Trikothemd und trug 
es Tag und Naht; weil es mir sehr behagte, kaufte ich zum Wechseln 
no<h ein zweites Winterhemd. Krisen haben sich bei mir noh durch- 
aus keine eingestellt, wahrscheinlich, weil ich an das Flanellhemd schon 
gewöhnt war; aber das fühlte ih, daß ich weniger sc<hwißte als im 
Flanellhemd, und wenn ich s<hwikte, war es mir lange nicht so lästig 
als im Flanellhemd, der Shweiß verduftete viel rascher und oft, ehe 
ic< von der Probe nach Hause kam, war das Hemd von der äußern 
Luft schon ganz getro>net; ebenso fühlte ich durchaus nicht das Be- 
dürfniß mich in der kalten Luft so in den Mantel zu hüllen, wie früher. 
Aber noc< mehr: Schon um Weihnachten fühlte ich von dem Ziehen 
und Reißen im linken Bein vom Kreuz aus gar nichts mehr. 
Nun kam im Februar und März die Bestellung des Gartens; 
daruf war ich am meisten gespannt, wie es mir gegenüber anderen 
Jahren ergehen würde, ob das Kreuzweh , das momentan gebücte 
Gehenmüssen sich troßdem wieder einstelle, oder ob auch das gemildert 
würde. JU zog Ro> und Weste aus und arbeitete in der kalten 
rauhen Luft im Trikothemd, s<hwikßte natürlich durc< die ungewohnte 
körperliche Anstrengung, bü>te mich viel, aber auch keine Spur von 
dem früheren Kreuzschmerz zeigte sich; das war mir doh zu auffallend, 
als daß es nicht den Entschluß zur Reife brachte, mich ganz der Wolle 
zu ergeben, und so kam ich zu Ihnen nach Stuttgart, um mir die 
nöthigen Kleidungsstü>ke anzuschaffen.
	        

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