Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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auc< mancher von diejen noch nach Verlauf einer längeren Uebergangs- 
zeit den Schritt zum ganzen Wollregime mit Erfolg machen, da eine 
jc<leichende Heilung vorläufig nicht ausgeschlossen werden kann. 
Jäger. 
Cine Dame über Herrenkleidung. 
Aus The Cape Times vom 18. Juni 1883. 
Eine Dame schreibt an die Times: „Mein Herr! Männer haben 
ihre NedenSarten über weibliche Kleidung und entscheiden als Autoritäten, 
was eine rationelle Kleidung ist, was nicht; wollen Sie einer Dame 
erlauben darzulegen, daß das Kostüm der Männer keine8wegs perfekt 
ist und noch viele Verbesserungen zuläßt in Bezug auf Gesundheit, 
Bequemlichkeit und Gefälligkeit. Es ist etwas schwierig, meine Be- 
hauptung in Bezug auf den ersten Punkt zu beweisen; Aerzte aber 
werden bezeugen, daß in letzter Zeit eine große Zunahme von Leber- 
und Nieronkrankheiten bei jungen Leuten war, von anderen delikateren 
Partien nicht zu reden. Die Schuld davon liegt, wie ich glaube, an 
der Mode, welche sich auf schmale, ausgeschnittene Röcke geworfen, die 
die Lenden und den Magen unbedeckt lassen; erstere haben nur die 
dichtanliegende und oft dünne Hose. Aeltere Männer leiden oft an 
Erkältung, die sie vom Sitzen auf feuchten Plätzen oder kalten Steinen 
bekommen, während eine Frau durch ihre voluminösere Kleidung davor 
geschüßt bleiben würde. Dic Thorheit des offenen Rockes und der 
offenen Weste, die gerade dort umgeschlagen sind, wo die Brust und 
der Hals Bedeckung brauchen, ist shon mehr allgemein anerkannt. 
Der Gebrauch, im Winter Westen zu tragen, die hoch geschlossen sind, 
und der stets für das Tragen des Bartes angeführte Grund „meinen 
Hals zu beschüßen“ zeigen, daß das Bedürfniß (der Bede>ung) gefühlt 
wird, wenn es auch nicht oft zugestanden wird. Die weit ausgedehnte 
gestärkte Hemdbrust, vielleicht nur mit einem einzigen Knopf zu- 
sammengehalten, ist in jeder Hinsicht lächerlich. Es ist eine Schande 
für die meisten, wenn nicht für alle, die sie tragen, daß sie deren Mangel- 
haftigkeit durch ein warmes Unterwämmschen verbessern, welches doch 
nicht einen durchdringenden Wind oder eine frische Nachtluft abhalten 
kann, die Lungenpartie zu erreichen. Sie ist weder schön an und für 
sich, wird leicht shmutig, braucht häufige Ausbesserung und sitzt selten, 
wie sie sollte. Der steife Halskragen, der das Kinn, die Wangen und 
die Kehle kraßt, ist in jeder Hinsicht unzwe>mäßig. Ein weit ver- 
nünftigeres Tragen war das bis zum Hals geschlossene Kamisol (Wamms), 
das zugleich die Schenkel bedeckte, und das einen Umschlagkragen hatte. 
Wir kommen nun zu dem „verzwicten“ (erueial) Kleidungsstück, das 
de Frauen so sehr zur Nachahmung empfohlen wurde = zu den 
ofen. 
Wenn diese konstruixt wären um den freien Gebrauch der Beine zu 
erlauben, wie kommt es dann, daß die Männer knicker-bockers (Knie-
	        

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