Volltext : Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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färbten Haar ist dagegen die Farbe selbst im günstigsten Fall gleichmäßig
 im Haar vertheilt und begreiflih kann von ihr unter gleichen
Umständen mehr verdunsten als von der Naturfarbe, denn leßtere ist
völlig eingeschlossen, letztere liegt zum Theil an der Oberfläche.
3. Aechte Kunstfarben sind gesünder als unächte. Aehte
Färbung bei den Geweben ist bekanntlich eine solche, die nicht abschießt.
Das Abschießen ist = zwar nicht immer, aber meist =- Folge von
Verdunstung. Eine Farbe, die stark abschießt , liefert also einen concentrirten
 Dunst, ist somit schädlich, eine ächte d. h. wenig abschießende,
also wenig verdunstende Farbe dagegen liefert einen verdünnten Duft,
ist mithin gesund. Ob eine Farbe rascher oder langsamer abschießt,
hängt einmal von der Flüchtigkeit des Farbstoffes, dann aber auch davon
 ab, 09 derselbe blos der Faser aufsfißt, oder sie völlig durchtränkt.
Aus vorliegendem Satz erklärt sich der erhebliche Unterschied zwischen
Indigoschwarz und den andern Schwarzfärbungen , ersteres, weil viel
ächtfärbiger, ist erheblich weniger schädlich, als die stark abschießenden
Blauholzfärbungen. Unter den hellen Farbstoffen ist bekanntlich Cochenille
 die ächteste Farbe und damit stimmt, daß sie gesund ist.
Von obigen Säßen erhält der erste auf Grund folgenden Umstandes
 noch eine weitere Stüße. Die Farbstoffe wirken auf unsere
Gesundheit nicht blos direkt durc< ihre eigene Substanz, sondern auch
durc< ihre Beziehung zu unseren Ausdünstungsstoffen. Solche Farbstoffe,
 welche gleich der Pflanzenfaser vorwiegend den übeln Theil unserer
 Ausdünstung d.h. die Unluststoffe anziehen, werden schlechter sein
als die, welche vorwiegend die Luststoffe anziehen. In dieser Beziehung
habe ich die Farbstoffe noch nicht prüfen können, allein klar ist Folgendes:
Die absolute Menge von Duftstoffen, welche ein fester Körper,
d. h. in diesem Fall ein Farbstoff anzieht, hängt unter sonst gleichen
Umständen von seiner eigenen Masse, oder anders gesagt von seiner
eigenen Concentration ab: ein concentrirter d. h. dunkler Farbstoff zieht
mehr Duftstoffe an =- weil er eine größere Masse repräsentirt =- als
der gleiche Farbstoff in verdünnter, d. h. heller Nüance. Nun ist eine
weitere feststehende Thatsache: jeder Stoff wird durch geeignete Concentrirung
 schädlich, nur der eine früher der andere später. Der Unterschied
 zwischen den Luststoffen und Unluststoffen unserer Ausdünstung
besteht nur darin, daß die ersteren erst bei hoher, die letzteren schon
bei geringer Concentration schädlich werden. Daraus ergibt sich: gleichgiltig,
 ob ein Farbstoff mehr die Luststoffe oder mehr die Unluststoffe
auf sich resp. in sich concentrirt = er wird um so gesünder sein, je
weniger die Menge von Duft ist, die er aufnimmt, und das richtet sich
nach seinem eigenen Concentration8grad, d. h. darnach, ob er zu Helloder
 zu Dunkelfärbung verwendet wird. Mithin sind helle Farben sowohl
 direkt wie indirekt unbedingt gesünder als dunkle.
Jc< bin überzeugt, daß alle die Leser, welche gewohnt sind, in
der fraglichen Richtung zu beobachten und zu denken, über eigene Beobachtungen
 bestätigender Art verfügen, 3. B. daß schwarze Kleider
            
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