Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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Herrn Pfarrer und die Andacht stören ? Erschre>t nicht; es ist nicht so 
grausam, al3 es sich anhört. Die lieben Kleinen werden nämlich in den 
Schnee vergraben. Und das geht so zu. Wenn die Familie zu der kleinen 
hölzernen Kirche gekommen und das Rennthier untergebracht ist, so macht 
ver Papa ein niedliches kleines Bettchen =- in den Schnee; nun wicelt 
die Mama ihr Kindlein ganz in Pelzfelle ein und legt es hinein in das 
Schneebetthen. Dann schichtet aber der Papa erst noch den Schnee rings- 
umher auf, und als Wächter läßt er bei dem Kleinen den treuen Hund. 
So liegen oft 20--30 Säuglinge herum im Schneebetthen; und noch nie 
hat man gehört, daß irgend eines kalt gehabt hätte. Die lieben Kleinen sind 
freilich, wie die Haut im Rauche, an solche rauhe Luftverhältnisse gewöhnt. 
Was würden unsere zarten, verzärtelten Kinder zu solchen „Schneebettc<hen“ 
sagen ? 
Episepsie- So eben erhielt ih Besuch von einem Moskauer Wolle- 
nen, der mir unter anderem mittheilte, daß ein Knabe, Sohn eines Cdel- 
manns, der an Epilepsie litt und lange vergeblich behandelt wurde, durch 
die Wolle wenn nicht ganz geheilt, so doch bedeutend gebessert sei. Ganz 
genau sei aber dieses nicht zu erfahren, da in Rußland die Furcht vor 
dem sogannten „Beschreien“ der Gesundheit sehr tief wurzle. 
Krankheit ist Gestank. Aus einem Brief des Hrn. St. in D.? 
. +. « „Meine Frau leidet seit 6 Jahren an der Gicht. Berschie- 
vene Bäder haben ihr, verbunden mit Massage, von Zeit zu Zeit Erleich- 
terung verschafft. Jebt befindet sie sich seit 7 Monaten in der Wolle. 
Krisen verschiedener Art hat sie bis jeht durc<zumachen gehabt. Zuerst 
zeigte sich stinkender Urin, dann stank ihre Ausdünstung immer wie 
Harn, und jeßt ist sie an den Füßen geschwollen (die Füße sind ganz in 
Wolle eingepackt) und hat brennende Schmerzen, welche anfangen nach- 
zulassen.“ 
Jieber und Wolke. In dem „Lehrbuch der Geschichte der alten Welt 
für höhere Schulen von E. Döring, 11. Theil, Frankfurt a. M. bei Moriz 
Diesterweg 1881, enthaltend die Geschichte der Römer, ist Seite 6 von 
den Bewohnern des alten Latiums gesagt: „daß sie sich gegen die dortige 
Fieberluft (heutzutage aria cattiva genannt) zu schüßen wußten durc< das 
Tragen von Thiervliceßen und schweren Wollstoffen und das 
beständig auf vem Herd lovernde Feuer.“ In welchem alten Schriftsteller 
diese Notiz zu finden ist, wird durch eine Anfrage beim Verfasser durch 
ven Verleger leicht zu ermitteln sein. Mir selbst ist dieß unbekannt. 
Beinbekseidung- J<h kann Sie auf ein geradezu drastisches Mittel 
hinweisen, die Leute von der größeren Schönheit der von Jhnen vorge- 
schlagenen und vorgetragenen Beinkleiderform der bisherigen gegenüber zu 
überzeugen: es ist dieß ein Blik auf die in jedem Schulhaus hängende 
deutsche Kaisertafel (bei Georg Wiegand in Leipzig)! Daselbst haben alle 
Kaiserfiguren (außer etwa 6 mit bis auf die Füße hängendem Gewande) 
die der Beinform entsprechende Beinbekleidung bis auf Kaiser Wilhelm. 
Dieser ist die einzige fgura bracata auf der Tafel und, wie Jedermann 
sich al8bald überzeugen wird, ist der ästhetische Vorzug nicht auf Seiten 
seiner Beinbekleidung. Prof. H. in RP. 
Seele. Gestatten Sie mir einen aphoristischen Gedanken: Wenn 
es nun doch einmal wahr ist, daß das Leben nichts anderes ist als ein
	        

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