Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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er als Köder verwenden soll, und der antwortet ihm: „Nehmen Sie 
1 Theil Eiweiß, 4 Theile Kohlenhydrat, 4 Theil Fett und ein bißchen 
Salz.“ Ob der wohl den Fuchs. fängt? 
Zum Beweis, wohin diese3 Halbwissen führt, bringe i< das 
Sclußkapitel der Broschüre Paulsen's zum Abdru. 
„Es erübrigt noch kurz die praktische Seite zu berühren, wie die permeable 
Kleidung am besten und zwe>mäßigsten einzurichten und anzuwenden ist, Wie 
schon erwähnt, hat Jäger sich hauptsächlich dieser Frage zugewandt und der 
Lösung näher gerückt. Wenn nun auch die wissenschaftlichen Untersuchungen über 
eine gesundheitsgemäße Kleidung schon seit vielen Jahren, vorzüglich von Petten- 
kofer, Krieger u. A. angestellt worden sind und die Resultate vorlagen, so 
müssen wir do< Jäger das große Verdienst zurechnen, die Sache praktisch ins 
Leben gerufen und dadurch derselben erst den rechten Werth verliehen zu haben. 
Man muß dies rükhaltslos anerkennen, und es wäre in der That zeitgemäß, daß 
nun auch die Kliniker dem Gegenstande näher träten und denselben prüften. 
Jeder hält es für Pflicht, mit pharmazeutischen Mitteln zu experimentiren, wenn 
solche als hülfreich empfohlen worden sind , und alle medicinischen Zeitschriften 
sind voll von Versuchen über diese oder jene Drogue. Aber glaubt man denn, 
daß das Studium einer gesundheit8gemäßen Kleidung von geringerem Werth 
und weniger lohnend ist, als beispiel3weise das Experimentiren mit Pilocarpin, 
Jodoform und andern Arzneimitteln! Jäger hat nun den Gegenstand mit einer 
Theorie verknüpft, der ich mich in keiner Weise anschließen kann und die auch 
wohl kaum jemals allgemein als berechtigt anerkannt werden wird, aber de8- 
halb darf man den guten Kern doch nicht verkennen. Dagegen ist es absolut zu 
mißbilligen, wenn Jäger sich von Laien über durch Wollkleidung bewirkte 
Heilungen berichten läßt, und lettere, die oft den rolljten Unsinn repräsentiren, 
als baare Münze durch seine Monatsschrift dem gläubigen Publikum vorführt. 
Durc< ein jolches Verfahren wird selbstverständlich die Sache bei verständigen 
Leuten diScreditirt.“ 
„Was den besonderen Schnitt und die auffallende Form der Kleidung an- 
langt, wie Jäger sie angiebt, so halte ich diese Abweichung nicht für nöthig, es 
genügt zum Zwek der Perspiration die gebräuchliche Form, wenn man nur 
Sorge trägt für Verwendung reinen Wollstoffes. CGEbenso halte ich die Doppel- 
lagen am Brusttheil des Hemdes für ganz unmotivirt (den alterprobten Brust- 
wärmer auch? Jäger), wie auch das Tragen desselben Stoffes im Sommer und 
Winter. Es liegt absolut kein Grund vor, in warmen und kalten JahreSzeiten 
sih nicht leichter und schwerer Stoffe zu bedienen. Im Uebrigen ist anzuerkennen, 
daß die Qualität der von Jäger patentirten Stoffe meist eine gute ist, doch 
ist ja gute Waare in jeder reellen Handlung zu haben und beruht deßhalb das 
Vorziehen gerade der patentirten Stoffe mehr auf Vorurtheil.“ 
Hiezu bemerke ich folgendes: Wenn Paulsen seine Kollegen 
auffordert, mit der Wollkleidung zu experimentiren, warum geht er 
nicht mit gutem Beispiel voran und prüft meine Experimente über 
die Duftlehre, anstatt mit ein paar geringshäßigen Bemerkungen da- 
rüber hinwegzuschlüpfen ? 
Ferner, welchen Sinn hat die Mißachtung der Laien? hat denn 
vielleicht ein Arzt jemals den Hochmuth soweit getrieben, daß er die 
subjektiven Angaben seiner Patienten für absolut werthlos und tollen 
Unsinn erklärt? Die subjektiven Krankheits8gefühle sind das, was den 
Patienten zum Arzt treibt, und wie hundertemal steht der Arzt einem 
Kranken gegenüber, an dem er objektiv gar kein Krankheitssymptom 
findet, während der Patient bestimmt weiß, daß er krank ist. Das
	        

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