Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

114 
hatte, =- alles ist jezt fern von mir, selbst die uralten harten von 
hundert Halsentzündungen datirenden Hals8drüsen sind schon viel kleiner 
und beim Druck viel sc<hmerzloser -- troßdem ich, wie oben gesagt, 
ohne Ueberro>, ohne Halsshawl 2c. gehe. Wenn es gerade die Natur- 
forscher, also Fachleute gewesen, die den Jäger mit sammt seinem Vortrag 
gelegentlih der Naturforsherversammlung dur< „Schluß! Scluß!“- 
Rufe zum Schweigen gebracht haben, so machen die Meinungen von 
hunderttausend Naturforshern über ein ihnen noch total fremdes Thema 
auf mich wenig Eindru>; = wer war es, der die grundlegende Doktrin 
von unserer Blutkreislaufs-Lehre todtgetreten, ihren Entdeker, Harvey, 
durc< Spott und Hohn dem Hunger überliefert und seine Schöpfung 
erst 450 Jahre nach dessen Tode hat aufkommen lassen? Es waren 
dies ausschließlih Fachleute! Auch die Gescheitesten sind eben so 
„Zelehrt“, daß sie etwas, was sie biSher kaum dem Namen nach ge- 
hört, eben so wenig fassen können, wie ein Neugeborenes die Apokalypse 
Johannis. Was ich aber immer an Kritiken über Jäger's Wollsystem 
gelesen, =- das war ungerechtfertigter Spott, der bekanntlich sehr billig 
ist, oder fadenscheiniger Unsinn -- und das selbst von Leuten wie 
Dr. Niemeyer, von dem ich, weiß Gott, Besseres erwartet habe, als 
einen solc< kolossalen Salbader. J< will ins Detail hier nicht ein- 
gehen, aber -- ich kenne mehrere Woll-Onkel, darunter 3. B. hier einen 
jehr intelligenten Offizier. Wer in seiner Gegenwart gegen die Wolle 
(der er seine Gesundheit nach jahrelangen Beschwerden verdankt) Kritik 
übt, dem gibt er nur höhnisch verächtliche Blie, =- aber keine Antwort, 
weil er aus der Praxis spricht =- wie ich: ih habe mich mein Lebtag 
nicht so wohl gefühlt im Sommer und Winter, wie jekt in der Wolle; 
die Wolle reizt = Jäger hat re<ht =- thatsächlich die Haut, diese wird 
blutdur<strömt, daher die inneren Organe blutentlastet =- daher dies 
Wohlgefühl , die größere Leistungsfähigkeit der Wollenen, während die 
Leinwand-Menschen eine leichenblasse Haut haben, weil die Leinwand 
als relativ zu guter Wärmeleiter das Blut von der Oberfläche des 
Körpers, der Haut, nach den inneren Organen treibt, diese überlastet 
und demgemäß den Menschen leistungsunfähiger, zur Krankheit geneigter, 
kränker macht. DeShalb bekömmt ihnen ja auch das kalte Bad so gut. 
Es wirkt reizend auf die Haut, diese wird krebsroth, entlastet also 
vorübergehend die inneren Organe ihres, durch die ungehörige Leinwand- 
bekleidung verursachten Blutüberschusses. Der Wollene bedarf gar keines 
kalten Bades. Bei andauernden Tagesmärschen wurde ich zwei bis 
dreimal durch und durc<hgeregnet und ließ mich grundsäßlich in meiner 
(Woll-) Kleidung wieder am Leibe troFen werden -- ohne jeglichen 
Schaden. Den mich begleitenden Freund, ein „Wollener“ wie ich, 
hätte die Tour unter anderen Umständen sicher das Leben gefostet. 
Wenn dann Jäger seine Lehre zugleich geschäftlich betreibt, =- nun: 
Hufeland hat vor 50 Jahren s<hon die Grundidee des Wollregimes in 
Büchern vorgetragen -- in Büchern stecken bei uns Deutschen die 
wunderbarsten Dinge! Jäger sekt, klüger, seine Person ein für seine
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.