Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1884, Bd. 3, H. 1/12)

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wenn er Anstand nehmen wollte, den Vorschriften Jäger's zu folgen, nachdem 
derselbe die Sorge von ihm genommen habe, die 8 Jahre hindurch seines Sohnes 
wegen auf ihm gelastet habe. Redner bat hierauf die Versammlung, nichts zu 
glauben von dem, was er sage, sondern alles durch Experimente festzustellen und 
gab an, in welcher Weise solche Experimente ausgeführt werden können. Pflanzen- 
saserstoffe hätten die Eigenthümlichkeit, daß sie die übelriechenden Ausdünstungen 
des menschlichen Körpers ansaugen und bei Erwärmung und Anfeuchtung wieder 
von sich geben, während Wollstoffe, wenn sie ungefärbt oder richtig gefärbt sind, 
diejenigen Ausdünstungen aufsaugen, wel<he dem Menschen angenehm und heil- 
sam sind. Die Existenz wohlriehender Ausdünstungen und die Heilsamkeit der- 
selben sei zur Evidenz erwiesen durch die geradezu verblüffenden Erfolge, die mit 
Anthropin erreicht seien, und worüber Redner sich erbot, auch hier Proben zu 
machen. Er ging dann zur Besprechung des Farbstoff-Regimes über, schilderte das 
Verfahren, welches Jäger anwendet, um die Wirkung der Bekleidungsgegen- 
stände auf den Organismus des Menschen zu prüfen (Neuralanalyse) , und er- 
läuterte endlich die Bekleidungsreform im engeren Sinne, wie sie unter Beibe- 
haltung der französischen Mode ausgeführt werden könne, sowie auch die weiter- 
gehende Reform, welche auf eine vernunftgemäße Form der Beinbekleidungsgegen- 
stände sich bezieht. Der Vortrag fand stürmischen Beifall und es wurden dem 
Verein Jäger, sowie dem Redner wiederholt begeisterte Hohrufe gebracht.“ 
Vom Jägerianerverein in Dresden erhalte ich folgenden Bericht : 
„Gestern unternahm der hiesige Verein mit einigen Damen und 
Kindern seinen ersten Ausflug in der Gesammtzahl von 29 Personen. 
Der erste Theil: per Dampfschiff von Dresden nach Loschwit, einem stark 
besuchten Vororte Dre5dens, war lediglich demonstrativer Natur. Wollene 
in verschiedenen Farben, der ergebenst Unterzeichnete in ganz kameelbraunem 
Anzuge mit Galahut (Goldtroddel), Gürtel, Goldfranzenkravatte und Ritter- 
hosen, präsentirten sich dem zahlreichen mitreisenden Publikum. Wen 
einer der Wollenen etwa als Bekannten gewahrte, wurde begrüßt und ihm 
sammt Umgebung von den Vorzügen der Wolle gesprochen. Der ergebenst 
Unterzeichnete hatte sogar die Ehre, in einem Kreise von 6 oder 7 Zu- 
hörern einen Vortrag über Anthropin während der halbstündigen Fahrt 
zu halten. Jn Los<wit, nach dem Verlassen des Schiffes, noc< allgemein 
Gegenstand der Bewunderung, ging die übrigen3 recht lebhafte Jägerianer- 
gruppe durch Ersteigung des Elbgeländes zu dem passiven oder genießen- 
den Theile des Ausflug3 über; denn mit dieser Bewegung entfernte sie 
sich von dem Strome der Sonntagsausflügler und konnte nun ungestört 
die landwirthschaftlichen Reize und die köstliche Bergluft genießen. Jmmex 
weiter wandernd, wandte sich die wollgesinnte Gesellschaft durc<h den lieb- 
lichen Helfenberger Grund gegen Abend wieder zu Thale, und am Ab- 
fahrt5orte des Dampfschiffes, einem anmuthigen, vielbesuchten Aufenthalte, 
nahm das Auftreten der Wollenen nochmals einen demonstrativen Charakter 
an, wandelte sich aber im Dunkel der hereinbrehenden Nacht auf sanft 
dahingleitendem Dampfboote wieder in angenehmes Genießen um, welches 
dem Ganzen den schönsten Abschluß gab. Unter den Ausdrücen der all- 
gemeinen Befriedigung wurde auch der Wunsch einer baldigen Wieder» 
holung laut. In ein vorgefundenes Fremdenbuch schrieb Unterzeichneter 
folgende Knittelverse: 
„Bekleidet nach Jäger im Thal, 
„Befind't man schon jekt sich normal, 
„Jedoch hier in luftiger Höh 
„Verschwindet erst ganz alles Weh.
	        

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