Volltext: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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Die Homöopathie lehrt nun: wenn die Krankheit eines Menschen 
aus einem Symptomenkomplex besteht, ähnlich demjenigen, welchen 
ein bestimmter in großer Dosis verschluckter Arzneistoff erzeugt, so 
ist eine homöopathische Verdünnung des leßteren das geeignete Heil- 
mittel. 
Zum Verständniß der Sache gehört weiter die Berücksichtigung 
dessen, was ich shon mehrmals in diesen Blättern, besonders aber in 
der Beilage zu Nr. 11 des vorigen Jahrgangs ausführte, daß näm- 
lic< die Wirkungen eines Stoffes auf den Körper je nach der Menge, 
in der man ihn verschluckt oder einathmet, ganz entgegengesekßt sind, 
nämlich in großer sogenannter giftiger Menge ist die Wirkung lähmend, 
frankmachend, vergiftend ; in sehr kleinen, jogenannten homöopathischen 
Dosen dagegen umgekehrt: belebend, aufregend, heilend. 
Wonden wir uns nun zu der Wirkung der Farben von den 
Kleidern aus, so ist gerade der vorhin angegebene Punkt von größter 
Wichtigkeit, und zwar so: 
Ist der Farbstoff in den Fasern der Kleidung so fest gebunden, 
daß selbst bei Erwärmung durch den Körper nur verschwindende, d. h. 
homöopathische Mengen desselben in die Kleiderluft und von ihr aus 
in die Athmungsluft gelangen, so hat man es in der Regel nur mit 
den Wirkungen der homöopathischen Dosis zu thun, und dann ist die- 
jelbe günstig =- falls nicht eine ganz besondere Empfindlichkeit des 
Individuums (eine sogenannte Jdiosynkrasie) gegen den betreffenden 
Stoff vorliegt. 
Jst dagegen die Farbe nur lose gebunden, eine sogenannte un- 
ächte, abschießende Farbe, oder ist bei einer sonst guten ächten 
Farbe in Folge ungenügender Auswashung nach dem Färbeprozeß 
ein Uebershuß nicht gebundenen Farbestoffs (der sich durch 
Abfärben verräth) vorhanden, so werden die giftigen nachtheiligen 
Wirkungen desselben zu Tage kommen. 
Ein weiterer Punkt ist folgender ; die Verdunstung der Farb- 
stoffe aus den Kleidern hängt hauptsächlich vom Stand der Tempe- 
ratur und der Feuchtigkeit ab, und zwar so, daß in der Kälte und 
bei Trockenheit wenig, in der Wärme und bei Feuchtigkeit viel ver- 
dunstet. Es kann somit ein gefärbtes Gewand im Winter oder bei 
tro>enem Wetter, oder wenn man sich ruhig verhält und die Körper- 
haut fühl ist, indifferent oder sogar angenehm sein, während Gift- 
wirkungen (Unbehagen, *attigzkeit, örtlihe Schmerzen 2c.) eintreten 
im Sommer, in heißen Zimmer bei erhißztem Körper und ganz be- 
sonder8, wenn sich noch feuchte Luft und Schweiß hinzugesellt. 
Aus dem Obigen ergeben sich die shon früher aufgestellten 
Regeln meines Farbstoffregimes von selbst; i<h wiederhole dieselben 
für die neu eingetretenen Leser noh einmal kurz: 
-““ Zu Sommerkleidern, zum Arbeits- d. 9. Alltagsgewand, 
ganz besonders aber zum Sportgewand, dann auch in heißen Klimaten 
verwende man nur ganz ungefärbte Stoffe (naturweiß, naturbraun).
	        

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