Volltext: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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Kleinere Mittheilungen. 
Die Selbstarzneien. Seit längerer Zeit geht sowohl durch Fach- 
blätter wie durch die Laienliteratur (3. B. „Daheim“) als sensationell die 
Entde>ung des französischen Physiologen Gautier, „wornach der mensch- 
lihe Speichel nur dem Grade nach von dem Schlangengifte verschieden sei 
und in der That ein sehr verdünntes Gift darstelle“. Gautier sammelte 
etwa 20 Gramm menschlichen Speichels, reinigte und concentrirte den- 
selben und erhielt nun eine Flüssigkeit, welche unter die Haut eines Vogels 
gespritt, denselben tödtete. =- Daß dies an sich ja ganz interesjante Ex- 
periment solches Aufsehen erregt, beweist nur, wie wenig Verständniß 
für das Toncentrationögeset selbst in Fachkreisen herrscht. Jede Sub- 
stanz, selbst das so unschuldige Ko< salz, und von thierischen Flüssigkeiten 
der Harn (3 Harnstoffvergiftung), wird in großen Dosen oder hoher 
Concentration zum Gift, aber andererseits durch geeignete Ber- 
dünnundg zir -- Arznei, oder allgemeiner gesagt, zu einem Beleb- 
ungsmitte : einer LebenSsessenz. Was sind denn alle unsere Arznei- 
mittel, wie Belladonna, Opium, Strychnin, Digitalis, Akonit u. s. f. ? nichts 
anders als verdünnte Gifte. 2) zeugt es für die häufig unpraktische 
Richtung unserer Gelehrten. Nun: diese sollen allerdings die beiden 
Seiten eines Stoffes, die giftige wie die arzneiliche, studiren, aber den 
Schwerpunlt müsen sie doch auf die Seite legen, welche praktisc<h-wichtig 
ist, und da3 ist beim Speichel die von der offiziellen Wissenschaft vollständig 
vernachlässigte arzneiliche Seite: der Speichel ist in seiner natür- 
kihen Concentration eine mac<hkvolle Arznei. Mit ihm heilt das Thier 
die schwersten Wunden in einer überraschend schnellen Weise. Die bei 
kleinen Kindern (und jungen Thieren) so häufig vorkommenden Augen- 
katarrhe, Liedrandentzündunzen u. s. f. heilen sehr schnell, wenn die Mutter 
die Augen des Kindes bele>t (meine Frau besorgte das bei meinen Kindern 
auf meine Aufforderung hin stets mit sofortigem Erfolg). » Auch der Er- 
wachsene bedient sich vorkommenden Falls am einfachsten seines eigenen 
Augenbalsams, indem er ihn mit dem Finger aufstreicht. Ferner ist der 
Speichel sehr wirksam gegen verschiedene <ronische (flechtenartige) Haut- 
ausschläge bei Mensch und Vieh. -- Aehnliches gilt vom Harn, der ein 
mächtiger Wundbalsam ist und als solcher bei allen Naturvölkern und beim 
Landvolk =- jeder Knabe, der sich in den Finger schneidet, weiß das =- 
im Gebrauch. Bei den Slovaken geht das so weit, daß sie die kleinen 
Kinder nur mit Harn waschen, in Folge dessen diese Rangen eine haar- 
sträubende Gesundheit troß all des Schmuße35, in dem sie leben, haben. 
Natürlich dürfen beide Flüssigkeiten, Speichel wie Harn, nur frisch ver- 
wendet werden. =- Warum in der Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt 
js nah: -=- Hrn. Gautier lade ich ein, lieber Experimente über die Heil- 
kraft des verdünnten Speichels, als über die giftige Wirkung des concen- 
trirten zu machen. Meine Leser aber bitte ich, herzhaft zu ihrer Selbst- 
( ane zu greifen, und wenn sie Erfolge haben, mich davon wissen zu lassen 
1 Nutzen der andern. 
- Bosse und Gymnastik. Hierüber erhalte ich folgende Mittheilung 
von einem Wollenen: „Neulich wohnte ich als Zuschauer Vormittags dem 
Fest des Athletic Klub der in Stuttgart lebenden Engländer bei und be- 
obachtete folgendes: Von den Zweien, welche beim Dauerlauf zuerst er- 
Üdeten, hatte ver eine eine baumwollene Bluse und eine wollene Hose
	        

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