Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1882, Bd. 1, H. 1/12)

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Die desodorisirende Wirkung der Lampe erstreckt sich aber noch 
weiter, nämlich auch auf die festen Ausleerungen, ihr Geruch ist viel 
weniger beleidigend, freier von eigentlichen Fäulnißgasen wie Butter- 
säure und Schwefelwasserstoff, und endlich hat sich bei mir durch die 
Wirkugg, der Lampe die Stulentleerung53zeit ganz auffallend 
very zn. Seit vielen Jahren fiel sie regelmäßig auf die Zeit 
zwis«, + 1,40 Uhr Vormittags, jetzt stellt sich das Bedürfniß erst 
Abends zwischen 4 und 6 Uhr ein, die Ausleerung selbst ist in jeder Be- 
ziehung normaler als früher, und irgend eine nachtheilige Wirkung dieses 
längeren Verweilens im Körper ist in keiner Weise zu Tage getreten. 
Diese Verschiebung der Ausleerungszeit ist außerordentlich bestäti- 
gend für meine Lehre von den Gemeingefühlen, daß sie alle sammt 
und sonders durc< Riechstoffe erzeugt werden. Das Stuhlentleerungs- 
bedürfniß ist ein Gemeingefühl, allerdings verbunden mit örtliher Em- 
pfindung, genau F9 wie das entgegengesetzte, der Hunger, und sein Er- 
zeuger ist der Kothduft. Sobald er eine gewisse Concentration er- 
langt, entsteht das Bedürfniß. Die Lampe verringert nun durch ihre 
Niechstoffzerstörung diese Concentration. Bekanntlich kommt es sehr 
häufig vor, daß bei Reisen, Fußtouren und sonstigen Luftverände- 
rungen die Stuhlentleerung einen, selbst mehrere Tage ausbleibt; das 
hat den gleichen Grund: die Verstärkung der Hautausdünstung in der 
ungewohnten Lft verhindert die nöthige Concentration des Kothduftes. 
„enn wir bedenken, von welch eminenter Bedeutung für die Ge- 
sundheit die riehbaren Darmgase sind und ferner bedenken, daß bei 
dem normal gesunden wilden Thier nie Darmwinde abgehen, daß also 
die Darmwinde beim Menschen etwas abnormes sind, so sind obige 
Resultate von höchster Wichtigkeit. 
Soweit wäre die Sache gut, aber die Lampe hat eine nicht 
zu untershäßzende Schattenseite. 
Gleich anfangs wurde ich von einem homöopathischen Arzte dar- 
auf aufmerksam gemacht, daß winzige Mengen von Platin verdampfen 
und „Platinkopfweh“, d. h. ziehendes Kopfweh in den Kopfseiten und 
Cingenommensein des Kopfes eintreten werde. Mehrere Wochen lang 
bemerkte nur eines von uns leichtes Benommensein des Kopfes, endlich 
in der siebenten Woche trat die vorhergesagte Erscheinung bei mir und 
noh einigen andern mit aller Deutlichkeit ein und es bedurfte mehr- 
tägiges Aussetßen, bis es wieder verschwand. 
Dieß legt leider der Anwendung eine gewisse Beschränkung auf. 
Es wird Personen geben, welche die Sache nicht ertragen können und 
auch der weniger Empfindlihe mache nur dann und da Gebrauch, 
wo er sich auf keine andere Weise frische Luft verschaffen 
kann und au hier nicht zu anhaltend; er lösche die Lampe, sobald er 
im Kopfe etwas spürt. Troßdem rathe ich dem Leser dringend zu Ver- 
suchen, er wird sich sehr viele Vortheile mit der Lampe verschaffen können. 
So wenig gefaßt ich auf die soeben geschilderte positive Lei- 
stung der Platinlampe war, ebenso frappirte mich der negative Er-
	        

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