Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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Jäger. Dieser Bericht ist aus mehreren (Gründen interessant: 
1) weil Verfasser desselben die „Grenze des Greisenalters bereits 
überschritten“; 
2) weil er einer der Fälle ist, in welchen die Krankheit, wie ich 
mich ausdrücke, gar nicht im Körper ihren Siß hatte, sondern nur „in 
Kleid und Bett“ und deßhalb sofort mit Kleid» und Bettwechsel ohne 
jede Krise beseitigt war. Patient war Ende August bei mir, und konnte 
ich deßhalb, weil seine Leiden „rein nervö5“, d. h. nicht „anatomisch“ 
waren, sofortige Heilung durch die Wolle in wahrscheinliche Aussicht stellen. 
Und so war es auch: obiger Bericht lief schon nach vier Wochen ein. 
Niemeyer zum leßtkenmal. 
Nach Erfahrungen wie der im Vorstehenden mitgetheilten stimmt es 
einen wehmüthig, wenn man sieht, wie ein Mann, von dem man nach Be- 
ruf und Stellung ovorausseßen könnte, daß er sich an unsere Seite stellen 
werde, so aus der Rolle fällt, wie Sanitätsrath Dr. Paul Niemeyer. 
Ich gestehe, daß ich auf ihn als Mitarbeiter gerechnet hatte und sorgte 
dafür, daß er bei Zeiten von meiner Sache Kenntniß erhielt mit der Ein- 
ladung, sie zu prüfen. 
Er that es nicht nur nicht, sondern beging sogar, wie aus Nr. 9 
de3 vorigen Jahrgangs ersichtlich, den unverzeihlichen Fehler, sich öffentlich 
in Holzminden eine Unwahrheit zu Schulden kommen zu lassen, d. h. 
zu behaupten, er habe sie geprüft und verwerfe sie auf Grund dieser 
Prüfung. Statt nun, auf dieser Unwahrheit durch die dortigen Wollenen 
ertappt, das Versäumte nachzuholen, läßt er den in Nr. 12 wiedergegebenen 
Artikel vom Stapel, in welchem er nichts bessere3 weiß, als Pythagoras 
gegen mich ins Feld zu führen. Als ich in Nr. 9 ihm selbst seine Un- 
wahrheit vorhalte, fertigt er das im Briefkasten des Heft 55 seiner ärzt- 
lichen Sprechstunden damit ab, daß er am Schluß einer Expektoration gegen 
Reclam bemerkt, „daß es ihm überhaupt gleichgiltig fei, wa3 in obscuren 
Blättern über ihn geklatsc<t werde, eine Bemerkung, mit der er gleichzeitig 
die unter Kreuzband aus Stuttgart mit Nr. 9 des Jäger'schen Monats- 
blattes an ihn gelangte Sendung erledige“. 
I< bekam von diesem wohlfeilen Versuch, sich um eine VPflicht- 
versäumniß herumzudrüken, Kenntniß erst, nachdem meine Nr. 12 schon 
gedruckt war. Sofort nach Ausgabe dieser Nummer erhielt "ich von einem 
Wollenen aus Berlin folgende Postkarte? 
„Betreffs der Kleidungsfrage hatte ich als wollener Emp" “fematiker 
schon vor längerer Zeit Gelegenheit, Dr. P. Niemeyers Borurty. ; kennen 
zu lernen. Ob dies tendenziv3 ist, lasse ich dahingestellt. J< bin Anhänger 
seiner Theorie der Körperpflege und. sehe Niemeyer öfter; theile Jhnen aber 
ungeachtet dessen zur Benutzung gerne mit, „daß ex auch mir noch vor 
kurzem zugab, Ihre Kleider (nicht einmal komplete Unterkleidung) an sich 
selbst nicht geprüft zu haben, dies auch nicht für nöthig halte. Jhre Theorie 
von der Durchblutung der Brusthaut sei irrig. Sie kein Physiologe, sondern 
Zoologe“, Jhre letzte Entgegnung hat offenbar „gesessen“. Mix kommt 
Niemeyer vor wie ein Kritiker vor einer Flasche Wein, die er wohl beriecht 
und besieht, aber nicht kostei.“ 
Hierauf möchte ich folgendes bemerken:
	        

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