Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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In der frohen Zuversicht, von Ihnen freundlichen Rath zu er- 
fahren, zeichnet mit der größten Hochachtung. JEP: 
Ich schrieb der Dame, das Kind einige Wochen gar nicht zu 
baden, sondern blos, soweit als es die Reinhaltung erfordere, lauwarm 
zu waschen und mir dann wieder zu berichten. 
Am 29. Juni erhielt ich folgenden Bericht : 
„Indem ich Ihnen herzlichen Dank sage für die Güte, mit welcher 
Sie meine in meinem ersten Briefe ausgesprochene Bitte so schnell er- 
füllt haben, erlaube ich mir, heute Ihnen weitere Mittheilungen zu 
machen. Schon 2 Wochen vor Absendung des ersten Briefes hatte ich 
das Baden des Kindes eingestellt und ist dasselbe jekt während eines 
Monats nicht gebadet worden. Seit 1. Juni bewohnen wir luftige, 
in einem großen Park gelegene Zimmer und sind mit dem Knaben 
täglih vom Morgen bis zum Abend im Freien, was seinen Körper 
sichtlich gefräftigt hat. Sein Zustand ist jeht ein ganz und gar. nor- 
maler; er ist gewachsen und sieht gesund aus, ist aber am Körper 
nicht so di>, wie wohl die meisten Kinder in diesem Alter zu sein pflegen . 
(Diese Die der „meisten“, d. h. nicht wollenen Kinder ist ungesunder 
„Schwamm“, die wollenen Kinder sind und sollen sein „mager und 
gesund wie ein Jagdhund“. Jäger.) Doch das ist ja ganz ohne 
Bedeutung, sobald das Kind sonst kräftig ist, was ich von unserem 
Knaben wohl behaupten darf. Er ist jeht gerade 8 Monate alt. 
I< mödte so sehr gern an dem Kinde das Wollregime voll- 
ständig durchführen, weil ich mir die größten Erfolge davon verspreche, 
habe aber hier viele entgegengesetzte Ansichten zu bekämpfen. Soweit 
ich nun selbst eine ganz feste Ueberzeugung von den Vortheilen meiner 
Handlungsweise habe, wird es mir ja gar nicht schwer, troß aller 
Entgegnungen meiner eigenen Einsicht zu folgen, wie ich dies biSher 
mit Wollkleidung und Bett des Kindes gethan habe. 
Etwas Anderes ist es mit dem Baden, desser Vor- oder Nah- 
theile mir in Verbindung mit dem Wollregime durc<aus nicht klar 
sind, ebenso wie das Wickeln in feuchte warme Windeln. Hier ist 
behauptet worden, daß Wollene überhaupt vom massen Wiceln und 
öfteren Baden absehen, ja das Baden im Meere ganz unterlassen 
müßten. (Daß das ganz falsch ist, geht aus den früheren Nummern 
hervor. Jäger.) 
Vorzeihen Sie daher gütigst, geehrter Herr Professor, wenn ich 
Sie noch ein Mal mit Fragen belästige, deren Beantwortung mir 
vazu verhelfen soll, nicht allein meinen Gegnern gegenüber richtige 
Beweisgründe anführen zu können, sondern, was mir am meisten am 
Herzen liegt, meinem Kinde auch wirklich die naturgemäßeste körperliche 
und geistige Erziehung geben zu können. 
4) Darf das Kind im gesunden Zustand auch mehr als ein Mal 
wöchentlich baden? 
2) Jst es nothwendig, das Kind, wenn es ganz gesund ist, nach 
vem Baden in eine feuchte, warme Windel zu wickeln, wie lange
	        

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