-- 256 -
speicherung gibt, beweisen ja die Kinderkrankheiten zur Genüge), hervor.
Also steht das in Wolle gebettete Kind einer wollenen Mutter von
Haus aus unter günstigeren Bedingungen als das wollene Kind einer
in Holzfaser gekleideten Mutter. 3) Auch wo obiger Umstand nicht vorhanden,
die Mutter während der ganzen Schwangerschaft in Wolle war,
ist ein öfteres Wundwerden möglich, wenn das Kind zu di> eingewickelt
und das Wohnzimmer nicht ausgiebig gelüftet und desodorisirt
wird. Sicher bieten aber hier die Reglin'schen Mittel eine vortreffliche
Handhabe zur Beseitigung und Verhütung. Unser Kind ist auch in
dem Stü> wollen, daß es seit der Geburt wenigstens Nachts, mit Ausnahme
einer einzigen Nacht, stet8 bei offenem Fenster geschlafen
hat, und zwar ges<hlafen hat; denn es ist durchschnittlich sehr brav.
Manchmal meldet es sich über Nacht gar nicht, manchmal einmal,
selten zweimal, und das erst wieder, seit es zahnt. Das Kindlein gedeiht,
daß jedermann sein Erstaunen bezeugt und daß sein dankbarer
Vater mit Vergnügen andere auf diese Behandlungsweise aufmerksam
macht.
Beric<te Woslener.
1) Sie werden sich nicht wundern, aus der „Venetis des Noordens“,
der feuchten „Grachtenstadt“ einen „Wollbrief“ zu erhalten voll Bestätigungen
Jhres herrlichen Regimes und voll Dank für dasselbe. Wir die
Unterzeichneten sind zwar erst seit Jahresfrist Wollene, aber im Feuer und
Wasser erprobte, und sind durch die Erfahrungen, welche wir gemacht haben,
vielleicht mehr berechtigt, ein Hoheslied der Wolle zu singen, als mancher
fünfjähriger Wollener, der nicht wie wir genöthigt ist, sich täglich wiederholt
vem schroffsten Temperaturwechsel auszuseßen.
Wir sind beide Musiker, er Violinist, ich eine Quinte tiefer Bratschist,
aber troß dieser viersaitigen Beschäftigung keine einseitigen Menschen
und wohl im Stande, über so hochinteressante Fragen, wie Sie sie angeregt
und erörtert haben, nachzudenken.
Die Gründe, welche uns veranlaßten, zum Wollregime überzugehen,
lagen in unserer Berufsbeschäftigung und der durch dieselbe veranlaßten
meist höchst ungesunden Lebensweise. Als Mitglieder der Bilse'schen Kapelle
sind wir in Berlin genöthigt, täglich vier Stunden des Abends in
einer überhißten, durh Tabak und die Ausdünstungen einer erregten Menge
meist verdorbenen Luft zuzubringen, uns physisch und nervö3 bis zum kompletten
Schweißbade aufzuregen und dann nac) Schluß des Konzerts sofort
den Saal zu verlassen, um in obigem Zustande in eine Winters kalte,
im Frühjahr und Herbst feuchtkalte Luft hinauszutreten.
Die Indispositionen, welchen wir als damals Nichtwollene unrettbar
verfielen, erschienen uns zwar natürlich, da wir sie an allen Kollegen beobachteten,
die stete Wiederkehr derselben und die damit notwendigerweise
verbundenen Berufsstörungen jedoch ließen uns auf Mittel sinnen, wie
diesen Uebelständen zu begegnen sei.
Nun hatte ich früher, allerdings unter weit günstigeren Verhältnissen,
stark in VegetarisSmus gearbeitet und denselben als ein nicht zu verachtendes
Mittel gegen Nervosität und Blutüberhißung erprobt. Wir begaben.