Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

“Mil, 
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Berliner Vorträge und ihr Zwe> angekündigt sind. . Vor meinem ersten 
Vortrag erklärte Herr Kaufmann Mün<hoff aus Charlottenburg, 
der jeßhige Vorsikende des in Folge meiner Vorträge gegründeten Jäge- 
rianer-Vereins, daß ich nach dem Vortrage und einer kleinen Pause 
zu Discussionen bereit sei. Am Schlusse des Vortrags wurde auf einen 
Ruf aus dem Publikum heraus nach Discussion diese auch von mir 
nach der Pause zugesagt, und begann dieselbe auch nach etwa */, Stunde, 
wurde im Vortragssaale mindestens 4 */, Stunde lang geführt und später 
in einem anderen Locale in engerem Kreise bis */,4 Uhr Morgens 
fortgeseßt. Herr Niemeyer war weder im Vortrag, noch bei der DiS- 
cussion erschienen; ebensowenig erschien derselbe beim 2. Vortrage, nach 
welchem ich die Beantwortung schriftlicher Anfragen in gleicher Weise 
wie in Leipzig dur< wohl 2 Stunden fortseßte. 
Diese Thatsachen berechtigen mich zu dem Ausdru>: Herr Nie- 
meyer habe sich verkrohen, und berechtigen mich jeht zu dem Ausspruch, 
daß Herr Niemeyer zu seinen früheren Unwahrheiten zwei neue gesellt 
hat: 4) mit der Behauptung, ich habe in Berlin die Discussion ab- 
gelehnt; 2) mit der, er habe von meinen Vorträgen nur zufällig durch 
die Plakatsäulen erfahren. 
Für seine fortgesezten Versuche, die Widerlegung meiner Be- 
kleidungslehre durh Verdächtigung und Beschimpfung meiner Person 
zu umgehen, wird der genannte Herr jeht, nachdem das Maaß über- 
schritten, mir vor Gericht Rede zu stehen haben. 
Horhachtmigsvollft Prof. Dr. Jäger.“ 
Lettere Androhung hätte ich unterlassen, wenn ich vor Absendung 
des obigen die nachstehende in der Leipziger Bürgerzeitung vom 
49. April enthaltene Einsendung zu Gesicht bekommen hätte: 
Anstand akademisch gebildeter Männer. (Niemeyer contra 
Jäger.) In der Sonntagsnummer des „Leipziger Tageblatts“ vom 15. April, 
5. Beilage, ist ein Brief des bekannten populär-medizinischen Scriftstellers Paul 
Niemeyer aus Berlin abgedruckt, dessen beleidigende Aeußerungen dem Karlsruher 
Professor Jäger gelten sollten. Der Ton, in dem der Schluß des Briefes ge- 
halten ist, ähnelt so sehr dem, den das „Tageblatt“ gegen politisch Anderödenkende 
anschlägt, daß man vermuthen muß, Niemeyer gehöre zu den ständigen Mit- 
arbeitern des „Tageblatte3“. Wohin soll es kommen, wenn Männer der Wissen- 
schaft sich gegenseitig mit Koth bewerfen ? Denn wie soll man es anders nennen, 
wenn Niemeyer von einem Manne der Wissenschaft, der =- das werden selbst die 
anständigen Gegner Jägers zugeben -- sicherlich das-Beste, wenn auch vielleicht 
theilweise irrend, erstrebt, so verächtlich wie „dieser Mensch“ u. s. w. zu reden 
wagt? Wie gering aber muß die Achtung vor der Redaktion des „Leipziger 
Tageblatt3“ sein, wenn er ihr einen alle Grenzen des wissenschaftlichen und jour- 
nalistischen Anstandes weit überschreitenden Brief zum AbdruF übersendet! Wir 
sind fest überzeugt, 95 Prozent aller Redaktionen würden einem in solchem -- 
Tone gehaltenen Brief ihre Spalten nicht geöffnet haben. Wir sind weit ent- 
fernt davon, die scharfen, provocirenden Aeußerungen Jäger's gut zu heißen; 
noh viel, weniger aber kann das der Fall sein bei den unqualisicirbaren Aus- 
drücken Niemeyer's. Wenn Herr Niemeyer seinen, den Jäger'schen Beobachtungen 
und daraus gezogenen Schlüssen gegenüberstehenden Auffassungen durch Schimpfen 
zum Siege verhelfen will, dann hat er offenbar sehr geringes Vertrauen zu der
	        

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