Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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ordentlich niedergeschlagen und fühlte, daß ich selbst auf dem Wege 
war, gemüthsleidend zu werden, wozu ich Anlage hatte. Da meine Ge- 
sundheit von Kindheit an eine schwankende war, troß sehr ruhiger, ein- 
facher und solider LebenSweise, probirte ich schon seit Jahren im Sommer 
alles mögliche um mich abzuhärten. I< fühlte damals ganz besonders, 
daß ic) mic) an Sonntagen, wo ich einen ganz hellen porösen englischen 
Anzug trug, bedeutend wohler und aufgeweckter befand, al8 an Wochen- 
tageit, wo it im Geschäft genöthigt war, dunkle Sachen zu tragen. 
34 habe miw auch damals häufig gegen meine Umgebung geäußert, 
daß ich immer nur helle Kleider tragen würde, wenn es meine Ver- 
hältnisse gestatteten, denn e8 war mir völlig klar, daß helle Farben 
einen äußerst vortheilhaften Eindruck auf mich machten. 
Es ift mir nicht mehr genau bewußt, durc<h welchen Zufall ich 
vor 44/, Jahren auf Ihre Normalkleidung aufmerksam gemacht wurde, 
aber da ich schon seit 8 Jahren über Bekleidung8wesen viel studirt 
hatte (ich trug immer nur ganz poröse Stoffe, die ich mir extra zu 
verschaffen suchte), so kam mir Ihre Normalkleidung sehr erwünscht. 
I< probirte einen Artikel um den andern und fand dieselben außer- 
ordentlich gut und praktisch, so daß ich dieselben nicht nur für meine 
Person, sondern auch für mein Geschäft einführte, womit ich bis heute 
recht gute Resultate erzielte. J< trage mich schon seit 3), Jahren genau 
nach Vorschrift und muß gestehen, daß meine Gesundheit sich seitdem 
bedeutend gebessert hat. J< fühle mich jezt sehr wohl und meine 
Arbeitskraft hat sich bedeutend gehoben.“ 
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Hr. Baumeister H. in S. schreibt: „Nun noch eine kleine 
Mittheilung zum Farbstoffregime: Ein Kammerherr vom hiesigen Hofe 
hat im vorigen Herbst einen braunen wollenen Stoff aus Griechenland 
mitgebracht, der dort in den Klöstern von den Mönchen auf dem bloßen 
Leib getragen wird und nach der Aussage der letzteren im Sommer 
fühl und im Winter warm halten soll. Der betreffende Herr ließ sich 
davon einen ganz elegant aussehenden Anzug machen, aber ob er von 
den 6:rühmten Vorzügen bei seiner Unterkleidung aus Leinwand und 
Baumwolle noch etwas verspürt, weiß ich nicht.“ --- Das ist jedenfalls 
ein naturbrauner Stoff, wahrscheinlich aus Ziegenwolle oder Kameel- 
haaren. J< habe bereits Schritte gethan, um Stoffe aus Kameelhaar 
zu erhalten. J< behalte mir vor, später auf das „kameelhärene Ge- 
wand der Büßer und ASceten“ zurückzukommen, denn es scheint mir 
in demselben eine Kraft zu steen, die im Stande ist, den Menschen 
zum „Kameel“ zu machen, d. h. ihm die Fähigkeit zu geben, die größten 
Strapazen und Entbehrungen zu ertragen. Das muß probirt werden! 
Jäger. 
I. 
Hr. Nils L. aus Lund schreibt: „Meine älteste Schwester (25 J., 
Lehrerin), die seit Dezember v. J. in der Wolle stet, trug bis Mitte
	        

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