Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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lächelnd und berichtet, die Schmerzen seien fast sofort verschwunden, als 
sie den Bettwechsel -vorgenommen. Andern Tags wird der Arzt wieder 
gerufen und ihm erzählt: als die Dame Abends dem Gatten Plat 
machen und in ihr eigenes Bett liegen mußte, seien die Schmerzen 
wiedergekehrt. 
Damit war natürlich der Widerstand der Dame gegen das Woll- 
regime besiegt, es wurde alles Nöthige angeschafft und jet empfahl sich 
das langjährige Nervenleiden auf Nimmerwiedersehen. Als interessant 
und für meine Riehstofflehre bestätigend, betonte Herr Dr. U., daß das 
„ner“ Wollbett nicht so plößlich gewirkt habe, wie das bereits gebrauchte 
des “ gatten, es mußte sich erst mit dem eigenen „Wollduft“ sättigen. 
'gende Fälle verdanke ich der gütigen Mittheilung eines anderen 
ebenf= 3 längst der Wolle ergebenen Gerichtöarztes, dessen Name ich, 
da + -* 2 eigene Familie betrifft, hier verschweige, dagegen jedem Fach- 
mann. dor si näher interessirt, persönlich mitzutheilen ermächtigt bin. 
al!: Die Mutter des betreffenden Arztes war lange Jahre 
gemüt rank, sie lebte ohne jeden äußeren Grund in der steten Angst, 
an d“4 Bettelstab zu kommen und nahm sich schließlich in einem solchen 
Angstanfall das Leben. Nicht lange darnach zeigten sich bei der Frau 
des Arztes ganz ähnliche Angstzustände mit den gleichen Wahnvorstell- 
ungen, wie bei der Schwiegermutter, erst leichter, dann immer stärker 
und zwar ebenfalls ohne jeden thatsächlihen Grund. So war die Sach- 
lage, als der Arzt mit meinen Lehren vom Wollregime bekannt wurde, 
und da er selbst <ronisch leidend war, so unterwarf er sich und seine 
Frau demselben. Während er selbst sehr bald seine volle Gesundheit 
der Wolle verdankte, besserte sich der Zustand seiner Frau, den er mir 
damals einfach als ein „Nervenleiden“ bezeichnet hatte, nicht erheblich. 
Am 43. September besuchte er mi“ und theilte mir nicht nur obiges 
mit, sondern auch folgendes: vor Tagen sei seine Frau mit einem 
getragenen Unterro> in der Hand zu ihm gekommen und habe ihn ge- 
fragt, ob sie, da der No> einer Reparatur bedürftig, den oberen aus 
Baumwollzeug bestehenden Vorstoß durc< einen wollenen erseßen solle. 
Auf seine Bemerkung, sie solle ihn lieber ganz ablegen, da auch der 
untere Theil nicht rein wollen sei, habe die Frau entgegnet, sie thue 
es nicht gern, weil der Ro> ein Andenken an die Schwiegermutter, 
die ihn getragen habe, sei. Durch meine Publikationen über die Fixirung 
der Kranfheitsstoffe in“ den Kleidern gewitigt, habe er nun den Unter- 
ro> sofort konfiSzirt und siehe da, von dem Tage an seien bei seiner 
Frau bis heute die genannten GemüthsSaffektionen vollständig aus- 
geblieben. Hiezu bemerke ich, daß etwa 40 Tage darnach die Frau 
Doktor, leider in meiner Abwesenheit, meine Frau besuchte und ihr gleich- 
falls ihre völlige Befreiung von ihrem Leiden bestätigte. 
Ehe ich vorstehendes niederschrieb, wandte ich mich nun noch 
einmal brieflich an den Herrn Doktor. Hier die Antwort, datirt vom 
18. Oktober: „I< bin in der glüFlihen Lage, Ihnen mittheilen zu 
können, daß sich von den Wahnvorstellungen meiner Frau, welche ich
	        

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