Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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wenn gich die Energie der ersteren nun auf alle vertheilt, 80 entsteht ein 
allgemeines Distanzirungs- oder Diffugionsbestreben. Be- 
finden Sich nun die betreffenden Lögungen in einem von flüchtigen Stoffen 
80 leicht penetrirbaren Gefäss, wie der Körper eines Lebewesens, 80 muss 
der Effekt der homöopathischen Arznei eine Deskonzentration, also 
Heilwirkung gein. 
Einer meiner Schüler, Herr Studiosus Naser, hat mit Thonzellen 
einige Versuche in dieser Richtung angestellt, allerdings mit negativem, 
d. h. durch die Wage nicht zu konstatirendem Erfolg. Allein es traten 
hiebei doch 80 eigenthümliche Erscheinungen auf, dass ich den Misgerfolg 
auf Rechnung der Rohheit des Verguches, d. h. der relativ ausserordentlich 
geringen Kontaktfläche und des relativ ungewöhnlich grosgen Diffusions- 
widerstandes der Thonzellen im Vergleich zu den Kapillaren des Körpers 
und der thierischen Membran überhaupt getzen zu müssen glaube, und 
überzeugt bin, man werde mit feineren Hilfsmitteln pogitive Regultate 
erlangen können. 
Die allopathische Lehre, dass „Viel viel wirkt, und Wenig wenig“, 
ist nur richtig, wenn es ich bei Heilung von Krankheit um chemische 
Bindung oder Zersetzung eines Krankheitsstoffes handelt; dass es 
Solehe Fälle gibt, z. B. Sänretilgung im Magen, ist zweifellos, allein in 
weitaus den meisten Krankheitsfällen ist diese chemische 
Therapie gar nicht ausführbar, 1) weil man es meist mit Stoffeu 
zu thun hat, welche gehr wenig Neigung besitzen, Sich chemisch zu ver- 
binden, 2) weil man bei Anwendung von zerstörend wirkenden Chemikalen 
zu leicht mit dem Krankheitsstoff auch die Gesundheitsstoffe todtschlägt. 
Die Therapie hat also in den meisten Fällen die Aufgabe, physikalisch 
zu: wirken, d. h. die Molekularenergie zu heben: Hier ist der Satz, 
„dass viel Stoff auch viel wirkt“, ein physikalischer Nonsens: wenn man 
zu träg Sich bewegenden Molekülen Solche mischt, die Sich ebenfalls träg 
bewegen, wie die konzentrirter Arzneistoffe, 80 bleibt alles träg und zu 
der ursprünglichen Krankheit tritt nun eine Arzneikrankheit. Wolle 
man doch nicht vergessen, dass die zwei belebendsten und machtvollsten, 
auch von den Allopathen angewendeten Heilpotenzen, nämlich reine Luft, 
reines Wasser (Wildbad, Gastein), nichts anderes als homöopathische 
Medikamente sind, d. h. Medien mit hochverdünnten Stoffen ! 
Ebenso klar ist das Achnlichkeitsgesetz der Homöopathen 
auf Grund dessen, was wir oben über die Molekularbewegungen in einem 
Lösungsgemische erfuhren. Hier richten Sich die Moleküle jedes Stoffes 
nur nach ihren eigenen Kameraden, d. h. die Molekularanziehung, welche 
das Pendeln der Moleküle unterhält, besteht nur zwischen gleichartigen 
Molekülen, und nichts ist nun natürlicher, als dass durch Zumischung einer 
verdünnten Lösung des einen der im Lösungsgemische enthaltenen Stoffe, 
nur die Diffusionsbewegung dieses einen Stoffes und nicht die der an- 
deren gesteigert wird. 
Wir können uns auch 8ehr gut denken, dass eine ähnliche Beziehung 
nicht blos zwischen den Molekülen des gleichen Stoffes, 8ondern auch 
zwischen den Molekülen ähnlicher Stoffe besteht, z. B. wenn wir einem 
Lösungsgemische von Salzen und ätherischen Oclen eine homöopathische 
Verdünnung irgend eines anderen ätherischen Oeles beimischen, 80 steigt 
nur die Verdampfungsgeschwindigkeit des ätherischen Oeles und nicht auch 
die des Salzes, 
-  Selbstverständlich erfordert auch diese These die Erhärtung durch 
das Experiment und zwar 80wohl durch physiologische, wie durch physi- 
Kkalische auserhalb des Körpers angestellte, und ich empfehle die Vor- 
hm Solcher allen denen, welche entweder den Trieb oder die amtliche 
"erpflichtung zur Ermittlung der Wahrheit in diesen Dingen haben. 
Druck von W. KOHLHAMMER in Stuttgart.
	        

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