Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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Körpergewicht eine weitere Einbuße von 7'/, Pfund, nämlich von 
146'/, auf 109 Pfund erlitten (ursprünglich wog ich 124 Pfund). Der 
Appetit war elend, der Magen wollte nichts mehr verdauen, das Ge- 
nossene machte mir größte Beschwerden, Erbrechen u. s. w.; die Ent- 
(eerungen mußten täglich durch viele Lavements (Wasser mit Salz) her- 
beigeführt werden. In dieser Verfassung wandte ich mich an den 
Herrn Brofessor L. in Tübingen, um dessen Rath einzuholen. Derselbe 
empfahl mir, die Meß'shen Filet-Jacken sofort vom bloßen Leibe zu 
entfoxagu und an Stelle dessen ein wollenes Hemd zu tragen und rieth 
mz. 1.448 Fx Zustand sich im Laufe des Sommers bessern sollte, zum 
7: nicht mehr nach Davos, sondern nach Unter-Italien zu gehen. 
Gx Srofessap "Lk. erklärte mir, daß in erster Linie die schlechte Ver- 
daumag und die Nervosität, dann aber das Lungenübel zu berücksich- 
tis seien, wogegen er mir leider wenig verordnen könnte. 
Im'8 Hotel zurückgekehrt und mit der Abreise beschäftigt, fiel 
mein Bli zufällig auf eine vom Herrenkleidermacher Hauf ausgelegte 
Flugschrift „Die Normaltracht“; ich beschloß, da mir des Herrn Pro- 
fessor3 Erklärungen sehr einleuchtend waren, einen Versuch zu machen 
und 1 Stunde später hatte ih in Tübingen mir den nöthigen Anzug 
und Hemden persönlich bestellt. 
Seit Ende Mai vorigen Jahres trage ich vorschriftsmäßigen An- 
zug , seit August desselben Jahres habe ich das Wollbett fast in allen 
Theil in Anwendung und schlafe Nachts bei weit geöffnetem Fenster, 
selbst bei stürmischer Witterung, so daß der Wind mich unmittelbar 
berührt; übrigens mangelt es an rauher und stürmischer Witterung in 
unserem Erzgebirge nicht, und als ich auf Wunsch meiner Frau (die 
gleichfalls wollen ist, ebenso meine beiden Kinder) in einer stürmischen 
Novembernacht das Fenster ausnahmsweise schloß, mußten wir uns die 
Schlaflosigkeit am nächsten Morgen eingestehen. = 
Das nervöse Leiden, oder die Congestionen nach dem Kopfe sind 
Gottlob seit 29 Monaten nicht wieder erschienen; im Mai, Juni und 
Juli traten noch vereinzelnte Congestionen ganz leicht auf und zwar 
schnell vorübergehend. Der Appetit hat sich seit der Zeit so vortrefflich 
gebessert, daß ich jeht wieder 415 Pfund wiege, gewiß ein für meinen 
Gesundheitszustand sehr ansehnliches Gewicht, wenn Sie gütigst berück- 
sichtigen, daß ich „zwungen bin, von früh bis spät, mit Unterbrechung 
der Mittagsstunde, für mein Geschäft straff zu arbeiten und hänfig bei 
Wind und Wetter kleine Geschäftsreisen machen muß, wobei ich häufig, 
weil im offenen Wagen, durchkältet, durc<näßt, oder durch schlechte Ver- 
pflegung, an Körpergewicht verliere. 
Gemäß Ihrer werthen Berichte, habe ich beobachtet und gefunden, 
daß das Fleisch auf meinem Körper, welches Herr Dr. U. in Davos 
„schauderhaft verweichlicht“ nannte, immer fester und härter wird. 
Was nun mein Lungenübel anbelangt, so hat mein hiesiger Haus- 
arzt erklärt, bei seiner jüngst vorgenommenen gründlichen Untersuchung, 
daß meine Lunge (die rechte) entschieden Fortschritte zur Besserung ge- 
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