Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

Der: BliF ist viel freier, während vorher immer ein Druck: auf den Augen lag 
und der Blik umnebelt war. Die Verdauungsorgane vollziehen ihre Thätigkeit 
wieder regelmäßig , während vorher die Entleerung nur mit Pillen bewerkstelligt 
werden konnte; der Magen kann wieder alle Speisen und Getränke aufnehmet. 
Ein Uebelstand ist jedoch noch nicht beseitigt und über diesen möchte ich um-Ihren 
gütigen Raty bitten, nämlich das einseitige Schwiten auf der rechten Seite, 
namentlich an Kopf und Oberkörper und das Singen im linken Ohr. Das ein- 
seitige Schwitzen ist eine sehr merkwürdige Erscheinung, die schon manchen Arzt 
in Erstaunen sekte, allein keiner konnte mir über die Entstehung Auskunft geben. 
An den Füßen ist es umgekehrt, da sc<wißt der linke Fuß viel stärker als der 
rechte. Bei der geringsten Erhizung perlt auf der einen Seite rer Sc<weiß, 
während die andere tro>en bleibt.“ Anmerkung des HerauSsgeber8: Die 
Ursache ist sicher ein Duftstoff, denn mir ist jemand bekannt, der halbseitig schwitzt, 
wenn jemand neben ihm Salat ißt, ferner führen die Homöopathen mehrere 
Arzneistoffe auf, welche halbseitigen Schweiß erzeugen, z. B. Lulsatilla (Küchen- 
sjchelle). Nachschrift: Ueber einen soeben avisirten Rückfall des Patienten werde 
ich später berichten. 
Zeistungsfähigkeitf Wolkener: Auf der am 9. Oktober stattgefundenen Zu- 
jammenkunft Wollener im Lammwirthshaus auf dem Kniebis bei Freudenstadt 
erschienen zwei Stuttgarter woliene (Kymnasiasten (Primaner), die den ganzen 
Weg -- circa 93 Kilometer! =- in 21 Stunden zu Fuß zurückgelegt hatten. Sie 
marschirten die Nacht durch und schliefen einmal eine halbe Stunde lang im ein- 
fachen Anzug im Gras am Weg, der Boden war naß, die Nacht kalt. Geschadet 
hat es keinem , sie waren den ganzen Tag trotz der durc<hmarschirten Nacht so 
munter wie die Übrigen Theilnehmer, die gefahren kamen. Zu bemerken ist, daß 
sie nicht, wie man sagt, „eingelaufene“ Leute sind, sie gehen für gewöhnlich nicht 
mehr als andere Menschenkinder auch. 
Zur Zähmungslehre. Brief an den Herausgeber : „Mit größtem Interesse 
habe ich Jyr Buch „Entde>ung der Seele“ gelesen. Wenn ich beim ersten Durch- 
lesen auc) noch nicht alles verstanden, so ist mir doch vieles klar geworden und 
ich wage mich jet schon einen begeisterten Anhänger Ihrer bahnbrechenden Lehre 
zu. nennen. Zu dem Kapitel „Verwitterung“ habe ich diesen Sommer einen Fall 
erlebt, den ich Ihnen nicht vorenthalten mag: 
Mein Freund L., Nittergut5besizer in B. bei Goldberg, kaufte vom Post- 
sekretär N. in Goldberg einen Jagdhund, derselbe war von letzterem aufgezogen 
und sehr gut gehalten worden. Als der Hund auf dem Gute angekommen, wurde 
er in der Stube gehalten, in welcher wir =- Herr L., dann ein Freund des Be- 
sibers und ich =- uns aufzuhalten pflegten. Als Hundeliebhaber versäumten wir 
alle drei nicht, denselben zu liebkosen und dadurch an uns zu gewöhnen. Dies 
gelang uns auf gleiche Weise. Nach einer Woche versuchten wir den Hund mit 
auf die Entenjagd zu nehmen, allein spornstreichs eilte er nach Goldberg zum 
früheren Herrn, Als er andern Tages wieder gebracht worden war, empfahl ich, 
dur< Jhr Buch belehrt, Herrn L., ihm seinen Schoßduft um die Nase zu streichen. 
Herr L, that dies auch Abend3 vor dem zu. Bette gehen und die Wirkung war 
überraschend. Der Hund ging den folgenden Tag nicht mehr von der Seite 
seines Herrn und alle Versuche, den Hund an uns zu lo>ken, waren vergeblich ; 
aber no< mehr: Wir gingen selbigen Tags noc< nach Goldberg, besuchten mit 
dem Hund dessen früheren Herrn, welcher nun ebenfalls versuchte, den Hund an 
fich zu lo>ken -- alles vergebens, ohne Widerspruch folgte er seinem neuen Herrn.“ 
Zur Lehre vom Pflanzentrieb : Diejenigen, welche sich für meine Lehre 
von der „Seele der Landwirthschaft“ interessiren, benachrichtige ich vor- 
läufig, daß ein Vegetationsversuch mit Kartoffeln und Mist von fünferlei Thieren 
beendet und vollkommen bestätigend für meine Lehre sowohl nac<h der Richtung 
des Ertrags als der Shmadhaftigkeit aus8gefallen ist. J<h behalte mir .vor, so- 
bald es der Raum erlaubt, das Nähere mitzutheilen, denn es muß im Interesse 
der neuen Mitglieder meines Leserkreises, die meine Lehre noch nicht kennen, eine 
furze AuSeinandersezung derselben im Blatt vorausgehen.
	        

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