Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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Ihnen bei. meiner Anwesenheit in Stuttgart . vor circa 6 Wochen ge- 
schildert, nicht das mindeste mehr gezeigt hat.“ 
Damit betrachte ich die Heilung als perfekt und halte dafür : der 
Siß der Gemüthskrankheit war =- der Unterro>, das einzige nicht 
wollene Kleidungsstük, das die Frau Doktor noch trug. I< besiße 
ein gewigend großes. Stück des Corpus delieti behufs einer neural- 
analywway Untersuchung dieses Angststoffes. 
xt: Zu der Hinterlassenshaft der Mutter des gleichen 
Ir y eine Matraße =- wer damals darauf schlief, ist nicht ermit- 
6 » Matratze wurde -dem neunjährigen Sohn zugetheilt und kurz 
DAXRS ann boi diesem, der schon Jahre lang völlig reinlich war, 
näht Bettnässen. Der Zusammenhang zwischen dieser Erscheinung 
5 Matraze wurde damals nicht „erkannt =- dazu fehlt es ja in 
d? Hnzipien der modernen Krankheitslehre an jedem Anhaltspunkt 
=„d35 Uebel dauerte troß aller Kunsthilfe Jahr und Tag fort, bis 
mein», Veröffentlihungen über das Wollregime und eigene Erfahrungen 
dam meine: Gewährsmann Verdacht schöpfen ließen. Er ordnete 
an, daß die Matraße mit der der eilfjährigen Tochter vertauscht wurde. 
Am dritten Tage stellte sich bei lezterer Bettnässen ein, das so lange 
vor'ost, bis die Matraße wieder beseitigt wurde, dann aber sofort 
a! %ei dem Knaben verschwand das Uebel zwar auch, aber = 
da » langy gedauert hatte, nicht plößlich. 
; 4 Die Schwägerin meines Gewährsmanns litt an habi- 
tuell“ eder Behandlung troßendem Kopfshmerz. Auf den Rath des 
letztere: gieng ste zum Wollregime über und wurde geheilt. Nicht 
lange darnach stellte sich bei der jüngeren Schwester derjelben, die bis 
dahim nichts dergleichen verspürt hatte, das gleiche Kopfübel ein und 
bei näherer Nachfrage ergab sich, daß sie einige halbwollene Kleider 
ihrer kranken Schwester zum „Abtragen“ übernommen hatte. Nach 
Beseitigung derselben war auch das Kopfübel wieder verschwunden. 
Zum Scluß noch drei instruktive Fälle aus eigener Beobachtung : 
1. Fall. Die Leser der Beilagen zum Familienblatt erinnern sich 
vielleicht noch, wie ich dazu kam, das wollene Taschentuch zu accep- 
tiven. Für die neuen Leser will ich es kurz wiederholen. Der Ka- 
tarrh, den mir im Anfang dieses- Jahres meine Studierzimmerluft er- 
zeugte, war in Folge absichtlicher Vernachlässigung resp. Maltrai- 
tirung äußerst hartnäckig geworden und erstreckte sich. über Nasen-, 
Rachen- und Kehlkopfschleimhaut. Mehrere gewöhnliche Katarrhmittel 
jchlugen fehl. Endlich fiel mein Verdacht auf das leinene Taschentuch, 
als den möglichen Konservator eines katarrherzeugenden Krankheitsstoffes. 
Meine Vermuthung wurde glänzend bestätigt, denn als ich es durch 
ein wollenes Taschentuch ersezte, verschwand der Nasenkatarrh voll- 
ständig und meine Nasensekretion ist bis auf den heutigen Tag fast 
so normal wie bei einem Hunde, d. h. fast Null. Während nun aber 
der Nasenkatarrh schwand, blieb der Katarrh in Rachen und Kehlkopf 
fast unverändert, meine Singstimme nach wie vor ruinirt. Da gieng
	        

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