Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1883, Bd. 2, H. 1/15)

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Da Dr. Jäger seine Forschungen und Entde>ungen schon seit längerer 
Zeit in bezüglichen Schriften niedergelegt hat, so hätte ich Eingangs sagen 
ollen? „der bekannte Prof. Dr. Jäger“. Zn der That aber hat das große 
Publikum seiner Zeit nur höchst unbestimmte Mittheilungen über die von 
Dr. Jäger ausgegangenen neuen wissenschaftlichen Errungenschaften erhal- 
ten; die allermeisten Berufsschreiber versagten sich eine gründliche Lektüre 
der Jäger' schen Schriften und begnügten sich, dem Publikum einige dem- 
entsprechend dunkle Andeutungen, verbrämt mit schwachen Scherzen =- 
namentlich über die „Riechseele“ = zu bieten. Wer sich besonders decken 
wollte, versicherte noch nebenbei seine Hochachtung für die „geistvollen Aus- 
führungen des gelehrten Verfassers, denen er leider nicht überall hin zu 
folgen vermochte“. 
; Der Wunsc< des hier bereits vorhandenen Anhanges des „Woll- 
regimes“ einerseits und andererseits das Bedürfniß, den Angriffen entgegen- 
zutreten , die kürzlich hier von 1'r. Niemeyer auf die Jäger'sche Theorie 
gemacht worden waren, hatten den Herrn Professor nach Berlin geführt. 
Auch verdient gerügt zu werden, daß eine gewisse Gruppe von Zeitungen 
den Dr. Jäger todtzuschweigen sucht; ihren Lesern gegenüber ist das nicht 
zu rechtfertigen, und scheint hier leider oder für die Jäger'sche Sache „an- 
erkennenderweite“ kein besserer Grund als Rassenhaß vorzuliegen. 
Jedenfalls fand Dr. Jäger hier ein sehr zahlreiches Auditorium und 
den reichsten Beifall. Schon dieser Umstand allein berechtigt wohl, unsern 
Lesern in Kürze den Inhalt der beiden Vorträge wiederzugeben. 
1. Die Normaltleivung. 
Die Gymnastik ist ein uraltes Mittel nicht nur zur Erhöhung der 
Muskelkraft und Körpergewandtheit, sondern auch zur Abhärtung des ganzen 
Körpers. Obgleich dies kaum neuer Beweise bedurfte, hatte es Dr. Jäger 
von Neuem bestätigt, indem er statistisch feststellte, daß die Krankheitsfälle 
der Schulkinder durch Turnunterricht verringert würden und daß die Sterb- 
lichkeit der Soldaten nach der im ersten Dienstjahre gewonnenen Abhärtung 
um 30*/, und nach dem zweiten Dienstjahre um weitere 20%/, abnimmt, „Zn 
Bezug auf die Widerstandsfähigkeit gegen Typhus, Cholera, Ruhr und andere 
Seuchen läßt sich ein noch viel größerer Erfolg der Abhärtung nachweisen. 
Die Bezeichnung „Abhärtung“ ist eine sehr zutreffende für die zu 
benennende Erscheinung; denn in der That wird der Mensch hart; Jeder 
kann das an seinen eigenen Muskeln beobachten, wenn ex sie in verschie- 
denen Stadien der Trainirung nachfühlt. Das Wesen der Abhärtung ist 
aber auch dur<> Trainirung =- Drainixung bezeichnes, insofern der Vor- 
gang im menschlichen Körper in einer wesentlichen Verringerung des Wassers 
und Fettes besteht, so daß das nicht verminderte Ciweiß, der Hauptträger 
des Leben3, der Nerxven-, Blut- und Muvskelthätigkeit ein beträchtliches 
Uebergewicht erhält. Auch die Zunahme des spezifischen Gewicht5 bestätigt 
diese Veränderung des Mischungs5verhältnisses. Prof. Jäger wog wieder- 
holt württembergische Soldaten im Wasser (wie es einst Archimedes mit 
der Krone des Königs Hiero machte). 
Es ist einleuchtend, daß Schwitßbäder, indem sie den Wassergehalt 
des Körpers verringern, ebenfalls das Mischungsverhältniß verbessern; und 
hat Dr. Jäger experimentell nachgewiesen -- das Wie würde hier zu weit 
führen --, daß die Kraft der Nerven, speziell ihre Leitungsgeschwindigkeit 
durch ein Schwißbad um 13*/, gehoben wurde.
	        

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