Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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Gebrauch; dieser hatte in der leßten Zeit seines Lebens anhaltend an 
kaltem Fieber gelitten. Troßdem die Hemden wiederholt gereinigt worden 
waren, hatte das Fräulein die ganze Zeit hindurch, während sie diese 
Hemden trug, jeden Tag kaltes Fieber, verbunden mit Mattigkeit, Arbeit5- 
unlust und Heimweh, bis sie endlich durch Mittheilungen in meinem Mo»- 
natöblatt den richtigen Verdacht schöpfte; und so war es auch! Sobald sie 
die Hemden ihres Vaters mit einem neuen Wollhemd vertauschte, verschwan- 
den sofort alle Krankheitssymptome und kehrten jedesmal zurück, so oft sie 
wieder zu einem väterlichen Hemd griff. Wie sie sagt, hat sie ven Versuch 
so oft hin und her gemacht, daß kein Zweifel mehr sein kann. Das ist 
ein jhlagender Beweis dafür, daß es sich bei der Sache nicht um da2 
bekannte belebte Fieberferment, also eine Anste>ung, handelt, sondern nur 
um einen Duftstoff. 
Hautschmuß und Krise. Eine „wollene“ Dame theilt mir mit, ihre 
Wollkrisis sei als eine mehrwöcentliche lebhafte Neigung zu Zo rnau3- 
brüchen und eine oft ganz unmotwirte anhaltende Zornstimmung verlaufen, 
und so oft sie sich in dieser Zeit am Leib gewaschen habe (wozu sie oft 
Bedürfniß gehabt), so sei das mit weißer Cssenz vermischte Waschwasser 
ganz schwarz geworden, aber nur beim Waschen der Oberschenkel, während 
an andern Körperstellen diese Ausstoßungen nicht bemerkt wurden. 
Kameelwolle. Hierüber erhalte ich folgenden Brief, d. d. Moskau 
18, Juli 1883. Geehrter Herr Professor! Seit einiger Zeit bin ich in 
der Wolle und befinde mich gut darin. Aus Jhren Schriften ist ersichtlich, 
daß Sie fortfahren, alles, was in den Bereich Jhres Systems gehört, zu 
studiren. Erlauben Sie mir daher Jhnen etwas aus meinen früheren 
Reisen mitzutheilen, das Sie vielleicht interessiren dürfte. 
Die Beduinen und Araber, die ja nur Wolle tragen, sahen stets 
mit stolzer Verachtung auf unsere Burnusse aus Flanell herab, ver- 
höhnten uns öfters mit unserer unpraktischen Bekleidung und zeigten uns 
die ihrigen aus Kameelwolle, behauptend , daß dieselben gegen alle Uebel 
am besten seien, zeigten uns ihre Sehnen und MusSkeln und spotteten der 
unsern. Wenn allerding3 die augenbliliche Kraft nicht zur Sprache kommt, 
sondern die Ausdauer, so sind, wie die Kameele unsern europäischen Haus- 
thieren, so die Beduinen uns himmelweit überlegen. 
Wir blieben natürlich bei unserer Kleidung einmal, weil wir sie schon 
hatten, und das andere Mal, weil uns überhaupt damals so wohl zu Muthe 
war, daß wir nichts anderes bedurften. 
Beim Durchlesen Jhres Buche3 fiel mir nun das schon vor dreißig 
Jahren Erlebte wieder ein und kam mir dabei der Gedanke, ob Sie geehrter 
Herr Professor, nicht irgend eine Nußanwendung machen könnten, und ob 
nicht in der Kameelwolle ein Stoff enthalten sein könnte, der uns besonders 
ausdauernd machen könnte. Wünschen Sie einen Versuch damit zu machen, 
so bin ich herzlich gerne bereit, das Rohmaterial aufzutreiben und Jhnen 
zuzusenden, nur müßten Sie so freundlich sein, mir das Quantum, 
welches Sie benöthigen , mitzutheilen. Soviel ich weiß ist die Kameel- 
wolle ein ziemlich weicher Stoff, der sich zu allem verarbeiten läßt und 
auch, wie die Schafwolle, alle Farben annimmt. 
E53 sollte mich freuen, wenn Jhnen meine Mittheilung angenehm ist, 
und bin ich, wie gesagt, gerne bereit, Jhnen benöthigtes Quantum auf- 
zutreiben. Hochachtung3voll zeichnet HVB;
	        

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