Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1884, Bd. 3, H. 1/12)

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recti abdom.), weil lange, von Brust, Seiten und Rücken auf Hüften 
und Sc<hooßgegend sich erstrefende Muskelstränge bildend, einen festeren 
Halt bekommen. E3 wird dies übrigens auch im Volksgebrauc<h so ge- 
halten, und neulich hat mir ein älterer Bauerömann, auf dem ich bei der 
ärztlichen Untersuchung einen Leibgürtel traf, auf meine Frage, warum er 
dies Stü> trage, geantwortet, weil er damit leichter und andauernder 
marschire. J< erinnere mich ferner ganz gut, ohne damals Gewicht darauf 
zu legen, daß mein verstorbener Vater, auch Arzt und in gesundheitlichen 
Dingen ein echter Praktikus, selber immer einen solhen Gurt trug, und 
ihn auch oft andern wohlbeleibten schweren Männern anrieth, dagegen, 
ohne weiter eine Ahnung vom Wollregime zu haben, immer davor warnte, 
unter den weißen Hemden wollene Leibchen zu tragen, weil dadurch die 
Haut zu sehr gereizt und verkältlich werde und man insbesondere dann 
die kalten Waschungen des Körpers und die kühlen Bäder nicht mehr 
vertrage. 
Was übrigens die kalten Waschungen betrifft, die im Ansehen 
und Gebrauche eines Abhärtung53mittels stehen, so ist das ein Jrr- 
thum, an den ich früher auc<h glaubte; aber durch viele gegentheilige Er- 
fahrungen und Beobachtungen davon abgekommen und, ohne hier eine 
längere physiologische AusSeinandersezung zu geben, kurz ausgedrückt zu der 
bestimmten Meinung gelangt bin, daß es nur sehr wenige Naturen 
gibt, denen das kalte Wasser in dieser oder jener Applikation prophylactisch 
nüßt, und daß viele Menschen es vertragen und dabei gesund sein 
können, aber nicht deßwegen, sondern troßdem. Hie und da ein lau- 
warmes Bad oder im Nothfall eine lauwarme Waschung mit Rücksicht auf 
Reinlichkeit und auch dann und wann auf Ermüdung des Körpers ist am 
Platze und hat auch der Wollene hiezu nicht weniger Bedürfniß wie der 
Nichtwollene, eher mehr, und genügt es, wie ich mich seit einem Jahre 
vergewissert habe, bei ersteren, falls sie auf Bäder und Waschungen etwas 
empfindlich sein sollten, wenn sie sich nachher -- nicht den ganzen Körper 
=- sondern nur die Füße und die Mittellinie des Körpers etwa in hand- 
breitem Strich vorn vom Hals bis zur Sc<ooßgegend einölen. 
Seit meiner Rückkunft (im August) von meinem diesjährigen Auf- 
enthalt im Hochgebirge, schlafe ich zu Hause, wie der Leser nach vorliegenden 
Mittheilungen verstehen wird, wieder im leinenen Bett und habe mich, 
wie ich bestimmt versichern kann, eines besseren Schlafes zu erfreuen, als 
im wollenen Bett; mein Körpergewicht hat seit August um 3 Kilo zu- 
genommen und allgemein wird mein Aussehen als frischer bezeichnet. Cvi- 
dent hatte auf mich und, meine Kinder das Wollbett eine zu erhißende 
aufregende Wirkung. | 
Da3 Wollregime hat in St. Gallen einen bedeutenden Aufschwung 
genommen, seine Anhänger mehren sich zusehends und betrachte ich es für 
viele Menschen als sehr zuträglich; mit Modificationen (bei Einzelnen etwa 
mit Ausschluß des Bettes) wahrscheinlich für Alle von Vortheil im Zu- 
stande des Wachens und der Bewegung. Ob die Wolle im con- 
creten Falle auch im Schlafe und in der Ruhe zusage, resp. ob das 
Woll - Bett vertragen werde, ließe sich zufolge meiner gemachten Ex- 
perimente in relativ knappem Versuchstermin, = ohne längere Krisen 
abwarten zu müssen, =- wohl in ca. 6 Wochen bestimmen und werden voraus- 
sichtlich im Allgemeinen mehr die sog. torpiden (auc< hydrogenoiden) Con-
	        

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