Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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träger kennen lernen, der nicht an <ronischer Heiserkeit litte! Vorläufig 
nehmen die Spitzen unserer „allopathischen Wissenschaft“ die Erfahrungen, 
wie ich sie Jhnen (und ihm) mitgetheilt , für „mangelhafte Beobachtung“. 
Al5 ob man nicht wüßte, wie die Posten unserer „offiziellen“ materia 
medica erworben werden. Kein „berühmter Kliniker“ ist sich zu gut, um 
irgend eine weit her gekommene Drogue, deren Abstammung er oft nicht 
kennt, mit der sich aber, seinen Quellen zufolge, einmal ein altes Jndianer- 
weib kurirte, sofort an 10--20 Patienten zu probiren. Wird irgend ein 
anständiger Prozentsaß davon post hoc gesund, so wird das Mittel mit 
einem Aufwand von allen möglihen Phrasen durch ein paar Dußend 
Fachblätter gepeitscht, eine Reihe von Monaten mit einigen großen Dosen 
Weisheit und Selbstvertrauen ordinirt, bis es eines schönen Tags mit dem 
Kreuzchen „obsolet“ in dem Kirchhof der „offiziellen Pharmakopöen" bei- 
geseßt wird. Und dennoch wagen diese unfehlbaren Pillenpäpste noch über 
Homöopathie, Sympathie und alle möglichen berechtigten und unberechtigten 
Heilversuche loözuziehen. 
Endlich geht ihnen die Nase auf! Von Herrn H. M. in Hamburg 
erhalte ich folgende Zuschrift: Jn einer jüngst gedruckten Abhandlung des 
Herrn Prof. Dr. Edwin Klebs in Prag: „Zur Bekämpfung der Krank- 
heiten" findet sich wörtlich folgender Passus: 
„“-*-- Als Ausdruck dieser allgemeinen Reaktion des ganzen 
Organismus gegen Krankheitsgifte kann auch wohl das Ekelgefühl auf- 
gefaßt werden, welches viele, mit besonders feinem Geruchösinn begabte 
Menschen bei der Annäherung von Individuen befällt, die mit fieberhaften 
anste>enden Krankheiten behaftet sind. Die feine Nase des alten berühmten 
Arztes Heim, welcher Po>ken, Scharla< und Masern durch den Geruch 
diagnostizirte und unterscheiden konnte, gehört keineSwegs in den Bereich 
des Humbug, vielmehr habe ich öfters bei meinen Schülern ähnliche Fähig- 
keiten, wenn auch vielleicht weniger ausgebildet und kultivirt, kennen gelernt. 
Wenn vielleicht manche meiner Kollegen diesen Hinweis auf bis jett 
nicht greifbare Verschiedenheiten der lebendigen Körpersubstanz als phan- 
tastisch verwerfen oder gar im Gefühl ihrer wissenschaftlichen Weisheit als 
unwissenschaftlich bezeichnen wollten, so könnte ich ihnen mit Hamlet ant- 
worten: 
(Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, 
Als Eure Sculweisheit sich träumen läßt.“ 
Bewußt oder unbewußt konstatirt der Herr Professor damit also eine 
Thatsache, welche von Jhnen seit Jahren «an's Licht gezogen wurde! Sollte 
die autoritative Stellung des Herrn Professor3 ihn nach obigem nicht dazu 
führen, eben in dieser Behauptung ein der Entwickelung fähiges Mittel 
„zur Bekämpfung der Krankheiten“ zu erbliken ? Statt dessen wendet ge- 
nannter Herr sich aber zunächst anderen Hypothesen in seinen weiteren Aus- 
führungen zu mit gänzlicher Außerachtlassung dieser von ihm selbst aus- 
gesprochenen Behauptung. =- J< darf bei dieser Gelegenheit einer von 
mir selbst gemachten (nicht etwa auf Einbildung beruhenden) Crfahrung 
einige Worte widmen. -- Meine 72jährige Mutter sowohl wie ich selbst 
erfreuen sich eines hervorragenden Geruchssinnes, welcher sich wiederholt 
überraschend bewährte. Jm vorigen Jahre wurde eine3 meiner Kinder von 
der Diphtheritis befallen, nac Aussage des HauZarztes in hohem Grade. 
Da3 Kind wurde möglichst gegen die Genossen abgesperrt in einem Zimmer 
unserer Etage gepflegt. Sobald transportfähig, verließ ich jedoch mit meiner
	        

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