Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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hosen) zum Velocipedfahren, Rudern, Laufen und Klettern (climbing, 
Bergsteigen) tragen. J< hörte einmal einen Herren, der auf einem 
Maskenball in kurzen Hosen und seidenen Strümpfen gewesen, aus- 
rufen: „wie lustig ist es, ohne lange Hosen zu tanzen!“ J< denke sie 
hinderten die freie Bewegung. Der Hauptunterschied zwischen der 
Kleidung des Mannes und der Frau ist die Art der Befestigung. Der 
erstere verwendet Bänder (Hosenträger) und hängt das ganze Gewicht 
an die Schultern, letztere benüßt das Korsett und hängt das Gewicht 
an die Lenden. Tragbänder würden für Frauen nichts taugen, sie 
würden dem zarten Fleisch der Brüste Schmerzen verursachen. Passen 
sie für den Mann? ist es nicht sonderbar, daß bei allen körperlichen 
Uebungen sie weggelassen und durch einen Gürtel erseßt werden? I< 
fann mir viele Unbequemlichkeiten denken, die sie verursachen, aber ich 
besheide mich, die Frage angeregt zu haben. J< habe nichts über 
die Anmuthigkeit des Anzugs der Männer gesagt; Jedermann wird 
mir zugeben, daß er (more ornamental) kleidsamer sein könnte. Nie- 
mand, der je einen älteren dicken Mann ohne Ro> gesehen hat, kann 
sich eines Shauers erwehren bei dem Gedanken an eine dicke alte 
Matrone gekleidet in ein zweitheiliges Kleid (dual garment) mit 
nur einem Streifen um den Bund der siegreichen Hosen, die für den 
Morphologen Werth haben, indem sie den Gang der Entwickelung 
erkennen lassen. Mann und Frau sind verschieden in Bau und Kon- 
stitution. J< bin so einfältig (benighted) um zu meinen, ihre Kleidung 
sollte auch verschieden sein, je nach dem Bedürfniß. Jh könnte einiges 
zur Vertheidigung des Gebrauches (nicht des Mißbrauchs) des verhaßten 
Korsetts sagen; aber ich ziehe vor die Männer zu bitten, ihr eigenes 
Kostüm zu verbessern, ehe sie eine Kleidung bekritteln, die getragen 
wird von einer, die sich immer noh nennt Eine Frau. 
I< danke dem mir dem Namen nach nicht bekannten Einsender 
aus der fernen Kapstadt herzlich für diesen Artikel, der so trefflich 
zu meinen Forderungen für die Herrenkleidung stimmt, daß ich nichts 
dazu zu sagen habe. Jäger. 
Tarbstoffwirkung. 
Unter den Studien über die Wirkung der Farbstoffe auf unsern 
Körper nehmen diejenigen einen hervorragenden Rang ein, welche die 
Homöopathen angestellt haben; allerdings nicht in der Richtung zu 
bestimmen, wie sie von den Kleidern aus wirken, sondern vom 
Magen aus in der Form von Arzneimitteln. 
. Für diejenigen Leser, welche die homöopathische Lehre nicht 
kennen, bemerke ich zur Orientirung Folgendes : 
Jeder Stoff erzeugt, in genügender Menge vershlukt, Krank- 
heit38- oder wenn man will Vergiftungsers<einungen, die 
für jeden besonderen Stoff eigenartig sind und aus einer gewissen 
Konstellation sogenannter Symptome bestehen.
	        

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