Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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muthig und liebenswürdig, aber von durch dasse!be verursachten Schmerzen 
wissen wir nichts. Wir sind stets tapfer auf unserem Posten , spotten in 
unserer Wolle des Windes und der feuchten Kälte, ja unsere brutale Ge- 
sundheit läßt uns sogar manchmal der lieben Kollegen spotten, die jo „ver- 
nünftig" sind, unsere berechtigte Begeisterung für die Wolle „unvernünftig“ 
zu finden. Jtem, die Herren fangen aber doch allmählich an einzusehen, 
daß ein „Fünkchen Wahrheit bei der Sache ist“, welches verständig ent- 
facht, eine Flamme werden könnte, an der sie ihre kälteerstarrten Glieder 
recht bequem würden erwärmen können, wenn sie dazu nicht eben zu „ver- 
nünftig“ wären. 
Um nun ein Resultat aus vem Allem zu ziehen, so ist es dies: Wir 
beide werden die Wolle nicht mehr ablegen. Sie hat sich zu trefflich be- 
währt. Was an uns liegt, ihr Anhänger und Freunde zu verschaffen, soll 
geschehen, wir dürfen das jeht ohne eigene Gewissensbisse und ohne den 
Vorwurf, mit unserer Begeisterung voreilig zu sein. Strapazenreichere und 
zu Wollexperimenten geeignetere Jahre werden für uns wohl kaum kommen. 
Wir sind Ihnen, hochverehrter Professor, zu dem größten Danke 
verpflichtet und Sie müssen schon die Güte haben, diesen herzlihen Dank 
mit gegenwärtigem Schreiben in Empfang zu nehmen. 
Indem wir uns Ihnen auf das Angelegentlichste empfehlen, zeichnen 
wir in hochachtungsvoller Dankbarkeit als Jhre ergebenen 
Amsterdam, 8. Oktober 1883. K. S. W. B. 
2) Es drängt mich, einen Ihrer treuesten Anhänger, Ihnen wieder 
von mir Nachricht zu geben. Jm Dezember vor. J. schrieb ich Jhnen aus- 
führlich über meinen Zustand. Wenn Sie sich dessen nicht mehr erinnern 
können, so thut das nichts zur Sache. Mein Leiden ist mehrjähriger <ron. 
Magenkatarrh. I< schrieb Ihnen, daß die Wolle in den ersten 1!/2 
Jahren -- ich ste>e seit etwa 2*/» Jahren darin -- keine erhebliche Wir- 
kung hervorbrachte nur der Allgemeinzustand sich etwas besserte. Auf eine 
Krisis wartete ich vergebens, indem ich glaubte, bei mir gehe die Heilung 
den Weg ver langsamen sanften Besserung. Das ist nun nicht so, fondern 
ich befinde mich seit Februar in einer, unverkennbaren Krisis, die sich fol- 
gendermaßen äußert: | 
Obgleich früher von sehr schwacher Verdauung mit beständigem 
Magendruck hatte ich doch nie eigentlich Appetitlosigkeit =- im Gegentheil 
manchmal wahren Heißhunger , dessen Befriedigung sich natürlich immer 
bitter rächte. Ohne Reizmittel that der Magen gar nicht seine Schuldig- 
keit, und diese waren hauptsächlich Thee, Kaffee und Cacao. Namentlich 
Thee und Cacao genoß ich sehr gern und sehr häufig. Bier und Wein 
konnte ih gar niht gut vertragen, hatte auch kein Verlangen darnach. 
Dabei genoß ich namentlich Milch, Eier, Breie, gebratenes Fleisc<. Vor 
stark gewürzten Speisen, namentlich Wurst, mußte ich mich sehr hüten. =- 
Seit Februar ist nun gerade das Gegentheil von dem eingetreten. J< 
habe jetzt solche Appetitlosigkeit, daß ich selbst bei starkem Hungergefühl 
nicht essen mag, und nach einigen Bissen bringe ich nichts mehr hinunter, 
außer wenn ich Bier oder Wein trinke, was mir jeht ganz gut behagt. 
Dagegen ist mir Thee, Kaffee und Cacao durchaus widerwärtig, macht mir 
Uebelbefinden. Einen ebenso großen Widerwillen habe ich gegen gekochte 
warme Speisen, dagegen liebe ich Schinken, stark gewürzte Wurst Käse 
u. dergl., kann das aber auch nur in geringem Maß genießen. =- Das 
ist offenbax eine Krisis, die Eh eini so lange anhält, bis die Krank-
	        

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